Kunst und Schönheit

Wien
13.11.2016

Vienna Art Week 2016, von 14. bis 20 November. Eine wahre Flut an künstlerischen Momenten im Zeichen der Schönheit, mystisches und magisches ist Thema dieser Ausgabe. Eröffnet wird im Dorotheum, in dem auch eine Reihe von Kunstwerken ausgestellt ist, die nach dieser Woche zur Versteigerung gelangen.

Orlan, Pekin Opera Facial Design Nr1 (2014)

“Zu schön um wahr zu sein” – eine stehende Redewendung. Aber auch eine Formel, die keine Sprachbarrieren kennt, wird sie doch auch auf Deutsch und Englisch vom Team der Vienna Art Week eingesetzt, um uns in das Thema dieser Ausgabe einzuführen. Speziell die Schönheit ist es, der sich das Event verschrieben hat, im konzeptuellen wie künstlerischen Rahmen, kurz und bündig mit dem Titel: “Seeking Beauty”, auf der Suche nach der Schönheit. Eine Absichtserklärung, die durchaus auch zur Falle geraten kann. Eine solche war sie zumindest seit Beginn der westlichen Kultur. Sie war es etwa für Hippias, einem der Gesprächspartner Paltons Lehrer Sokrates im platonischen Dialog “Der große Hippias”, als Platon letzteren nach einer Definition der Schönheit fragte. Nach einer Definition, nicht nach dem Beispiel eines schönen Objekts. Denn wenn, nehmen wir an, ein schönes Objekt zu Boden fällt und zerbricht, dann ist es mit dessen Schönheit vorbei, wie Sokrates zu Hippias bemerkte, der kläglich scheiterte und keine sinnvolle Antwort zu geben vermochte. Aber Sokrates selbst zog daraus den Schlusss, dass es keine sichere und endgültige Definition geben könne und gab zu verstehen, dass die Schönheit ein im Laufe der Zeit subjektives und veränderbares Gefühl sei.

Aber was ist dann nun die Schönheit? Wie nach ihr suchen? Wie entsteht im Menschen die Empfindung der Schönheit und welche Rolle spielt sie im individuellen und kollektiven Leben, in praktischer oder spiritueller Hinsicht? Seit mittlerweile 2.500 Jahren begleitet und beschäftigt uns diese Frage und alles, was damit zusammenhängt. Und die Kunst? Welche Beziehung hat die Schönheit zur Kunst? Das Kuratorenteam der Wiener Veranstaltung nimmt Bezug auf “Die Geschichte der Schönheit” von Umberto Eco, um Komplexität und Facettenreichtum des Begriffs aufzuzeigen, ohne jedoch zumindest vorweg zu betonen, dass die Verbindung zwischen Schönheit und Kunst, wie Eco sagt, eigentlich eine nur relativ kurze Zeitspanne betrifft.

Zur Vienna Art Week werden Gäste erwartet, die ohne Zweifel einiges zum Thema beizutragen haben. So etwa die französsische Performancekünstlerin und Vertreterin der Body Art Orlan, bekannt für ihre ganz persönliche Suche nach einer idealen Schönheit, die sie auf extreme Weise am eigenen Körper experimentiert. Sie unterzieht sich einer Reihe chirurgischer Eingriffe, um sich Protesen in das Gesicht implantieren zu lassen und dokumentiert dies auf Video. Orlan wir im MAK im Rahmen eines Interview Maratons zu Wort kommen.

Noch bevor die Vienna Design Week eröffnet, zieht das Bild ihres Sujets, das den Titel “Seeking Beauty” begleitet, die Aufmerksamkeit auf sich: eine Blume, die gleich mehrere Merkmale des Schönheitsbegriffs in sich vereint: Symmetrie, Gestaltung und ansprechende Proportion der Blütenblätter, die angenehme zartrosa Farbegebung mit ihren sanften Schattierungen und so fort. Wir haben den Namen dieser Blüte recherchiert, um die Wahrheit herauszufinden und unsere Vermutung wurde uns schließlich von der Festivalleitung bestätigt. Dies ist keine in der Natur existierende Blume, sie wurde von Menschenhand kreiert mittels Photoshop, anlassbezogen computergeneriert. Ein digitales Produkt also. Eine Metapher dafür, dass nur die geistige Künstlichkeit Schönheit zu generieren vermag? Und somit nicht die Natur? Wir wissen nicht , ob dies die Intention war, aber es wäre sicher kein Stein des Anstoßes, könnte man diese These doch im Großen und Ganzen der vor zwei Jahrhunderten getätigten Aussage des großen Hegel annähern, der damit festverankerte Auffassungen revoluzionierte: die Schönheit, so sagte er, gäbe es nur in der Kunst, nicht in der Natur.

Da es um die Kunst geht, darf das Fehlen eines wichtigen Gastes bei der Wiener Veranstaltung nicht unerwähnt bleiben, der negative Doppelgänger der Schönheit, das Häßliche. Denn auch das Häßliche verfügt über eine gewisse Anziehungskraft. In Wahrheit hat der deutsche Philisoph Karl Rosenkranz Mitte des 19. Jahrhunderts diese Lücke gefüllt und sie mit dem allbekannten Aufsatz “Ästhetik des Häßlichen” gewürdigt.

Nun, in dieser Ausgabe ist das Häßliche nicht an der Tagesordnung. Zumindest nicht bei den diversen Diskussionsrunden, aber was die faktische Ebene der modernen und zeitgenössischen Kunst anbelangt wissen wir nur zu gut wie es sich verhält.

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Architektur