Ressourcen effizient managen
Brigitte Reich ist seit 2018 Geschäftsführerin von Secontrade, einem digitalen Marktplatz für Sekundär-Rohstoffe.
Bild: Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft werden zunehmend Teil der Unternehmensstrategie aller Branchen. Diesen Weg unterstützt Brigitte Reich als Geschäftsführerin der B2B-Plattform Secontrade.
Metalle sind die Basis moderner Industrie und zentraler Hebel für die Kreislaufwirtschaft. Das zeigt das Beispiel Stahl: In Europa besteht er bereits aus rund 90 Prozent Altschrott und wiederverwerteten Materialien – gewonnen aus Rückbauprojekten sowie Industrieabfällen wie Stanzresten und Spänen. Der Einsatzbereich geht weit über die Bauwirtschaft hinaus. „Sekundär-Stahl findet sich in Werkzeugen, in der Automobilindustrie für Karosserien, Felgen und Bremsscheiben oder sogar auf der Straße als Kanaldeckel“, erklärt Brigitte Reich, Geschäftsführerin von Secontrade, einem digitalen Marktplatz für Sekundär-Rohstoffe. Die B2B-Plattform ermöglicht einen nachhaltigen Handel mit hochwertigen Ressourcen wie Metallen, Beton, Ziegel, Kunststoffen und Glas – und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Circular Economy. Die Juristin mit Schwerpunkt Umwelt- und Abfallrecht begann ihre berufliche Laufbahn nach dem Studium in einer auf Umweltrecht spezialisierten Wiener Kanzlei. Danach sammelte die gebürtige Grazerin umfassende Erfahrung bei UFH, wo sie seitdem tätig ist. Die UFH Holding betreibt ein österreichweites Sammel- und Verwertungssystem für Elektroaltgeräte und Batterien sowie eine eigene Kühlgeräte-Recyclinganlage. „Diese Erfahrungen haben mein Verständnis für effizientes Stoffstrommanagement nachhaltig geprägt“, betont Reich, die mit ihrer Familie in Wien lebt.
Gelebte Kreislaufwirtschaft
Vor diesem Hintergrund wurde das Potenzial der Digitalisierung für die Vermarktung von Sekundär-Rohstoffen immer deutlicher. Daraus entstand die B2B-Handelsplattform Secontrade, eine 100%-ige Tochter der UFH Holding. Der digitale Marktplatz führt Angebot und Nachfrage von Sekundär-Materialien effizient zusammen. Anfangs habe es Bedenken vor der Digitalisierung gegeben, insbesondere hinsichtlich der Transparenz. Davon sei heute aber nur mehr wenig zu spüren. „Wir geben Reststoffen wie Metallabfällen, Asphaltbruch, Altholz, aber auch biogenen Reststoffen eine digitale Bühne als Wertstoffe. So gelingt ein schneller, verlässlicher Wiedereinsatz in den Wirtschaftskreislauf“, beschreibt Reich die Idee dahinter. Ziel ist es, Sekundärressourcen als Rohstoffe der Zukunft anzunehmen, Primärlagerstätten zu schonen, den Energieverbrauch und den CO₂-Footprint zu reduzieren. Seit der Gründung wurden über 66.000 Tonnen Sekundär-Rohstoffe gehandelt. Heute zählt die Plattform mehr als 500 aktive Nutzerinnen und Nutzer in ganz Europa. „Wir führen Angebot und Nachfrage zusammen, eine eigene Lagerung bietet Secontrade aktuell nicht an.“
Kraftquelle Natur
Neben dem strategischen Betrieb bringt Reich ihr Know-how aktiv in Forschungs- und Entwicklungsprojekte ein. Ihre Energie schöpft sie dabei aus der Natur, etwa bei Wanderungen in den Salzburger Bergen. Derzeit widmet sie sich unter anderem dem FFG-geförderten Projekt Passat, das die Umsetzung des Digitalen Produktpasses vorantreibt. Dieser wird künftig insbesondere für Produktgruppen wie Stahl und Eisen verpflichtend. „Der Digitale Produktpass bildet die Basis für eine neue Qualität der Ressourcennutzung. Er schafft Transparenz, trägt dazu bei, Prozesse zu verbessern und bietet Möglichkeiten für optimiertes und wirtschaftliches Recycling. Als Projektpartner wollen wir Unternehmen dabei unterstützen, diese Anforderungen effizient und praxisnah umzusetzen.“ (gw)




