Baupraxis

Schneelast-Assistent: Nase, Gitter oder Rundholz?

Es gibt viele Möglichkeiten, die Schneelast auf dem Dach zu sichern. Die entsprechende Berechnung muss nicht umständlich sein. Mit wenigen Klicks erhält man ein sicheres Ergebnis.

15.12.2020
Schneeschutz
Michael Rieger
© Creaton GmbH
Der Service-Assistent kann auch die Menge der erforderlichen Schneenasen berechnen.

Wind, Eis und Schnee fordern dem Dach und seiner Eindeckung viel ab. Gewaltige Kräfte können am Werk sein, wenn der Wind plötzlich an den Ziegeln rüttelt oder große Mengen Neuschnee auf dem Dach landen. Insbesondere in den schneereichen Regionen Österreichs ist es dann besonders wichtig, dass der Schnee sicher am Dach verbleibt.

In Österreich werden die Belastbarkeiten von Gebäudeeindeckungen durch die ÖNORM B 1991-1-3 gesetzlich vorgegeben. Das gilt auch für die Schneefangsicherung auf dem Dach. Hier ist der Bauherr in der Pflicht, denn Schneelawinen können abgestellte Autos oder andere Gegenstände beschädigen und für den Menschen gefährlich werden. Das können Schneefangsysteme leicht verhindern. Die Norm gibt die Anforderungen an das Zubehör zum Einbau einer Dachdeckung vor. Für die Ermittlung der richtigen Einbaumenge gilt die ÖNORM B 3418.

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Auch ein Rundholz kann den Schnee auf dem Dach zurückhalten und ist gerade in westlichen Touristikgebieten beliebt.

Der Sicherungspflicht nachkommen

Für die Schneefangsysteme und Sturmklammern bedeutet das, dass alle Schneefangsysteme, die neu auf dem Dach montiert werden, auch berechnet werden müssen. Nur so kann der Eigentümer eines Hauses seiner Verkehrssicherungspflicht vollumfänglich nachkommen. Tut er das nicht, haftet er generell für die Schäden, die durch Schneeschutzmaßnahmen hätten vermieden werden können. Gleiches gilt auch für vom Sturm losgerissene Ziegel, die nicht ausreichend gesichert waren und Sach- oder Personenschaden angerichtet haben.

Auch der Creaton-Fachberater Alois Trenkwalder kennt sich mit der Schneefangsicherung in den schneereichen Regionen bestens aus, denn sein Gebiet umfasst den Westen Österreichs. In Vorarlberg, Tirol und Salzburg zwingen die strengen Winter und die zugigen Höhenlagen Bauherren und Dachdecker dazu, sich besonders genau mit Windsog- und Schneefangsystemen zu beschäftigen. „Eine Tendenz zum Lieblingsschneefang gibt es nicht“, stellt der Experte fest. „Allerdings sind in touristisch geprägten Regionen ein Schneefang aus Rundholz recht beliebt, weil er das rustikale Ambiente unterstreicht.“ Während bei privaten Häusern häufig eine vorab berechnete Menge an Schneenasen ausreichend Schutz vor Dachlawinen bietet, kommt in innerstädtischen Lagen, in denen die Verkehrssicherungspflicht eine Rolle spielt, immer eine zusätzliche Schutzvorrichtung, meist in Form eines Schneefanggitters, zum Einsatz.“ 

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Die Schneelastkarte gibt eine Übersicht zu den verschiedenen Schneelastzonen in Österreich.

Meist einfach zu berechnen

Glücklicherweise ist die Berechnung von Sturmklammern und Schneelastsicherung in vielen Fällen recht einfach zu bewältigen. Für die Ermittlung der richtigen Einbaumenge an Schneenasen sind die örtliche Schneelast und Dachneigung heranzuziehen. Österreich ist in vier Schneelastzonen eingeteilt – 2, 2*, 3 und 4. Die jeweiligen Schneelasten findet man in der ÖNORM B 1991-1-3 „Tabelle A.1-Ortsverzeichnis“. Die charakteristischen Werte der Schneelasten gemäß Ortsverzeichnis in Tabelle A.1 beziehen sich ausschließlich auf die jeweilige Seehöhe des Ortes und wurden auf 0,05 kN/m² gerundet. Für Orte, deren Gebiet sich über verschiedene Seehöhen erstreckt, oder für jene Orte, die nicht im Ortsverzeichnis angegeben sind, gilt der charakteristische Wert gemäß ÖNORM B 1991-1-3.

Wer sich jedoch nicht auf die eigenen Rechenkünste verlassen möchte oder auf Zeitersparnis setzt, wird von Herstellerseite nicht allein gelassen, sondern mit einfach zu bedienenden digitalen Tools versorgt. „Diese Tools können Standard-Berechnungen ohne Probleme durchführen“, erklärt Fachberater Alois Trenkwalder.
Eine individuelle, verbindliche Planung, die die Besonderheiten des jeweiligen Einzelfalls berücksichtigt, könne dadurch aber nicht ersetzt werden. So müssen etwa Berechnungen für Gebäude in exponierten Lagen auf anderem Weg durchgeführt werden. „In diesen speziellen Fällen können wir aber unterstützen. Bei der Berechnung von Spezialprojekten steht dem Dachdecker und Zimmerer zusätzlich immer auch das Team der Anwendungstechnik mit individuellem Rat zur Seite“, so Trenkwalder.

Das Ergebnis ist nur wenige Klicks entfernt

Handelt es sich aber um ein Gebäude mit recht schlichter Dachgeometrie und nicht exponierter Lage, ist das Ergebnis nur wenige Klicks entfernt. Der Creaton Service-Assistent etwa fragt zur Berechnung wichtige Angaben über verschiedene Masken ab. Der Nutzer wird dabei ganz einfach durch den übersichtlichen Erfassungsprozess gelotst. Die Abfragen starten mit den Standortangaben und gehen dann über gebäudespezifische Details und verwendete Produkte bis zu Windzone und Klammerart.
m letzten Schritt präsentiert der Rechner dann die Ergebnisse: Die empfohlene Menge an Sturmklammern, die Anzahl der Schneefangreihen pro Dachseite und alternativ die Gesamtzahl der Stützen spuckt der Rechner binnen Sekunden aus. Wer das Ergebnis gern schriftlich hätte, kann sich die Berechnung auch ganz einfach als PDF zusenden lassen und erhält zusätzlich das Verlegeschema für Schneenasen und Schneefangsysteme, die exakten Klammerungsverhältnisse, genaue Angaben zu allen Sturmklammern je Dachbereich und die zugrundeliegenden Flächenangaben für jeden Dachbereich als Extra hinzu.
Das erzeugte PDF kann dann dem Bauherrn für seine Dokumentation zur Verfügung gestellt werden, damit er auch noch nach vielen Jahren weiß, auf welcher Basis auf und unter seinem Dach die Sicherungssysteme installiert wurden.

Unterstützung von den Herstellern. Der Service-Assistent von Creaton zum Beispiel führt in fünf Schritten zum Ergebnis.
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