Eindrucksvolle Glasfenster

Glaskunst
23.05.2017

 

Der Name Albert Paris Gütersloh (geboren als Kiehtreiber 1887) ist untrennbar verbunden mit einer Vielzahl von Werken, vor allem aus der Zwischenkriegszeit.

Josefszyklus

Seelenwaage

Überaus facettenreich war der Tätigkeitsbereich von Albert Paris Gütersloh: Als bildender Künstler war er erstmals 1909 mit einer Ausstellung in Wien zu sehen. Neben der Malerei – Ölbilder und Aquarelle – wandte er sich der Dichtkunst zu, und nach einer Romanveröffentlichung ging er als Kunstkritiker nach Frankreich. Nach seiner Rückkehr wurde er Schüler von Gustav Klimt und stand in Beziehung zu Egon Schiele und Josef Hoffmann.

Immer wieder stand Literatur im Mittelpunkt seines Schaffens. Als Schauspieler und Regisseur war er dem Pathos und der Ironie verpflichtet. Von 1930 bis 1938 war A. P. Gütersloh Professor an der Wiener Kunstgewerbeschule und kurz auch Mitglied der Wiener Secession. In dieser Zeit entstanden Entwürfe für Glasfenster in Wiener Kirchen und Mosaike.

Hier begann meine Entdeckung der Glasfenster in der Pfarrkirche Sandleiten, Wien-Ottakring. In den Jahren 1935 bis 1936 wurde in „Sandleiten“ die Kirche vom Architekt Josef Vytiska gebaut, deren Patron der Hl. Josef ist. Die Bauanlage umfasst die Kirche, einen Festsaal, Jugendheim und den Pfarrhof. Steigt man die Stufen zum Eingang der Kirche empor, sieht man das große runde Glasfenster von A. P. Gütersloh über das ein Christogramm gesetzt ist. Im Inneren verdeckt leider die Orgel einen Teil dieses bunten Glasfensters mit abstraktem Muster.

Wendet man sich den Glasfenstern des Künstlers im Hauptschiff zu, erkennt man auf einem die Geschichte des ägyptischen Josef aus dem Alten Testament, das andere zeigt die Geschichte des Nährvaters Josef aus dem Neuen Testament. Die beiden Josefszyklen sind auf sieben mal zwei Feldern in Schwarzlotzeichnung auf hellem Glas in zarten Pastellfarben gemalt. In der Seitenkapelle sehen wir zwei weitere Glasfenster, deren biblische Themen sich mit den „vier letzten Dingen“ befassen. Die vier quadratischen Felder enthalten Verse, die angeblich von Gütersloh selbst gedichtet wurden. Diese in kräftigen Farben gehaltenen Glasfenster stehen in reizvollem Kontrast zu den zart gemalten Glasfestern mit dem Josefszyklus. An der sorgfältigen Komposition erkennt man die intensive Auseinandersetzug des Künstlers mit der Gedankenwelt und Aussagekraft des Alten und Neuen Testaments. 

Diese einmaligen Glas-Kunstwerke verdienen aufmerksam betrachtet und gewürdigt zu werden.

Albert Paris Gütersloh war auch nach dem II. Weltkrieg mit hohen Ämtern betraut und weiterhin als Maler und Dichter tätig. Er starb 1973 in Baden bei Wien.

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Glas