Metall-Recycling

Alter spielt hier keine Rolle

Rohstoff
15.10.2014

Metall ist ein nachhaltiger Werkstoff. Wegen ihrer Wiederverwertbarkeit pendeln die meisten Metalle über viele Generationen hinweg zwischen Rohstoff und Abfall.  

Bleiblech beim Schrotthändler

Vor allem in Zeiten des wachsenden Ressourcenhungers von Schwellenländern wie China sind metallische Rohstoffe auch als Sekundärmaterial hoch im Kurs. ­METALL hat mit Händlern und Organisationen über „Recycling als Rohstofflager“ gesprochen. „Haben Sie sich auch schon einmal gefragt, was Ihr USB-Stick oder Ihr Stiegengeländer im früheren Leben waren?“ Brigitte Kranner, Geschäftsführerin von Altmetalle Kranner, schmunzelt: „Der Fuß meines Arbeitstisches war im Mittelalter vielleicht ein Kochtopf, bei den Römern ein Schild und in den 60er-Jahren ein Auspuff.“ Möglich wär’s, denn fest steht: 80 Prozent des jemals in Umlauf gebrachten Eisens sind heute noch präsent. Da Metall eine bleibende Qualität hat, sticht es in Sachen Wiederverwertung viele Werkstoffe aus, für die es Recyclingkreisläufe gibt. Kunststoff etwa kann nur einige Male eingeschmolzen werden, dann ist das Material nicht mehr zu verwenden. Paul Losbichler, Geschäftsführer von Schaufler Metalle, bestätigt das: „Beim Metall gibt es kein Downgrading.“ 

Lebensdauer und Einsatzdauer

Die Nachhaltigkeit von Metallen stellt Martin Car, Geschäftsführer des Österreichischen Baustoff-Recycling Verbandes (BRV), zwar nicht infrage, er gibt allerdings zu bedenken, dass die verschiedenen Metalle auch richtig eingesetzt werden müssten. „Kupfer hat zum Beispiel einen höheren energetischen Rucksack und eine längere Lebensphase als einfaches Eisenblech. Für eine projektierte Lebensdauer von zehn bis 20 Jahren muss ich ein anderes Material wählen als für 80 bis 100 Jahre Einsatzdauer.“ Viele Architekten achten daher bereits heute genau auf die Lebenszykluskosten.

40 Prozent Sekundärmetalle

„Viele ehemalige Entwicklungsländer – jetzt Schwellenländer – werden zu Industrienationen und benötigen mehr Rohstoffe. Speziell für Europa ist wenig verfügbar“, erklärt Felix Kranner. Daher müssen Altmetalle gesammelt werden, und auch das Bewusstsein dafür steigt. Gerhard Hechinger, Betriebsleiter von Prajo Böhm Recycling in Himberg, berichtet von einem Altmetall­anteil von ­bereits 40 Prozent am gesamten Metallmarkt. 
Im Firmenbereich regelt sich Recycling vor allem über den Preis. BRV-Chef Martin Car verweist auf die Baurestmassenverordnung, die eine getrennte Sammlung vorschreibt. Brigitte Kranner nennt zwei aktuelle Projekte: „Die Industriellenvereinigung Salzburg hat zusammen mit der Salzburger Wirtschaft eine Rohstoff-Interessengemeinschaft gegründet. Und mit ,Produktion der Zukunft‘ legt auch die heimische Forschungsförderungsgesellschaft FFG ihren Fokus verstärkt auf Ressourcen.“ Im privaten Umfeld lässt sich die zunehmende Mülltrennung mit dem wachsenden Umweltbewusstsein der Bevölkerung erklären, denn „für den Einzelnen hat die Aludose oder das Eisentischbein wirtschaftlich kaum Bedeutung“, meint Kranner. Die Altstoff Recycling Austria (ARA) unterlegt das mit Zahlen: 2013 wurden 41.465 Tonnen Altmetall gesammelt (gegenüber 39.836 Tonnen im Jahr 2012). Die Haushaltssammlung erfolgt vor allem über Sammelbehälter an zentralen Sammelinseln und über gemischte Haussammlung. Bei Industriekunden überwiegt die Abholung in Form von Muldentausch oder Entleerung vor Ort in Absprache mit den Kunden. 
Recycling stärkt das ökologische Bewusstsein. So entscheidet sich etwa die Müller-Gutenbrunn Gruppe (MGG) auch beim Transport immer öfter für die Bahn. „In Österreich fahren wir mit einer eigenen Flotte von 30 Lkw und noch viel mehr Absetz-Containern sowie eigenen Bahnwaggons“, berichtet Chris Slijk­huis. Schaufler Metalle wiederum setzen bedingt durch ihren Standort vor allem auf den Wasserweg über die Donau.

