Interview

Multifunktionaler Brandschutz

Brandschutzglas
14.05.2021

Brandschutzgläser müssen heute weit mehr leisten als vor Feuer zu schützen. Markus Feyersinger, Produktmanagement Brandschutzglas, und Wolfgang Pichler, Vertriebsleiter von Pilkington Austria, beantworten die brennendsten Fragen zu modernen Brandschutzverglasungen.

Funktionell und ästhetisch: Die Brandschutzverglasung einer U-Bahn-Station der U2 in Wien wurde mit einem speziell geprüften Glasdruck ausgeführt.

An Brandschutzverglasungen werden hohe gesetzliche Anforderungen gestellt. Was hat sich in den letzten Jahren am Sektor Brandschutzglas getan?

Wolfgang Pichler: In den letzten Jahren wird von Brandschutzglas zunehmend mehr gefordert. Stand früher die Funktion des Brandschutzes allein im Vordergrund, so werden heute immer mehr Funktionen, wie zum Beispiel Wärmeschutz, Sonnenschutz, Schallschutz, Objektschutz oder auch eine Absturzsicherung im Gebäude von Brandschutzverglasungen gefordert.

Der Trend zu XXL-Gläsern hält an und macht auch vor Brandschutzverglasungen nicht halt. Welche Maxi-Formate bietet der Markt aktuell?

Markus Feyersinger: Seitens der Architektur werden immer größere Formate gefordert. Wir sind mit unseren Systempartnern in ständigem Austausch. Es wird an neuen Systemlösungen gearbeitet, die den Marktanforderungen entsprechen. Die Systemlösung und die Sicherheit stehen jedoch immer an erster Stelle.

Transparenz ist moderne Ästhetik. Welche Möglichkeiten und Lösungen gibt es für rahmenlosen Brandschutz, etwa für Trennwände?

Markus Feyersinger: Zusätzlich zu den funktionellen Aufgaben wird Brandschutzglas immer mehr als Designelement verwendet. Transparenz ist in der modernen Architektur unerlässlich geworden. Pilkington hat dafür das Produkt Pilkington Pyrostop Line entwickelt. Transparente Nurglasfugen und dezente Rahmen sollen die Ästhetik noch verstärken.

Die Brandschutzglas-Experten von Pilkington Austria: Produktmanager Markus Feyersinger (links) und Vertriebsleiter Wolfgang Pichler.

Welche Farb- und Designkombinationen sind mit Brandschutzgläsern machbar und was ist am gefragtesten?

Wolfgang Pichler: Der Markt verlangt große Vielfalt und Individualität. Digitaldrucke, Farbfolien, Dekorfolien und noch vieles mehr sind in Brandschutzverglasungen möglich, werden häufig gefragt und verbaut. In Wien haben wir zum Beispiel eine U-Bahn-Station der U2 mit einem speziell geprüften Druck ausgeführt.

Ein wichtiges Thema, vor allem auch für Architekten und Planer hinsichtlich nachhaltiger Gebäudezertifizierungen: Wie sieht die Ökobilanz von Brandschutzverglasungen aus?

Wolfgang Pichler: Für Pilkington Brandschutzgläser sind neue EPDs verfügbar. Die vom Institut Bauen und Umwelt e.V. (IBU) veröffentlichten neuen Umwelt Produktdeklarationen Environmental Product Declarations, kurz EPDs für Pilkington Pyrostop und Pilkington Pyrodur bilden eine wesentliche Grundlage zur integralen Planung und ökologischen Bewertung von Gebäuden. Aus dem umfangreichen Erstellungsprozess resultieren differenzierte Ökobilanzdaten sowohl für einschalige Brandschutzgläser als auch für Brandschutz-Isoliergläser, die es Architekten und Planern ermöglichen, bereits in der Planungsphase das entsprechende Bauprodukt für das jeweilige Gebäude auszuwählen. Damit sind die neuen EPDs ein wichtiger Baustein für eine nachhaltige Gebäudebewertung unter ökologischen, ökonomischen und sozio-kulturellen Aspekten.

Sind Pilkington-Brandschutzgläser bzw. die Gelschichten gesundheitlich bedenklich?

Markus Feyersinger: Bei den Pilkington Pyrostop und Pilkington Pyrodur Brandschutzgläsern werden mehrere Floatglasscheiben über spezielle Brandschutzschichten miteinander zu einem Verbundsicherheitsglas verbunden. Bei Brandbeanspruchung zerbricht zunächst die dem Feuer zugewandte Glasscheibe, worauf die angrenzende Brandschutzschicht aufschäumt und die Energie des Feuers absorbiert. Schicht für Schicht setzt sich dieser Vorgang fort. Die Schutzschildwirkung bleibt auf diese Weise über den gesamten Klassifizierungszeitraum von bis zu 180 Minuten erhalten. Die im Glasverbund liegenden Brandschutzschichten sind gesundheitlich vollkommen unbedenklich, frei von jeglichen krebserzeugenden oder toxischen Stoffen, wie zum Beispiel Acrylamide. Die EPDs und eine von der Pilkington Deutschland AG ausgestellte Unbedenklichkeitserklärung dokumentieren das. Die Referenz-Nutzungsphasen sind mit 50 Jahren für die einschaligen Brandschutzgläser und mit 30 Jahren für die Brandschutz-Isoliergläser Pilkington Pyrostop und Pilkington Pyrodur angesetzt.

Gibt es bei Brandschutzgläsern wie bei vielen Bauprodukten derzeit Materialengpässe?

Wolfgang Pichler: Derzeit gibt es Engpässe für Materialien generell. Pilkington Brandschutzgläser sind davon noch nicht betroffen. Wir sind in der sehr guten Position, den überwiegenden Teil unserer Materialien direkt von der Gruppe beziehen zu können und erwarten aus diesem Grund für Österreich keine größeren Lieferschwierigkeiten.

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Glas