Parlament – gestern, heute, morgen

23.02.2016

 

Noch bis 4. März gibt die Ausstellung „Die drei Jahresringe des Parlaments“ in der Säulenhalle des Parlaments Einblick in die Architekturgeschichte des Hohen Hauses und gewährt einen Blick auf dessen bevorstehende Generalsanierung.

Architekt und Generalplaner des Parlamentsumbaus András Pálffy erläutert die geplanten architektonischen Eingriffe.

Auf dem Podium: (v.l.n.r.): Moderatorin Franziska Leeb, Architekt Ernst Beneder, Projektleiter der Generalplanung András Pálffy, Architektin Heide Fritz und Landeskonservator Friedrich Dahm

Bei der Ausstellungseröffnung (v.l.n.r.): Projektleiter der Generalsanierung Architekt András Pálffy, Parlamentsdirektor Alexis Wintoniak und Landeskonservator Friedrich Dahm.

Für Parlamentsvizedirektor Alexis Wintoniak, der die Schau eröffnete, sei die Notwendigkeit der Sanierung nicht nur den festgestellten Schäden und Mängeln geschuldet, sondern vor allem auch dem Bedarf an zusätzlichen Raumkapazitäten. „Über zwei Jahresringe – die Errichtung durch Theophil Hansen und den Wiederaufbau nach dem Krieg - haben wir Gewissheit, den dritten Jahresring prägen wir als Parlament nun selbst", brachte er die Herausforderung der Sanierung auf den Punkt.

Raum für modernen Parlamentarismus

Die Vorgaben sind hoch, betonte Wintoniak, der die Generalsanierung leitet. Nachdem der Bau von Theophil Hansen trotz seiner historischen Symbolik durch die funktionale Grundstruktur und die Integration der damals neuesten technischen Errungenschaften einen Aufbruch in die Moderne signalisiert hatte und das Wiederaufbauprojekt der Architekten Max Fellerer und Eugen Wörle mit seiner reduzierten Formensprache das neue Zeit- und Demokratieverständnis zum Ausdruck brachte, geht es bei der nunmehrigen Generalsanierung darum, die bestehenden Strukturen weiterzuentwickeln und neuen Raum für modernen Parlamentarismus zu schaffen.

Wintoniak erinnerte, dass schon 1883 alle politischen Kräfte in die Baukommission einbezogen worden waren, die letzte Entscheidungsinstanz allerdings beim Innenministerium gelegen war. Das informelle Baukomitee bildete 1945 die Präsidialkonferenz des Nationalrats, wobei die Letztverantwortung beim Ministerium für Handel und Wiederaufbau lag. Die bevorstehende Generalsanierung basiert nun auf einer komplexen Struktur aus Nutzerbeirat und Bauherrnausschuss und wird von der Parlamentsdirektion und der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) gemeinsam durchgeführt. Im Unterschied zu den beiden früheren Bauphasen wird die Letztverantwortung heute vom Parlament selbst getragen, und damit von der Präsidentin des Nationalrats unterstützt von den Fraktionen, gab Wintoniak zu bedenken. Aus der zeitlichen Distanz ist das Gelingen und die herausragende Bedeutung der beiden ersten „Jahresringe“ klar erkennbar, sodass der Parlamentsvizedirektor seine Hoffnung ausdrückte, „dass auch der dritte Jahresring von unseren Nachfahren einmal als großer Erfolg gesehen wird".

Im Geiste Theophil Hansens

Das Parlament wird im Geiste Hansens saniert werden, stimmten die maßgeblich mit dem Projekt befassten Architekten in einer Podiumsdiskussion überein.

Friedrich Dahm (Landeskonservator Bundesdenkmalamt Wien) argumentierte, bauliche Veränderungen seien notwendig, um die Abläufe des Parlaments zu gewährleisten. Gleichzeitig gelte es jedoch, die wesentlichen Charakteristika des historischen Baus Theophil Hansens zu erhalten, sodass ein funktionierendes Haus im neuen, alten Glanz erstrahlen würde. Die Baumaßnahmen würden auf die Funktionalität des Hauses abgestimmt, pflichtete András Pálffy (Projektleiter Generalplanung Sanierung Parlament) bei, der die Sanierung auch unter dem Aspekt der Öffnung des Parlaments betrachte.

Ernst Beneder (Kommissionsvorsitzender Generalplanersuche Sanierung Parlament) begrüßte das nach anfänglichem „Erklärungsbedarf“ nun positive Echo in den Medien und sah die Herausforderung vor allem darin gelegen, das Parlamentsgebäude an neue Aufgaben anzupassen. Genau dies sei Gegenstand des parteienübergreifenden Konsenses. Man habe bei der Generalsanierung eine Organisation gewählt, die rasche und effiziente Entscheidungen ermögliche, stellte Heide Fritz (Verfahrensbegleitung, Generalplanersuche Sanierung Parlament) anerkennend fest. Sie zeigte sich auch zuversichtlich, dass die gründliche Planung des Projekts die Einhaltung des Kostenrahmens gewährleisten werde.

Anhand von Plänen, Modellen und Originalmöbeln aus den Beständen des Parlaments führt die Schau durch die Baugeschichte des Hauses. Zahlreiche der präsentierten Objekte werden dabei der Öffentlichkeit erstmals zugänglich sein.

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Architektur