Was tut sich am Dachfenstermarkt?

Passend zum Schwerpunktthema Belichtung kam es nur allzu gelegen, dass man uns zu einem Gespräch mit Roto-Top-Managern einlud. Wir nahmen dankend an, und drei Dachfensterexperten standen Rede und Antwort.

25.09.2013
Dach
Redaktion Dach Wand

Welche Trends zeichnen sich im Dachfenstermarkt aktuell ab?


Christoph Hugenberg:
Speziell energetisch haben sich Dachfenster in den letzten Jahren durch die Dreifachverglasung irrsinnig entwickelt.
Markus Gruber:
Österreich ist in Europa führend in puncto Dreifachverglasung – wir liegen bei einem Marktanteil von 30 Prozent, Tendenz weiter stark steigend. Der Preisunterschied zu einer Zweifachverglasung beträgt auch nur rund 150 Euro pro Fenster – das rechnet sich einfach.
Hugenberg:
Aufgerechnet auf die Lebensdauer eines Wohndachfensters ist das ein Cent pro Tag.
 
Das heißt, Dreifachverglasung ist Stand der Technik. Was macht ein modernes Dachfenster noch aus?


Hugenberg:
Für mich ist ein Dachfenster komplett mit Außenrolladen, Dreifachverglasung und innen eventuell einem Sichtschutz. Und – nach dem Stand der heutigen Technik – elektrisch betrieben inklusive intelligenter Beschlagtechnik.
Stephan Hettwer:
Apropos elektrisch betriebene Dachfenster: Die Nachfrage hier ist auch stark steigend.
Hugenberg:
Auf der letzten Messe „Dach+Holz" haben wir einen Prototyp gezeigt, bei dem keine Beschlagtechnik mehr zu sehen ist. Die ganze „Intelligenz" ist im Rahmen versteckt. Hier werden wir Anfang kommenden Jahres Produktreife erlangen.
 
Was sind die kaufentscheidenden Faktoren bei Dachfenstern?


Hugenberg:
Dazu befragen wir laufend Handwerker, die uns folgende fünf Faktoren nennen: erstens die einfache, problemlose Montage. Gleich gefolgt von der Qualität der Produkte. Da ist man mit Roto bestens beraten, denn wir haben uns der Qualität verschrieben. Vor einigen Jahren haben wir in Deutschland den Preis „Fabrik des Jahres" erhalten. Faktor drei ist die Energieeffizienz – wo Roto wieder absolut punkten kann. Dann die Anschlussprodukte.
Gruber:
Hier haben wir einen innovativen und patentierten Montage-, Dämm- und Anschlussrahmen.
Hugenberg:
Und zu guter Letzt die Marke und Markenbekanntheit. Wir haben zur Marke Roto Kunden und Nichtkunden befragt. Das Gute: Alle sagen das Gleiche. Das zeigt, wir haben Wachstumspotenzial.
 
Wo liegt das größte Wachstumspotenzial für Dachfenster?


Hugenberg:
Hier gibt es einen eindeutigen Markttrend: die hochwertige Renovierung. Produkttechnisch haben wir dafür beste Lösungen.
Gruber:
Und um die umzusetzen, wollen wir echte Qualitätsbetriebe für die Renovierung.
Hettwer:
Unsere Kunden schöpfen das Potenzial oft nicht ganz aus. Unsere Vision ist eine Komplettlösung beim Fenstertausch – inklusive Innen- und Außenanschlüssen und größeren Öffnungen. In der Schweiz gibt es Unternehmen, die nur Fenstersanierungen machen.
 
Sich quasi mit Sanierungen sanieren?


Gruber:
Der Renovierungsmarkt ist ein unglaublich großer Markt. Und wir wollen die Handwerker dabei unterstützen, ihn zu erschließen. Roto bietet dazu 2014 Schulungen an und zertifiziert „Roto-Renovierungspartner".
 
Das Thema Weiterbildung spielt bei Roto eine wichtige Rolle.


Gruber:
Wir hatten 2013 die dritte Schulungssaison mit rund 700 Teilnehmern insgesamt. Das zeigt – obwohl man bei Dachfenstern immer von einem Low-Interest-Produkt spricht – wie wichtig den Handwerkern die Qualität des Einbaus ist. Hier muss ich noch einmal den Montagerahmen anführen: Vor knapp über einem Jahr eingeführt, wird er inzwischen bei 40 Prozent aller Fenster eingebaut.
Hugenberg:
Das bringt den Handwerker auf die sichere Seite.
Hettwer:
Wir sehen uns als Partner des Dachhandwerks, nicht nur als Lieferant. Wir wollen die Produkte gemeinsam mit dem Verarbeiter entwickeln. Wir haben treue Kunden, mit denen wir Gespräche und Diskussionen führen. So wissen wir über die Wünsche und Bedürfnisse Bescheid und können mit unseren Anwendungen darauf reagieren.
Gruber:
Der Verarbeiter ist unser Ansprechpartner Nummer eins, vor allem auch die, die einbauen, weil sie direkt dran sind.
 
Welche Bedeutung hat das kleine Land  Österreich in der Roto-Gruppe?


Hugenberg:
Österreich gehört zu den fünf Topmärkten. Österreich ist, und ich übertreibe nicht, ein Vor­reitermarkt für ganz Europa. Das Niveau und die Ansprüche hier sind sehr hoch. Denn die Handwerkstradition hat große Bedeutung, daher gibt es einen hohen Anspruch an Details. Wir wissen, dass Trends von hier auf andere Länder übergreifen, wie etwa die Dreifachverglasung oder der hohe Anteil an Außenrollos.
Gruber:
Es werden sogar Produkte speziell für den österreichischen Markt entwickelt – wie etwa der Montagerahmen. Wir sind ein flexibles Unternehmen, das auf den Markt reagiert.
 
Eine letzte Frage noch. Roto hat sich in Österreich völlig aus dem Solarmarkt zurückgezogen. Warum?


Hugenberg:
Nicht nur in Österreich. Viele Unternehmen, die sich damit beschäftigt haben, stehen inzwischen vor der Pleite oder sind schon davon betroffen. Wir haben intensiv daran geglaubt, nur ist mit Solartechnologie leider kein Geld zu verdienen gewesen. Wir waren auch immer Verfechter von Indachlösungen, es haben sich aber Aufdachlösungen durchgesetzt. Und eigentlich basiert der Solarmarkt auf einem kranken Modell: Die Motivation sollte sein, einen ökologischen Beitrag zu leisten, es geht aber nur darum, wann es sich rechnet. Deshalb betreiben wir das Solargeschäft nur noch in Deutschland. Sonst konzentrieren wir uns ganz auf Dachfenster.

Interview: Birgit Tegtbauer

Dach + Wand

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