Ziel: 10.000

In der Tischlerei Feuerstein in Nüziders sorgen seit Kurzem ein neues Homag-Bearbeitungszentrum und Hightechwerkzeuge von Oertli dafür, dass in der Fenster- und Türenfertigung alles perfekt läuft.

02.10.2015
Fenster
Thomas Prlic
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Zum Einsatz kommt bei Feuerstein mit der sogenannten SP- und der Hybridtechnologie die ­neueste Oertli-Werkzeuggeneration.

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Christian Wolfsberger von der Firma Oertli und Thomas Feuerstein

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Fensterbau-Produktionsleiter David Hager vor dem Homag BMB 922 Power Profiler.

Die Tischlerei Feuerstein ist ein hochmodernes Unternehmen mit einer langen Tradition: Gegründet 1865 in Bludenz (Vorarlberg), besteht die Tischlerei seit nunmehr 150 Jahren und wird als Familienbetrieb in mittlerweile siebter Generation geführt. Von der Küchen- und Möbelfertigung bis zum Fenster- und Türenbau bedient das Unternehmen das ganze Spektrum des Tischlerhandwerks. Der Betrieb ist mit fast 50 Mitarbeitern vom Privat- bis zum Objektbereich tätig und beliefert auch die Kollegenschaft mit seinen Produkten: „Wenn ein Tischler Hebe-Schiebetüren, Fenster, Haus-, Innentüren oder eine Speziallösung braucht, dann ist er bei uns an der richtigen Adresse“, sagt Thomas Feuerstein, der zusammen mit seinem Bruder Alexander und seinem Vater Alfons den Allroundbetrieb leitet, zu dem auch eine eigene Glaserei gehört.

EXPANSIONSPLÄNE
Seit einigen Jahren ist die Tischlerei Feuerstein kräftig am Expandieren. 2010 hat man eine eigene Niederlassung in der Schweiz eröffnet, erst kürzlich ist ein neuer Vertriebsstandort in Bruck/Glocknerstraße (Salzburg) dazugekommen. Bereits 2011 ist der Betrieb vom langjährigen Standort in Bludenz in einen Neubau im nahe gelegenen Nüziders übersiedelt. 2013 musste man dann schon wieder erweitern. Für Thomas Feuerstein war damit auch der Zeitpunkt passend, die Abläufe in der Bautischlerei von Grund auf zu überdenken: „Wir haben uns damals die Fertigung angeschaut und beschlossen, dass wir in dem Bereich etwas tun müssen.“
Rund 5.000 Einheiten (Fenster einfach gerechnet, Türen doppelt) fertigte man bisher in der Tischlerei pro Jahr. 18 Jahre lang leistete dabei eine Winkelanlage gute Dienste. Nachdem die damalige Herstellerfirma längst in Konkurs und die Anlage schon in die Jahre gekommen war, war es an der Zeit, in eine moderne Fenster- und Türenfertigung zu investieren. 

GESAMTPROZESS ANALYSIERT

Für Thomas Feuerstein ging es dabei um mehr, als nur eine neue Maschine für die Profilbearbeitung zu kaufen. Vor der Beschaffung wurde der gesamte Produktionsprozess analysiert. Im Zuge der Umstrukturierungen in der Werkstatt wurde dann in eine neue Hobel- und Kehlmaschine ebenso investiert wie in eine neue Rahmenpresse. Auch die Spritzanlage ist mittlerweile auf dem neuesten Stand. „Es braucht einfach die technischen Voraussetzungen, um die geforderte Qualität auch in einer gewissen Zeit zur Verfügung stellen zu können“, sagt Thomas Feuerstein.
Für die Profilbearbeitung fiel die Wahl auf ein Bearbeitungszentrum von Homag, den BMB 922 Power Profiler. Mit der Maschine kann sowohl die Fenster- als auch die Türenherstellung bewerkstelligt werden – ein wichtiger Punkt in Feuersteins Anforderungsprofil an die neue Fertigungslinie. Der Power Profiler ist für die Tischlerei auch ein großer Schritt in Sachen Prozess­optimierung: Mit der alten Winkelanlage mussten weitere Arbeitsschritte wie Bohrungen oder Fräsungen separat erledigt werden. Das mit einer automatischen Beschickung sowie einer Abstapelung ausgestattete Homag-Bearbeitungszentrum schafft diese Schritte jetzt quasi in einem Arbeitsgang. Und es kann auch wesentlich größere Stückzahlen bewältigen: In zwei Jahren, so Thomas Feuersteins Ziel, will er damit auf 10.000 Produktionseinheiten im Jahr kommen. Also doppelt so viele wie bisher.

