Fassaden-Haute-Couture

Ein Haus wie ein Haute-Couture-Kleid: spektakulär, kreativ und maßgeschneidert. Das edle Gesamtkunstwerk aus einem verwegenen Materialmix aus Beton, Holz, Gipskarton, Glas, Kautschuk und Aluminium steht nicht in Paris, sondern in Weiden am See.

09.06.2016
Prefa
© Prefa / Croce

Dieses edle Gesamtkunstwerk aus einem Materialmix aus Beton, Holz, Gipskarton, Glas, Kautschuk und Aluminium steht in Weiden am See.

© Prefa / Croce

Die Rhythmik der Fassade betont den Querschnitt des Baukörpers mit seinen geneigten Außenwänden und dem dreidimensional inszenierten Entree. Die quer zum Gebäude angeordneten Stehfälze – eine Eigenart dieses besonderen Materials – sorgen für Bewegung in dem sonst cleanen Entwurf.

Im burgenländischen Weiden am Neusiedlersee haben das Architektenpaar Andrea Dämon und Andreas Doser ein Einfamilienhaus gebaut, das Assoziationen von „Arche Noah“ bis „Schaumrolle“ provoziert – und sogar Bananenstauden im Garten wachsen lässt. Ein heißes Extra für dieses sonst so coole Objekt, dessen „Maßkleid“ aus dem Hause Prefa stammt: Die stark gekanteten Formen von Fassade und Dach sind mit Prefalz in Anthrazit und Hellgrau überzogen. Die rhythmischen, quer zum Gebäude angeordneten Stehfälze betonen den Querschnitt des Baukörpers und legen seine Hülle in kunstvolle Falten. Wie es sich für perfekte Schneiderei gehört. 

Cool move mit hot stuff

Weiden am Neusiedlersee ist im Sommer das Mekka für Surf-Aficionados aus aller Welt, die mit ihren „cool moves“ einander und die unzähligen Badegäste an Österreichs größtem See beeindrucken. Einen „cool move“ legte auch das Duo ad2 architekten mit seinem 2015 in der kleinen burgenländischen Gemeinde fertiggestellten gleichnamigen Einfamilienhaus hin, das sowohl durch seine ungewöhnliche Formensprache als auch durch seine perfekt inszenierte Aluminiumhülle beeindruckt. Mit gutem Grund und aus mehrerlei Hinsicht, findet die eine Hälfte des ad2-Duos, Andreas Doser. „Zum einen spiegelt es die Bauherrenleidenschaft zum Surfen wider, zum anderen ist es eine mutige Entscheidung, so unkonventionell zu bauen.“

Nicht von der Stange

„Wiewohl die Auftraggeber genau wussten, worauf sie sich mit unseren gewagten Entwürfen einlassen. Unser eigenes Privathaus ist ihnen bei ihren Hunde­spaziergängen ins Auge gestochen“, so Andrea Dämon. „Die Bauherren hatten bereits innerhalb der vergangenen fünf Jahre zwei eher konventionelle Häuser am Neusiedlersee hingestellt, aber unsere unkonventionelle Handschrift überzeugte sie“, sagen ad2 zu dem mutigen Projekt, das alles andere als architektonisches Prét-a-porter ist. Das Bauherren-Briefing für den Entwurf holten Dämon und Doser beim Bauherrenpaar ein, indem sie sie getrennt voneinander zu ihren Hobbys, Wünschen und Leidenschaften befragten und so Maß für das Projekt nahmen. 

