Individuelle Bossierung

Klare Form und gerade Linien – in seiner Kubatur könnte dieses Wohnhaus in Berlin kaum schlichter sein. Alles andere als schlicht ist dagegen die Gestaltung der wärmegedämmten Fassade.

08.05.2017
Brillux
Redaktion Color
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Die kreative Gestaltung der WDVS-Fassade unterstützt die Architektur.

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Die großen Fenster lassen das Objekt offen und hell wirken.

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Durch die individuell angefertigten Bossenplatten entstehen architekturbegleitende Strukturen, die Licht und Schatten bilden.

Der Gestaltungsentwurf des planenden Architekturbüros sah eine lineare Bossierung in Polystyrol vor. Eine, wie sich herausstellen sollte, richtungsweisende Idee, die von der Firma Die Handwerker für Berlin & Brandenburg, handwerklich gekonnt und präzise umgesetzt wurde.

Kreativ und außergewöhnlich

Während das Oberflächenfinish von Wärmedämm-Verbundsystemen oftmals stereotyp als glatter Scheibenputz ausgebildet wird, überrascht das Wohnhaus in Berlin mit einer sehr ungewöhnlichen Fassadengestaltung. Der Architekt hatte die Idee, die geradlinige, schlichte Kubatur des Einfamilienhauses durch eine individuelle Bossierung in Szene zu setzen. Ein Streifenmuster, das dem Wohnhaus eine einmalige Struktur verleihen sollte. Durch die individuell angefertigten Bossenplatten sollten architekturbegleitende Strukturen entstehen, die Licht und Schatten bilden. Mit der Ausführung der Fassadengestaltung wurde der Holger Ohliger Malermeisterbetrieb, die Handwerker für Berlin Brandenburg, beauftragt.

Die technische Umsetzung

Wie die gewünschte vollflächige Bossierung praktisch umgesetzt werden sollte, erörterte Holger Ohlinger mit seiner Firma gemeinsam mit der Technischen Beratung von Brillux. Dabei wurde schnell klar, dass die Rillen mit einer reinen Putzapplikation zu flach sein würden, um den gewünschten optischen Effekt zu erzielen. Der einfachere Weg schied damit aus. Variante 2 sah eine Bossierung in der Polystyrol-Dämmschicht vor. „Dass das technisch möglich ist, stand völlig außer Frage. Aber mit der Umsetzung in diesem Umfang würden wir Neuland betreten“, so Holger Ohliger. Dieses Neuland bestand darin, auf der gesamten Fassade jede einzelne Bossenlinie per Hand mit dem Heißschneider zu schneiden. „Im Vorfeld mussten wir uns ganz genau überlegen, wie die Schnitte verlaufen sollen. Dazu mussten sämtliche Linienverläufe, also alles komplett durchgeplant werden, damit die Optik am Ende stimmte.“

Handwerkliches Können

Die Fassade des Einfamilienhauses hatte mit dem Brillux WDV-System I ein geprüftes Wärmedämm-Verbundsystem mit Fassadendämmplatten aus expandiertem Polystyrol-Hartschaum erhalten, die im Klebeverfahren befestigt worden waren. Zur Ausführung der Bossierung wurden die Linien im ersten Schritt zunächst aufgelasert und dann mit dem Heißschneidegerät von Hand geschnitten. Dabei war ein besonders hohes Maß an Präzision gefordert. „Das ist und bleibt eine handwerkliche Ausführung. Wir waren bei diesem Projekt mit fünf Mitarbeitern auf der Baustelle. Schon beim Einmessen mussten wir sehr genau arbeiten. Natürlich hat die Art der Ausführung bei diesem Objekt sehr viel Zeit benötigt – doch genau das ist es auch, was das Ganze perfekt macht“, resumiert Holger Ohliger. Nachdem die Bossen-Linien gesetzt waren, wurde mineralisch armiert, und zwar mit doppeltem Detailgewebe unter Einsatz einer speziellen Bossenkelle, die vom Malerbetrieb passend zu den ermittelten Bossentiefen selbst angefertigt worden war. Für den weiteren Beschichtungsaufbau folgten zwei Millimeter Kratzputz mit Mineral-Leichtputz KR K2 3664, um genügend Material auf der Fläche zur Verfügung zu haben. Um die Fassade wieder etwas abglätten zu können, folgte ein Arbeitsgang mit Mineral-Leichtputz G 3679. Für den abschließenden Fassadenanstrich wurde die Fassadenfarbe Silikat-Finish 1811 verwendet. Die einkomponentige Fassadenfarbe auf Silikatbasis wurde in einem für diesen Wohnbau angemessenen, eher unauffälligen hellen, sandfarbenen Ton eingefärbt. Lediglich der oben aufgesetzte Gebäudeteil blieb ohne Bossierung sowie die Bereiche über den Fenstern, die aufgrund der Kästen für die Jalousien ebenfalls nicht bossiert werden konnten.

Auch im Anschlussbereich gab es Sonderlösungen: Die Laibungen bestehen aus aufgesetzten Metallrahmen. Auch hier waren viel Zeit und eine äußerst präzise Ausführung notwendig, um die Fensteranschlüsse schlagregendicht herzustellen.

Text: Albert Klein, Produktmanager Brillux

Maler

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