Designglasvielfalt

Glasdesign ist ein stark wachsender Sektor, sowohl in der internationalen Objektarchitektur als auch in der Innenarchitektur und der Möbelgestaltung. Immer häufiger werden Farbe, Strukturen und Glas vereint, besondere Texturen und Oberflächen geschaffen und als gestaltete Werkstoffe eingesetzt. Ein Überblick.

16.01.2014
Redaktion Glas
© AGC Glass Europe

Durchgefärbtes Floatglas findet sowohl im Interieur als auch in der Fassadengestaltung in äquatornahen und tropischen Regionen Verwendung.

Dekorative Verglasungen sind ein faszinierender Werkstoff: Das attraktive Zusammenspiel von Licht, Reflexion, Transmission Farbe und Textur, fast beliebig kombinierbar, ermöglicht ästhetische und lichtarchitektonische Effekte. Hinzu kommt, dass Glas mit seiner hohen Alterungsbeständigkeit langlebiger als die meisten anderen Baustoffe ist. Die Industrie hat in den vergangenen Jahrzehnten innovative Glasprodukte für die Gebäudehülle geschaffen. Glasdesign eröffnet immer neue gestalterische Möglichkeiten für Architektur, Interieur und die Möbelgestaltung.
 
Farbige Gläser fürs Interieur
Feuchträume, wie Küchen oder Bäder, aber auch ganze Wandsysteme und repräsentative Unternehmensräume werden durch farbig lackiertes Floatglas wie etwa „Lacobel“ hochwertig und dauerhaft veredelt. Die umweltfreundliche Lackierung dieser Produkte erfolgt auf der Rückseite des Glases, sodass sie dauerhaft geschützt bleibt. Das ermöglicht großformatige Glasflächen, die kaum Ablagerungsmöglichkeiten für Schmutz bieten und sich leicht reinigen lassen.
Eine Alternative zur glatten Oberfläche ist Glas in Satin-Optik – für fließende Strukturen und besonders sanfte Übergänge. „Matelac“ zum Beispiel ist auf der Vorderseite säuremattiert und eignet sich insbesondere für die großflächige Verkleidung von Wänden, für Türen und Trennwände, denn die satinierte Oberfläche bietet Sichtschutz, minimiert Lichtreflexionen und kreiert damit ein intimes Ambiente. Die Rückseite der Verglasung wird farbig lackiert.
Für ausgefallenes Design sorgen auch dekorative Produkte wie etwa „Matelux“. Auf einer Seite säuremattiert, erstrahlt dieses Glas in satinierter Optik, ist aber mit einer Lichtdurchlässigkeit bis 90 Prozent transparent. Die Oberfläche ist extrem robust gegen Kratzer und resistent gegen Schmutz, so dass das Glas von Architekten auch gern außen eingesetzt wird. Alle diese Gläser sind in verschiedenen Farbtönen lieferbar und lassen sich zu VSG und zu Isolierglas weiterverarbeiten.
 
Getönte Basisgläser
Bereits in der Glasmasse getönte Basisgläser erfreuen sich großer Beliebtheit, denn sie lassen sich besonders gut be- und weiterverarbeiten, beschichten und bieten grundlegenden Sonnenschutz. Hergestellt im Floatglas-Verfahren, sind die Glasoberflächen absolut planparallel. Zum Einsatz kommen diese Produkte vor allem als Architekturglas, im Interieur, im Automobilbau und für High-Tech-Anwendungen.
 
Ornamentglas: mehr als Licht
Das vom italienischen Designer Michele De Lucchi gestaltete Ornamentglas „Oltreluce“ heißt wörtlich übersetzt „mehr als Licht“. Es filtert feine Lichtvariationen und reflektiert sie anschließend, dadurch bietet das Glas unzählige Gestaltungsmöglichkeiten im Außen- und Innenbereich. Die vorgespannte Variante zeichnet sich durch erhöhte mechanische und thermische Widerstandsfähigkeit aus und lässt sich weiter zu Isolierglas verarbeiten. Das Glas bietet extravagantes Design.
 
