Brand-Neu

Tischlerei
30.11.2015

 

Die Tischlerei Sigg aus Hörbranz zeigt mit ihrer jüngsten Eigen­entwicklung, dass auch Brandschutzfenster aus Fichten- und Tannenholz in der Widerstandsklasse EI 60 möglich sind. 

Am IBS in Linz wurden die Fenster zweimal geprüft: einmal für einen Abbrand von innen und ­einmal von außen.

Manfred Sigg, Geschäftsführer: "Wir wollten zeigen, dass mit unserem Fenster die ­Wider­stands­klasse EI 60 auch in Weichholzarten wie ­Tanne oder Fichte möglich ist."

Mit ihren 30 Mitarbeitern ist die Tischlerei Sigg aus Hörbranz in Vorarlberg ein echter Komplett­anbieter. Der seit 1878 bestehende Familienbetrieb fertigt Möbel für den Privatbereich ebenso wie für Laden- und Messebauprojekte. Mit Holz- und Holz-Alu-Fenstern sowie Türen ist die Tischlerei auch im Segment Bautischlerei tätig. „Dabei hören wir von Kunden oft: Und, wo kauft ihr eure Fenster zu?“, erzählt Manfred Sigg, der zusammen mit seinem Bruder Hubert die Geschäfte im Unternehmen führt und für den Fensterbereich zuständig ist. In der Tischlerei legt man jedoch besonderen Wert darauf, dass gerade auch die Fenster und Türen kein industriell gefertigtes Serienprodukt sind, sondern komplett in der eigenen Werkstatt entstehen.

Spezialisten mit Tradition

Tatsächlich ist die Tischlerei Sigg in dem Bereich ein echter Spezialist mit langer Tradition: Fenster fertigt man schon seit der Gründung des Betriebs durch Manfred Siggs Urgroßvater. Die Herstellung von Möbeln kam erst später hinzu. Vor rund 15 Jahren stieg man in der Tischlerei ins Passivhausfenstersegment ein. In Folge war die Tischlerei immer wieder mit Anfragen nach Brandschutzfenstern konfrontiert. „Wir haben uns dann irgendwann gefragt: Wie wäre es, wenn wir Fenster auch in dieser Nische anbieten würden?“, erzählt Sigg. Und so entschied man sich schließlich, die Fensterfertigung um das Spezialgebiet Brandschutz zu erweitern. 
Nicht nur im Privatkundenbereich, auch im Objektsegment bzw. im Wohnbau sind Brandschutzfenster häufig gefragt. Typische Anwendungsbereiche sind beispielsweise Brandabschnitte in Büros oder Laubengänge in Wohnanlagen. In Letzteren muss dann gegebenenfalls neben der Brandschutztür beim Hauseingang auch ein Gangfenster als Brandschutzvariante ausgeführt sein – damit der Gang als Fluchtweg sicher benützbar bleibt. 

Schlanke Ansichten

Besonders stolz ist man in der Tischlerei Sigg darauf, dass die Brandschutzfenster genauso schlanke Profilansichten von innen und außen aufweisen wie die „herkömmlichen“ Holzfenster aus der eigenen Fertigung. Damit unterstützen die Fenster auch eine hochwertige architektonische Gestaltung: „Wir wollten keine ‚Elefantenfenster‘ mit klobigen Rahmen produzieren“, sagt Manfred Sigg. 
Was die Siggschen Brandschutzfenster aber so besonders macht: Wie die Standardholzfenster bestehen auch die Brandschutzfenster aus Fichten- oder Tannenholz. Die Modelle sind nicht nur in der Widerstandsklasse EI 30, sondern sogar  in EI 60 erhältlich. Bauteile mit dieser Klassifizierung müssen im Brandfall 30 bzw. 60 Minuten dem Feuer widerstehen können. Die Verwendung von diesen Holzarten im Brandschutz ist dabei sehr ungewöhnlich, meist kommen in dem Bereich Hölzer wie Lärche, Eiche oder andere, härtere Arten zum Einsatz. „Wir wollten zeigen, dass mit unserem Fenster die Widerstandsklasse EI 60 auch in diesen Weichholzarten möglich ist“, sagt Sigg. 

EI 60 in Fichte

In der Tischlerei tüftelte man lange daran, wie die Brandschutzfenster in Fichte und Tanne – und noch dazu mit den strengen gestalterischen Vorgaben – umsetzbar sind. Zur Entwicklungsphase gehörten auch Brandversuche im hauseigenen Ofen, bevor die neu entwickelten Produkte am Institut für Brandschutz in Linz (IBS) nach den Vorschriften der entsprechenden Normen (ÖNorm B 3850 bzw. EN 13501 sowie der neuen EN 16034) getestet wurden. „Wir arbeiten mit einer relativ großen Bautiefe, also dicken Profilen, das kam uns bei der Entwicklung entgegen“, erläutert Manfred Sigg. „Die Widerstandsklasse EI 60 zu erreichen war aber nicht ohne. Dazu mussten wir schon viel Hirnschmalz aufwenden.“ Über konstruktive Details will der Tischlermeister ansonsten freilich nicht allzu viel verraten. 

Am IBS ließ man die Fenster zweimal prüfen: einmal für einen Abbrand von innen und einmal von außen. Das ist deshalb wichtig, weil etwa Beschläge wie die Fensterbänder gewöhnlich auf der Innenseite eines Fensters angebracht sind und diese Metallelemente naturgemäß ein anderes Brandverhalten aufweisen als Holz. „Die Anforderung an ein Fenster ist: Es darf im Brandfall nicht herausfallen, auch wenn die Beschläge bereits versagen“, erklärt Sigg. Die Tischlerei ließ sämtliche Modelle zudem ohne zusätzliche Beschichtungen prüfen. So können sie nun je nach individueller Anforderung nachträglich lackiert werden. 

Maßgeschneidert

Alle Fenster, auch die Brandschutzvarianten, die bei Sigg gefertigt werden, sind dabei maßgeschneiderte Spezialanfertigungen. Statt auf CNC-gesteuerte Serienproduktion setzt man in der Werkstatt auf eine Winkelanlage von SCM, die den Anforderungen der Tischlerei nach handwerklicher Maßarbeit besser entspricht. Bei den Eckverbindungen setzt Sigg auf die klassische Schlitz- und Zapfenverbindung: „Gerade für schlanke Verbindungen ist das ein wesentlicher Faktor“, sagt der Tischlermeister. 
Erhältlich sind Brandschutzfenster in Holz- oder Holz-Alu-Varianten in Profilstärken von 98 mm. Die EI-30- bzw. EI-60-Modelle sind mit Dreifach- (Ug 0,6 W/m²K) oder Zweifach-Isoliergläsern (Ug 1,1 W/m²K) ausgestattet. Wahlweise werden die Fenster als Fixverglasungen oder als Dreh- oder Drehkipp-Varianten gefertigt, die maximale Höhe liegt dabei bei 3,70 Metern. 
Bei den öffenbaren (Kipp)Varianten sind die Elemente elektronisch steuerbar und werden so im Brandfall automatisch geschlossen. 
Die innovative Eigenentwicklung vertreibt die Tischlerei nicht nur direkt an Endkunden oder über Architekten, auch andere Tischlereien oder Holzbaunbetriebe will Sigg künftig als Handelspartner gewinnen. Die Brandschutzfenster verfügen dabei nicht nur über alle in Österreich notwendigen Zertifikate, sondern sind auch in der Schweiz in allen Kantonen zugelassen. 
www.sigg.at

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