Reportage

Beleuchtete Wand aus mundgeblasenem Glas

Akademiska Hus in Schweden hat für den Neubau eines Laborgebäudes die Anfertigung eines Sonderglases bei der Glashütte Lamberts beauftragt. Die beleuchtete Wand des Treppenhauses sollte ästhetisch und funktional sein. Dafür wurde ein aufwendiger Doppelüberfang mit marmorierter Schattierung hergestellt.

14.12.2020
Innenarchitektur
Robert Christ
© Mark Hadden

Biomedicum ist ein neues, hochmodernes Laborgebäude an einer der weltweit führenden medizinischen Universitäten, dem Karolinska Institutet in Stockholm. Das Labor ist eines der modernsten in Europa und beschäftigt Mitarbeiter aus aller Welt.
Biomedicum besteht aus vier Gebäuden mit Labors. Durch das verglaste Atrium setzt sich der Außenbereich des Campus im Gebäude fort und verstärkt seine grünen und sozialen Qualitäten.
Eine Besonderheit dieser außergewöhnlich schönen Architektur sind die vier Treppenhäuser, eines für jeden Block. Deren Höhe beträgt bis zu 38 Meter. Für die Wände wurden insgesamt 900 Quadratmeter mundgeblasenes verbaut.
Die beleuchtete Wand aus dem handgefertigten Glas erstreckt sich über die gesamte Treppe und sorgt für eine schöne Beleuchtung der Treppenhäuser, die zur Nutzung und Bewegung einlädt. Die mundgeblasenen Überfanggläser wurden von dem bayerischen Traditionsunternehmen Glashütte Lamberts in Handarbeit gefertigt.

Weiches Licht durch 1.914 mundgeblasene Glastafeln

Das weiche Licht im Treppenhaus unterscheidet sich von allen anderen Lichtquellen im Innenhof und markiert so diesen Raum der Bewegung. Aus der Nähe sieht man die Variationen des Glases deutlicher. Einer der Bauherren formulierte den Anblick zufrieden als „wie Perlmutt“. Für das Projekt wurde ein mundgeblasenes Zylinder-/Tafelglas entwickelt, das durch die Überlagerung von opakem und opalen Überfangglas – einem Marmoreffekt nachempfunden – mit einer außerordentlichen Optik und Haptik glänzt und gleichzeitig keine lichtdurchlässigen Stellen aufzeigt, da die Konstruktion samt Lichtquelle absolut unsichtbar sein sollte.
Die komplette Wandgestaltung des Treppenhauses besteht aus mundgeblasenen Glastafeln.
© Mark Hadden
© Mark Hadden
Die Qualität der marmorisierten Opaküberfanggläser im Detail. Jede Glasscheibe misst 550 x 885 mm.

Herausforderndes Projekt

Die Herausforderung zu Beginn des Projekts war, aus der Vielzahl von möglichen opaken Gläsern eine Vorauswahl zu treffen. Hier hat die Glashütte dem Bauherren Akademiska Hus, dem Pächter Karolinska Institutet und dem Architekturbüro C.F. Möller während eines Meetings in der Glasmanufaktur verschiedene Typen vorgestellt und damit den Geschmack der Beteiligten getroffen. Somit war das Spezialüberfangglas als Material der Wahl fixiert. 
Die Paneele wurden durch das Glasstudio Derix in einheitliche Fertigmaße zu je 550 x 885 mm geschnitten und zu Verbundglas verarbeitet. 
Die Konstruktion war „customized“ in Kooperation mit Derix und Arne Fiedler Lighting Solution konzipiert und sollte mit einer Einbautiefe von lediglich 120 mm eine absolut klare Aufteilung ermöglichen. Ein enges Fugenbild zwischen den Glasmodulen, das mit nur 2 mm realisiert werden konnte, sollte schnell und akkurat zu montieren und dabei noch wartungsfreundlich sein.

Perfektes Teamwork

Durch das Know-how von Arne Fiedler konnte auch das anspruchsvolle Lichtkonzept von C.F. Möller umgesetzt werden. Jedes Modul sollte einzeln ansteuerbar sein, um die Lichtdichte dem Tageslicht anpassen zu können. Der Lichtverlauf „Lightfading“ sollte dadurch individualisiert werden, um die besondere Qualität des mundgeblasenen Glases nochmals hervorzuheben. Als zusätzlicher Vorteil machte das Lichtkonzept der Licht-Glas-Wand eine weitere technische Beleuchtung überflüssig, da die Treppenhäuser nun ausschließlich durch das Glas ausgeleuchtet wurden.

Die Architektin Lotte Soborg ist fasziniert von der Wirkung der hinterleuchteten Opakgläser.
© Mark Hadden

 

Die enge Zusammenarbeit zwischen allen Projektbeteiligten ermöglichte eine unvergleichbare Anwendung, die Design und Ästhetik mit Funktionalität vereinten. Mittlerweile hat das Projekt mehrere internationale Auszeichnungen gewonnen.

Glas

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