QUALITÄT UND SERVICE
Auf der Suche nach einem innovativen Werkzeugpartner hat sich Feuerstein für Oertli entschieden. „Wir wollten flexibel und absolut exakt sein“, nennt Feuerstein weitere Gründe für die Entscheidung, „und wir wollten auch perfekte Oberflächen haben“. Eine besondere Herausforderung an den Werkzeughersteller lag dabei in der Vielzahl an Fenstertypen, die in der Tischlerei gefertigt werden: Inklusive aller Hebe- und Schiebetüren sowie den Innentüren kommt man auf 23 unterschiedliche Typen – macht zusammen 314 verschiedene Holzprofile. Sowohl für die Tischler als auch für den Werkzeughersteller bedeutete das jede Menge Entwicklungsarbeit: Um die entsprechenden Werkzeugkombinationen für alle Varianten zu entwickeln, musste Christian Wolfsberger, der zuständige Mitarbeiter bei Oertli, sage und schreibe 901 Schnittzeichnungen anfertigen. Ein einzelner Techniker bei Feuerstein war während der zweijährigen Umsetzungsphase nur mit diesem Projekt befasst. 
Auch das Konzept für das sogenannte Werkzeugsplitting wurde gemeinsam erarbeitet: Dabei werden die einzelnen Bearbeitungswerkzeuge auf mehrere Maschinenspindeln aufgeteilt und die Profile in hintereinander geschalteten Fahrten befräst. Dies ermöglicht eine rationelle und flexible Bearbeitung. Zum Einsatz kommt bei Feuerstein mit der sogenannten SP- und der Hybridtechnologie die neueste Oertli-Werkzeuggeneration. Bei der Hybridtechnologie werden zwei Schneidesysteme – Wendeschneiden für das Vorfräsen, Fertig- oder Profilschneiden für das Finish – auf einem Werkzeug kombiniert. So erhöhen sich die Standzeiten der Fertigschneiden. Weil dadurch außerdem zwei Fräsvorgänge in einem Arbeitschritt vereint werden, hilft die Technologie auch, Zeit zu sparen. Die SP-Technologie, ein neues Spannsystem von Oertli, gewährleistet zudem die angestrebte Präzision und Effizienz. Dabei wird das Werkzeug auf den Aufnahmedornen verklebt. Durch diese Verklebung werden unerwünschte Vibrationen vermieden und eine konstant hohe Wuchtgüte erreicht. 
„Wir zerspanen jetzt auch richtig große Glasfälze in nur einer Durchfahrt“, erzählt Feuerstein. Galten früher IV-92- oder IV-104-Profile als Standard, so sind neuerdings häufig schlanke, flächenbündige 86er-Profilstärken bei den Holz-Alu-Modellen gefragt. In Sachen Eckverbindungen setzt Feuerstein auf die Konter-Dübel-Variante. Besonders große Fenster- oder Hebe-Schiebetürformate werden in mehreren Teilen gefertigt. Mit dem neuen Homag-Bearbeitungszentrum lassen sich nun auch anspruchsvolle Wechselfälze (beim Wechsel von Fix- zu Flügelverglasung) in einem Arbeitsgang herstellen. 

VOLLAUTOMATISCH
„Für uns war neben der Qualität der Werkzeuge auch der Service von Oertli überzeugend“, sagt Thomas Feuerstein. Der große Entwicklungsaufwand hat sich für ihn trotzdem ausgezahlt. Statt der vielen Einzelschritte laufe jetzt eben alles automatisch ab. „Früher musste durchgehend ein Mitarbeiter an der Maschine stehen. Jetzt reichen zehn Minuten, dann arbeitet die Anlage für zwei Stunden alleine.“ Ein weiterer Vorteil: Es entstehen keine Rüstkosten, da alle Werkzeuge in der Maschine ihren Platz haben und diese nicht mehr aufwendig gewechselt werden müssen. 
Allerdings wird mit dem neuen Bearbeitungskonzept (Maschine und Werkzeuge) auch die Reinigung wichtiger, damit nicht durch Verschmutzung eine Unwucht entsteht.
Was Thomas Feuerstein nach der Weichenstellung Richtung Automatisierung in der Fertigung aber besonders freut: „Wir haben keine Mitarbeiter entlassen – im Gegenteil! Mittlerweile konnten wir vier neue Facharbeiter und zwei Helfer einstellen.“ Und der Chef kann sich jetzt auch wieder um seine Expansionspläne und den weiteren Ausbau des Vertriebs kümmern: Die neuen Fertigungskapazitäten wollen schließlich auch entsprechend ausgenützt werden.
www.feuerstein.eu, www.oertli.at, www.homag-austria.com

In Kürze
Betrieb: Tischlerei Feuerstein, 
6714 Nüziders
Mitarbeiter: 49
Schwerpunkte: Fenster, Türen, Küchen, Möbel, Wintergärten
Maschine: Homag BMB 922 Power Profiler
Werkzeuge: SP- und Hybridwerkzeuge von Oertli

 

 

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