Neues Leben eines alten Handwerks

Der Beruf des Huf- und Klauenschmieds, der schon als überlebt gegolten hatte und deshalb als Lehrberuf gestrichen wurde, erlebt eine Renaissance.

14.02.2013
Redaktion Metall
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Aufgaben des Hufschmieds sind der Beschlag mit Hufeisen sowie das Kürzen und Korrigieren bei Barhufgängern.

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Mittlerweile haben wir in Österreich wieder 30 Lehrlinge, zehn in jedem Lehrgang der dreijährigen Ausbildung. Da die Zahl der Pferde stetig zunimmt, ist auch ein gut ausgebildeter Hufschmied notwendiger denn je", erklärt der Landwirtschaftsmeister und Pferdewirtschaftsfacharbeiter Josef Tramberger aus Wolfsbach im Mostviertel gegenüber dem Niederösterreichischen Wirtschaftspressedienst. Tramberger hat sich auf Hufkrankheiten und orthopädische Problemfälle spezialisiert und ist Mitbegründer des Österreichischen Hufschmiede Verbandes sowie Mitglied von Hoofprotection (www.hoofprotection.at), eines in Österreich einzigartigen Zusammenschlusses von vier Einzelunternehmern.

Der traditionelle Aufgabenbereich der rund 300 Hufschmiede in Österreich ist der Beschlag mit Hufeisen sowie das Kürzen und Korrigieren bei Barhufgängern. Dazu gehört auch die Zubereitung des Hufes für den Beschlag durch Ausschneiden und Raspeln des Horns. Bei Stellungsfehlern und Hufkrankheiten wird der Schmied auch therapeutisch tätig, indem er durch das Anbringen spezieller orthopädischer Beschläge den Heilungsprozess unterstützt.

Regionales Einzugsgebiet
„Generell gehört ein Pferd alle sechs bis zwölf Wochen neu beschlagen. Natürlich ist das von Tier zu Tier verschieden und hängt auch von äußeren Bedingungen ab", sagt Tramberger. „Im Sommer etwa wird das Eisen durch mehr Einsatz auch mehr beansprucht oder bei Wiesenhaltung und mehr Sonne wachsen die Hufe rascher."

Pro Jahr bearbeitet ein Hufschmied 700 bis 1000 Pferde. Zuerst wird das alte Eisen entfernt und der Huf vom Zerfallshorn gesäubert, anschließend werden die Hufwände gekürzt und abgeraspelt. Danach folgen die Eisenauswahl, das Richten, Schleifen, Adjustieren und Aufnageln des Eisens. Je nach Tier und Arbeitsaufwand benötigt der 43-jährige Hufschmied pro Pferd eine Dreiviertelstunde bis zu zwei Stunden. „Da unsere Branche überschaubar ist, bin ich auch schon gerufen worden, Pferde in Regensburg oder Zell am See zu beschlagen. Unser Haupteinzugsgebiet geht jedoch von Amstetten, Blindenmarkt, Purgstall bis nach Wels und Bad Leonfelden", so Tramberger. Pro Jahr legt er 45.000 bis 50.000 Kilometer zurück.

Mehr als Metalltechnik
Die Hufschmiede erweisen sich immer öfter als Pferde-Orthopäden. „Wir arbeiten sehr viel mit Tierärzten zusammen und müssen unser Wissen in dieser Richtung ständig erweitern. Daher ist Weiterbildung unsere wichtigste Investition", erklärt Hannes Hofer, Schmiedemeister und Hufschmied aus Großrußbach gegenüber dem NÖ Wirtschaftspressedienst. Hofer ist auch Berufsschullehrer an der Veterinärmedizinischen Universität Wien, die neben Stadl Paura in Ober­österreich eine von zwei Ausbildungsstätten für Hufschmiede in Österreich ist. Als Beauftragter der NÖ Hufschmiede wirkt er außerdem berufsvertretend in der Landesinnung der Metalltechniker der Wirtschaftskammer Niederösterreich. Der Weinviertler Schmiedemeister bezieht die Materialien wie Hufeisen, Nägel und Werkzeuge aus Holland, Schweden und England. Dabei seien Hufeisen aus Aluminiumlegierung besonders für Rennpferde immer mehr gefragt. „Kunststoffschuhe haben sich nicht bewährt und sind ein Nischenprodukt, das eventuell nach Verletzungen verwendet wird", sagt Hofer.

Erfreulich ist, dass der Beruf Hufschmied wieder als Lehrberuf anerkannt wird. „Der Rückgang der Pferde hat den Verlust vieler Ausbildungsplätze verursacht", ruft Tramberger in Erinnerung. Hatte es im Jahr 1950 in Österreich noch 283.025 Pferde gegeben, ging diese Zahl bis zum absoluten Tiefpunkt im Jahr 1973 auf rund 39.000 Pferde zurück. Die logische Folge des Bestandsrückgangs sei die Auflösung des Lehrberufs 1976 gewesen. „Als Ende der 1970er-Jahre das Sportreiten wieder aktuell wurde, hat man eine Zwischenlösung gefunden", berichtet Tramberger. Leuten, die im Metallbereich gearbeitet haben, habe man mit einem dreimonatigen Kurs den Zugang zum Gewerbe ermöglicht. „Der Vorteil war", erklärt Tramberger, „dass man schneller Leute an der Hand hatte."

Ein Nachteil sei allerdings die Verringerung der Qualität der Ausbildung gewesen. „Daher gründeten wir vor rund einem Jahrzehnt den Österreichischen Hufschmiede Verband (www.hufschmiedeverband.at) und setzten uns neben der Erhaltung und der notwendigen Verbesserung unseres Berufs dafür ein, dass es nun wieder den Lehrberuf des Huf- und Klauenschmieds in Österreich gibt."  [red/nöwpd]

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