„Planbare Anreize schaffen“
Anton Resch vertritt als AMFT-Geschäftsführer die Interessen von 60 Mitgliedsbetrieben. Im Interview findet er „Klare Worte“ zu den wichtigen Themen im Metallbau.
… zur vorjährigen und aktuell erwartbaren Auftragslage im Metallbau.
Resch: Nach dem konjunkturellen Einbruch noch in der Pandemie sehen wir eine anhaltende Seitwärtsbewegung. Die Auftragslage war 2025 je nach Tätigkeit und Projektgröße unterschiedlich. Während Metallbauleistungen im hochwertigen Segment weiter gefragt sind, ist der Objektbau zurückgegangen und die Auftragslage generell auf niedrigerem Niveau. Da öffentliche Auftraggeber sparen, ist kurzfristig keine Trendwende zu erwarten. Die Politik wäre gefordert planbare Anreize für Bau und Sanierung der Gebäudehülle zu schaffen, hat aber mit dem kürzlich über Nacht eingestellten Sanierungsbonus für die thermische Sanierung viel Verunsicherung geschaffen und Impulse ausgebremst. Flexibel aufgestellte Betriebe – breit in Marktstruktur und Produktpalette – können Nachfrage- und Projektverschiebungen eher ausgleichen. Vereinzelte Insolvenzen in der Branche zeigen aber die enormen Belastungen am Markt. Insgesamt erwarten wir kurzfristig keine wesentliche Verbesserung, aber auch keine weitere Verschlechterung der Lage.
… zum Fachkräftemangel und Zukunftssicherheit im Metallbau.
Der Fachkräftemangel ist nach wie vor evident, zu einem hohen Maß auch strukturell bedingt. Für Fassadentechnik und digitales Baumanagement fehlen Ausbildungsmöglichkeiten. Der Metallbau bietet mit individuellen Projekten ein sehr facettenreiches Arbeitsumfeld und so entstehen laufend herausragende Bauobjekte. Dazu bedarf es aber einem hohen technischen Know-how, angefangen bei der Statik über die Bauphysik bis hin zu den Glasanwendungen und Bauanschlussmöglichkeiten. Wir realisieren hier durch individuelle Bauwerke und architektonischen Differenzierungen fast ausschließlich Unikate und Prototypen. Zusätzlich sind Baugesetze und Normen in allen Belangen einzuhalten und deren Kenntnis ist von großer Bedeutung. Fachkräfte mit diesem Wissen werden immer in allen Arbeitsbereichen benötigt und haben hohe Zukunftsaussichten, Sicherheit sowie ein spannendes und abwechslungsreiches Arbeitsumfeld.
… zu lukrativen Chancen im Metallbau.
Hochwertiges Bauen und Wohnen bleibt attraktiv. Der Objektbau dürfte sich nach Überwindung der Finanzkrise erholen. Wichtiges Zukunftsfeld ist Service und Wartung (Inspektion, Instandhaltung, Nachrüstung). Stabile Sicherheits- und Brandschutzkonstruktionen bleiben gefragt und werden vom Metallbau in hoher Qualität geliefert. Bei den Zielen der EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) hinken wir weit hinterher. Bleibt der Weg erhalten, braucht die thermische Sanierung der Gebäudehülle künftig auch viele Ressourcen aus dem Metallbau.
… zur Flexibilität der Metallbaubetriebe.
Die meisten Metallbaubetriebe sind bereits sehr flexibel. Oft bedingt durch historische Krisen, Konjunkturflauten oder Marktveränderungen. Die Wirtschaftskrise 2008 und die folgenden Jahre der schwachen Konjunktur am Bausektor zwang viele die Arbeitsprozesse anzupassen und radikal umzustellen. Metallbaubetriebe haben daher gelernt, flexibel und rationell zu reagieren und die Arbeitsabläufe anzupassen. In der Baubranche und im Projektgeschäft gibt es wenig Gewerke, die flexibler sind als der Metallbau. Fast kein anderes Gewerk hat so viele Schnittstellen zu anderen Gewerken bei Projekten wie der Metallbau.
… zur Digitalisierung und KI.
Digitalisierung und papierlose Fertigung ziehen immer mehr in die Betriebe ein. Nachdem die Anforderungen an die Produkte steigen, sei es mit Automatisierung, Gebäudeintegration mit Einbindung in Smart Home usw. entwickelt sich der Bereich weiter. KI findet in unserer Branche als zusätzliches Werkzeug Einzug, derzeit vor allem im administrativen Bereich. Die Robotik wird immer mehr genutzt, kaum ein Unternehmen fertigt ohne Bearbeitungszentrum. Wir werden aber immer Menschen brauchen, die mit anderen Gewerken die hochwertigen Produkte auf der Baustelle fachlich korrekt montieren. Da kann die Robotik nur bedingt helfen. Die Arbeitsweisen ändern sich – nicht die Branche als Gesamtkonstrukt.
… zu Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft und Recycling.
Nachhaltigkeit lebt der Metallbereich schon sehr lange. Der Wertstoffkreislauf bei Aluminium existiert seit Jahrzehnten mit hohen Recyklatquoten und gehört zu den ältesten und erfolgreichsten Kreislaufwirtschaftsprozessen überhaupt. Man kann sagen die Metallbaubranche macht das „schon immer“ – nicht erst, seit es ein Hype geworden ist. Der Prozess wird stetig vorangetrieben und die Effizienz verbessert. Zu achten ist, dass die Schrotte in Europa verbleiben, damit der Kreislauf auch künftig funktionieren kann. Gezielte Wertstoffrückführungen in den Kreislauf, wie es der deutsche Verein A|U|F vorzeigt, könnten auch in Österreich dazu beitragen, die Zirkularität weiter zu fördern.
… zu Trends bei Fenster, Türen und Fassaden.
Im Trend liegen weiterhin schlanke Konstruktionen. Der Anspruch liegt immer öfter bei der Architektur als nur bei der Wirtschaftlichkeit. Gefragt sind Freiformkonstruktionen, größere Gläser und Transparenz sowie gebäudeintegriert steuerbare Systeme. Transparente Elemente in der Gebäudehülle ermöglichen solare Einträge in die Gebäude im Winter und in Kombination mit intelligent gesteuerter Beschattung die nötige thermische Behaglichkeit im Sommer. So werden Metall-Fenster und Fassaden in der Ganzjahresbetrachtung zu einer energieeffizienten Haustechnikkomponente, die Energie sparen und dem Nutzer thermischen Komfort bieten. (gw)