Fassaden-Catwalk in Weiden

Entstanden ist ein kunstvoll geknicktes Gebäude mit vielen architektonischen Extras, das in dem beschaulichen Ort am See auffällt, polarisiert und trotzdem ganz dem Flow des Ortes folgt. Zur Catwalk-Tauglichkeit des Projekts trägt die Hülle aus hell- und anthrazitgrauem Prefalz von Prefa maßgeblich bei: Die Rhythmik der Fassade betont den Querschnitt des Baukörpers mit seinen geneigten Außenwänden und dem dreidimensional inszenierten Entree. „Die quer zum Gebäude angeordneten Stehfälze – eine Eigenart dieses besonderen Materials – sorgen für Bewegung in dem sonst cleanen Entwurf. So werden die Vorzüge des Hauses ins rechte Licht gerückt, wie es sich für ein Maßkleid gehört“, sagt Prefa-Projektverantwortlicher, Josef Mayerhofer. Farblich raffiniert: Die Stirnflächen sind in Anthrazit verblecht. Auf einem sauberen Übergang zur Hauptfläche, die in Hellgrau verkleidet wurde, liegt besonderes Augenmerk. Auch von oben ist das Haus einen zweiten Blick wert: Es wird von einer Art Pultdach bedeckt, doch sind die Wände gekippt und damit Garanten für eine spektakuläre Optik.

Materialmix de luxe

Bei den verwendeten Materialien wurde eine einfache Formel angewendet: Nur das Beste von allem – und das in möglichst ungewöhnlicher Kombination. Über die betonierten Teile des Erdgeschoßes wurde eine Holzhülle gesteckt, um die Knicke zu erzielen. Innen sind diese mit Gipskarton verkleidet. Ausgewählte Innenbereiche sind mit Kunstleder und Holz verkleidet sowie mit polyurethanbeschichteten Böden versehen, um eine gute Akustik zu erzielen. Die Außenhaut war ursprünglich aus Kautschuk gemacht, doch aus optischen Gründen wurde sie schließlich mit Prefalz verkleidet. Ein „Best-Case-Szenario“, wie die beiden Architekten betonen, „denn eine Aluminiumfassade war in unserem ursprünglichen Konzept bereits eingeplant.“

Eine Arche Noah am Neusiedlersee

„Prefalz punktet durch die Geschmeidigkeit des Materials mit extrem leichter Formbarkeit und die Möglichkeit, unkompliziert regendichte Verbindungen ohne zu schrauben, kleben oder schweißen zu erreichen“, sagt die Verarbeiterfirma Peter Koch GmbH aus Wien-Ottakring, die 400 Quadratmeter Fassadenfläche ausführte.

„Passend zur seenahen Lage erhielt das im Vorjahr realisierte Objekt schon ab und an den Spitznamen ‚Arche Noah‘“, schmunzelt Andreas Doser. Er selbst vergleicht es lieber mit einer Schaumrolle, „weil es im Innenraum so leicht und luftig ist“. Die eigenwilligen Konturen erklären sich jedenfalls aus den örtlichen Gegebenheiten, so das Architektenpaar: Die Form des Grundstücks legte einen langgezogenen Grundriss nahe, der Wohnblock vis-à-vis lieferte den Anlass, das Gebäude auf einer Seite komplett zu schließen und so die Nachbarn einfach auszublenden. Dafür öffnet sich das Haus an der Rückseite mit ganz viel Glas hin zu einer 200 Quadratmeter großen Terrasse mit Blick auf den Jacuzzi und Weingarten. Der ständig präsente Wind wurde mit einer Wand abgefangen, die einen geschützten Außenraum schafft und sogar bei Sturm und Regen einen Aufenthalt draußen auf der Terrasse möglich macht. Arche oder Süßspeise – mit seiner ungewöhnlichen Form wird das Haus allen Anforderungen des Bauherrenpaares gerecht. Und sogar mehr als das: Denn der schwarze Basalt der Bodenfläche speichert die Wärme so gut, dass im Garten der Arche sogar Bananen wachsen. 

Eine grundvernünftige ­Entscheidung

Bei aller Coolness ist das Haus durch die verwendeten Materialien doch grundvernünftig. Niedrigenergie und Luftwärmepumpe seien sowieso Standard, so Andrea Dämon, gute Dämmung, hinterlüftete Kon­struktionen und umweltfreundliche Materialien das A und O ihrer Entwürfe. Und die Langlebigkeit der Aluminiumfassade beruhige den Bauherrn zudem hinsichtlich der Wartung und Beständigkeit. So konnte auch architektonisch bewiesen werden, was Fashion-Victims schon lang predigen: Die Investition in Haute Couture zahlt sich jedenfalls aus.

Dach + Wand

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