Bis 95 Prozent Energieersparnis

In der Sekundärproduktion lassen sich bei allen (Alt)Metallen gegenüber der Primärproduktion erhebliche Energiemengen einsparen. „Bei Aluminium sind 95 Prozent möglich, bei Kupfer 85 Prozent, bei Stahl 74 Prozent und bei Blei 65 Prozent“, erklärt Kranner. Für sekundäres Aluminium etwa brauche man kein Bauxit mehr aus Übersee. Abbau und Transport des Rohstoffs entfallen hier genauso wie die stromintensiven (Elektrolyse)-Prozesse zur Erzeugung von Reinaluminium. Beim Recycling einer Alu-Stehleiter steht hingegen (bis auf die Kunststoffstöpsel an den Leiterfüßen) praktisch reines Aluminium bereit. Allerdings: Das Recyceln von Aluminium wird aufgrund hoher Energiepreise, strenger Umwelt­auflagen und teurer Arbeitsplätze auch in Europa zunehmend unattraktiv. Die Folge: Allein durch Altmetallexporte nach Indien und China entgingen der europäischen Recyclingindustrie vergangenes Jahr fast 440.000 Tonnen Aluminium.

Metallvielfalt

Aluminium, Blei, Stahl, Kupfer, Messing, Palladium, Platin, Wolfram, Zink – die Vielfalt an (wiederverwertbaren) Metallen ist enorm. „Metall ist omnipräsent, vielfach wird es aber nicht wahrgenommen“, erklärt Kranner anhand einer normalen Büroausstattung: Von Lampenfassungen aus Aluminium über Kupferleitungen, Zierkappen und Schrauben aus Messing sowie Federn, Türbeschlägen, Schließzylindern bis hin zu Möbelteilen aus Stahl. Ist die heimische Industrie bereit für diese Vielfalt an Rohstoffquellen? „Bei Aluminium sind wir toll aufgestellt, auch bei Kupfer“, weiß Paul Losbichler von Schaufler Metalle. „Für einige Metalle haben wir in Österreich dagegen keine Aufarbeitung, weil es sich nicht lohnt. Nickelhaltige Metalle müssen zum Beispiel für die Wiederverwertung zum Großteil exportiert werden.“ 
Die ausgediente Nirosta-Abwasch wandert daher nach Deutschland oder Italien, auch Messingschrott landet meist am italienischen Markt. Die wichtigsten Hütten für die heimische Verwertung sind im Stahlsektor die voestalpine, die auf Wiedergewinnung von Kupfer spezialisierten Montanwerke Brixlegg und die Aluminiumspezialisten der AMAG. Daneben auch noch ein paar Eisenwerke. Aber bekommen diese Verwerter genügend Material zusammen? „Natürlich gibt es Importe“, erklärt Paul Losbichler. „Bei der AMAG kommt der größte Teil aus dem Ausland, da ist der heimische Markt viel zu klein. Auch bei Kupfer und Eisenschrott gibt es Importe.“

Zurück zum Ursprung

Für die (wirtschaftliche) Weiterverarbeitung von Altmetallen sind Sammel- und Trennsystem entscheidend: Sortenrein sammeln für mehr Ertrag, aber auch mit mehr Zeitaufwand, oder unrein sammeln mit weniger Personalkosten und weniger Ertrag. Für die Trennung gibt es viele mechanische und nasschemische Möglichkeiten, etwa Shreddern, Schneiden, Sortieren, Sieben – oder manuelle Trennung. Unterstützt werden diese Verfahren laut Schaufler Metalle durch Wirbelstrom- sowie Magnetabscheider. Vorsortiert wird der Eisenschrott mit Baggern, Schrottscheren zerkleinern ihn für die Weiterverarbeitung, Mischmaterial wird vor allem manuell behandelt. Bei MGG werden ausschließlich Trennungsverfahren nach physikalischen Prinzipien durchgeführt. „Unser Augenmerk liegt auf Magnetismus, Farbe, Dichte, Form und Oberfläche“, so Chris Slijkhuis. Als innovative Recyclingsysteme nennt er EVA, die größte Elektronik-Verwertungs-Anlage Österreichs, Metran, eine Aufbereitungsanlage für Nichteisenmetalle sowie MBA Polymers, die sortenreine Trennung von Kunststoffgemischen ermöglicht. Dazu Brigitte Kranner: „Nach der Herstellung von Granulat sortiert ein elektrostatisches Förderband die Metalle nach Farben. Das Schwimm-Sink-Verfahren trennt Metalle nach ihrem Gewicht.“ Das Material dürfe aber nicht zu stark verunreinigt sein, sonst müsse händisch sortiert werden. 
Bei der Prajo Böhm Recycling liegt ein Schwerpunkt auf Siebanlagen. „Unser semimobiles Siebsystem hat eine Kapazität von 1000 Tonnen pro Stunde (t/h), die zweite Anlage 800 t/h und geplant ist eine weitere mit 2500 t/h“, berichtet Betriebsleiter Gerhard Hechinger. „Unterstützt werden wir durch das punktgenaue Ausblasen mit dem Laserspektroskopie-Detektionsverfahren“, betont er und verweist auf das System Laserpoint, das vor allem bei großen Eisenhändlern eingesetzt wird. Durch genaues Arbeiten könne man Sortiergenauigkeiten bis zu 95 Prozent erreichen, so Paul Losbichler. „Ich muss stets im Auge behalten, was mich das Trennen kostet“, sagt Brigitte Kranner. „Wenn Mitarbeiter zwei bis drei Stunden sortieren müssen, ist dies wirtschaftlich nicht mehr darstellbar, und ich muss mir eine andere Lösung suchen“, weiß auch Losbichler. Den Weg als Rohstoff zum Endverarbeiter finden die Altmetalle entweder direkt oder über Metallgroßhändler.  [gr]

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