Jahrhundertealte Glaskunst

Glaskunst
26.04.2013

Von: Redaktion Glas

Die Sammlung Strasser ist eine der weltweit bedeutendsten Glassammlungen und hat nun eine Ausstellung in den neuadaptierten Räumen des Hochschlosses Ambras bei Innsbruck erhalten.

Glasbecher um 1770/1780, Böhmen.

Die Sammlung wurde in mehr als 50-jähriger Sammeltätigkeit von Prof. Rudolf Strasser angelegt und umfasst insgesamt über 300 kostbare Gläser von der Renaissance bis zum Klassizismus aus den wichtigsten europäischen Glaserzeugungsgebieten wie Venedig, Hall, Innsbruck, Böhmen und Schlesien. Der Schwerpunkt der Sammlung liegt im Renaissance-Bereich, also in einer Zeit, wo die Glaskunst der venezianischen Glashütten auf das Interesse mitteleuropäischer Fürsten trifft, die sich mit den neuen kulturellen und geistigen Strömungen der Renaissance auseinandersetzen.

Im Jahr 2004 hat Rudolf Strasser seine Sammlung dem Kunsthistorischen Museum in Wien übereignet. Rund 60 Gläser werden seit März 2013 in der neu aufgestellten Kunstkammer im Kunsthistorischen Museum in Wien gezeigt. Der weitaus größere Teil der Sammlung ist jedoch als neu eingerichtete Dauerausstellung in Schloss Ambras zu bewundern.

Umfangreiche Dauerausstellung
Hier erzählen die transparenten, farbigen sowie aufwendig dekorierten Pokale, Kelche, Stangengläser und Humpen die Geschichte und die Technik der Glaskunst. Ein Highlight venezianischer Glaskunst ist der Petroneller Willkhumb, den vermutlich der ungarische König Matthias Corvinus dem Schlossbesitzer von Petronell Johannes von Kranichberg (1487) geschenkt hat.

Etwa fünfzig Jahre später folgten in Tirol (Hall und Innsbruck) bedeutende Hüttengründungen, deren Erzeugnisse durch Diamantriss und kalte Bemalung verziert wurden. Mehrere Gläser aus den Tiroler Renaissance-Hütten oder aus der südböhmischen Rosenberg-Hütte komplettieren diesen Abschnitt der Sammlung.

Einen ebenso breiten Bestand bilden die durch Emailmalerei dekorierten Gläser, deren Ursprung auch noch in die Spätrenaissance zurückreicht und das allmähliche Entstehen des bürgerlichen Handwerkstandes signalisiert. Böhmische, süddeutsche und sächsische Hütten übernahmen auch hier die venezianische Tradition und sind durch frühe Humpen reichlich vertreten. Ein weiterer Schwerpunkt sind die mit dem Rade geschnittenen Barockgläser. Die sich aus dem Steinschnitt der Renaissance entwickelnde Glasgravur hat sich besonders am Hof Rudolfs II. entfaltet. 

Die Wunderkammer Ferdinands
Kaum ein Ort ist für die Präsentation besser geeignet als Schloss Ambras. Der Begründer der Ambraser Sammlungen ist Erzherzog Ferdinand II. (1529 – 1595). Erzherzog Ferdinand hatte 1570 die Innsbrucker Hofglashütte gegründet. Er ließ Künstler aus Murano nach Innsbruck kommen. Belegt sind von 1571 bis 1575 die Glasmeister Pietro dell’Orso, Salvatore

Savonetti und Andrea Tudin. Die Glasmacher sollten allerdings wenig „fantasey” haben. Offenbar waren sie vornehmlich für die Materialbeschaffung und die technische Verarbeitung und weniger für die künstlerische Gestaltung verantwortlich, die sich nach den Vorstellungen Ferdinands zu richten hatte. Sie brachten teilweise vorgefertigte Glaswaren und Materialien, die auf Tiroler Boden nicht zu bekommen, aber wesentlich für die angestrebte Transparenz des Glases waren, aus Murano mit. Diese fürstlichen Schatzkammern entwickelten sich im Laufe des 16. Jahrhunderts zu enzyklopädischen Kunstkammern in denen besonders wertvolle bzw. kuriose Objekte zur Schau gestellt wurden.

Text: Helga Högl

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