Das Spiel mit Motiven
Keramische Digitaldrucke (wie z. B. „ipadecor” von AGC Interpane) ermöglichen die schnelle und wirtschaftliche Gestaltung von Glas mittels hochauflösender, vielfarbiger Motive. Architekten nutzen das Verfahren daher gern für die Fassadengestaltung repräsentativer Großobjekte: Über die Zerlegung von Motiven in digitale Einzelteile, den anschließenden hochauflösenden Druck mit keramischen Farben auf Glas und das abschließende Zusammensetzen der Glaspanels als gigantische „Puzzles“ lassen sich ganze Fassaden mit fotorealistischen Motiven gestalten. Das anschließende Einbrennen sorgt dafür, dass das Motiv dauerhaft mit der Glasoberfläche verschmolzen bleibt – dabei entsteht Einscheibensicherheitsglas. Mit keramischem Digitaldruck gestaltete Gläser sind lichtbeständig, kratz- und abriebfest und lassen sich problemlos zu VSG oder Isolierglas weiterverarbeiten und auch mit Wärme- und Sonnenschutzbeschichtungen kombinieren.
Ähnlich wie der keramische Digitaldruck findet auch der keramische Siebdruck in Fassaden, Brüstungen und im Interieur vielfältige Anwendung. Muster und Strukturen werden hier mittels eines Drucksiebs als einzelne Farben auf Glaselemente gedruckt. Wie beim keramischen Digitaldruck werden die Farben nach dem Vorspannen dauerhaft in das Glas eingebrannt.
 
Laminate gestalten Räume
Fotolaminierte Gläser (zum Beispiel „ipadecor” von AGC Interpane) finden vor allem in Museen, Galerien und Privatsammlungen Anklang. Unterschiedliche Motive werden dauerhaft brillant zwischen oder hinter Glasscheiben eingebunden. Die Opak-Variante ist durch eine weiße Sperrschicht nahezu blickdicht.
Die transluzente Variante bietet sich mit variabler Lichtdurchlässigkeit zur Hinterleuchtung an. Bei der Transparent-Variante sind alle Farben durchscheinend und das Glas bleibt durchsichtig. Bei Dekor-Laminaten werden statt Bildern Schichtstoffe und Folien in den Fokus gerückt. Durch das Laminieren entstehen neue, pflegeleichte und langlebige Komposit-Werkstoffe mit optischer Tiefenwirkung. Eine verwandte Technik stellen farbige Verbundsicherheitsgläser dar. Sie sind ist in transparenter, transluzenter oder opaker Farbgebung verfügbar und können Farbsysteme wie RAL beinahe identisch nachstellen.
 
Chrombasierte Mehrfachschichten für Spiegelglanz
Das chromhaltige Mehrfachschichtsystem „ipachrome Design” ermöglicht teilverspiegelte Fassaden: Hierfür werden Logos, Texte oder Ornamente, feinste Linien oder deckenden Flächen als Maskierungen auf Glasscheiben aufgebracht, dann erfolgt die Chrombeschichtung und letztlich die Demaskierung. Das Ergebnis ist filigran verspiegeltes Glas mit hohem Aufmerksamkeitswert – ohne jeden Abstrich an die Funktionalität. Mit einem Lichtreflexionsgrad von über 50 Prozent reflektiert „ipachrome” so stark wie ein konventioneller Silberspiegel, ist aber wesentlich belastbarer, unempfindlich gegen Feuchtigkeit und sowohl im Außen- als auch Inneneinsatz, als Fassadenelement, im Laden- und Messebau einsetzbar. Das Glas lässt sich vorspannen, zu VSG weiterverarbeiten und mit Wärme- oder Sonnenschutzbeschichtungen kombinieren.
 
Klassiker: Sandstrahlen
Sandgestrahltes Glas fasziniert mit seiner satinierten Oberfläche in Innen- und Außenanwendungen, zum Beispiel in gestalteten Glastüren, Spiegeln, Tischplatten – aber ebenso in Brüstungen und als attraktiver Sicht- und Sonnenschutz in Fassaden. Moderne Schablonier-Verfahren erlauben im Zusammenspiel aus mattweißer Optik und doppelseitigen Dekors mit Relief selbst feinste Designs. Sandgestrahltes Glas kann mit einer transparenten Antifingerprint-Beschichtung versehen werden, um Fingerabdrücke zu vermeiden. Die dauerhaft versiegelte Glasoberfläche ist sehr robust und lässt sich mühelos mit herkömmlichen Haushaltsreinigern säubern.

Glas

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