Taktile Hilfe für Sehbehinderte

Durch den Umbau des Westbahnhofs Wien konnte auch ein neuer öffentlicher Platz gewonnen werden. Damit nun aber auch Sehbehinderte Bahnhof wie Vorplatz komfortabel nutzen können, wurden klare Orientierungshilfen integriert. Taktile Leitsysteme aus Beton unterstützen Menschen mit wenig bis gar keinem Sehvermögen, so können sie sich selbstständig im öffentlichen Raum bewegen.

21.08.2013
Redaktion Architektur & Bau Forum
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An öffentlichen Plätzen unterstützen taktile Systeme aus Beton bei der Orientierung. Foto: Betonmarketing

Durch den Umbau des Westbahnhofs Wien konnte auch ein neuer öffentlicher Platz gewonnen werden. Damit nun aber auch Sehbehinderte Bahnhof wie Vorplatz komfortabel nutzen können, wurden klare Orientier-ungshilfen integriert. Taktile Leitsysteme aus Beton unterstützen Menschen mit wenig bis gar keinem Sehvermögen, so können sie sich selbstständig im öffentlichen Raum bewegen.
 
Beton, Baustoff mit sozialer Nachhaltigkeit
Für Blinde und Sehbehinderte ist eine einfache und effiziente Orientierung in der Öffentlichkeit mehr als nur eine Hilfe, um sich in der direkten Umgebung zurechtzufinden. Es ist die Eintrittskarte in die Gemeinschaft, ins Leben der Allgemeinheit. Denn diese Menschen sind darauf angewiesen, dass ihr eingeschränktes oder fehlendes Sehvermögen durch andere Mittel ausgeglichen wird. Gerade an öffentlichen Plätzen kommt dem Baustoff Beton somit eine große soziale Funktion zu. Strukturierte, gerillte oder farblich kontrastierte Pflasterplatten ermöglichen es Sehbehinderten, sich selbstständig zurechtzufinden. Und an einem Bahnhof ist eine solche Orientierungshilfe besonders wichtig. Die Betonindustrie nahm hier schon früh eine Vorreiterrolle ein. So entwickelten Betontechnologen Systeme, mit denen sich Menschen allein durch ihren Tastsinn frei bewegen können. Entstanden sind dank des Engagements der Betonexperten einheitliche taktile Systeme, die deutliche Signale vermitteln und so Gefahren, etwa durch den Verkehr, wirksam reduzieren. Ein Unternehmen, das sich in dieser Entwicklung – Blindenverbände waren von Anfang an involviert – besonders hervorgetan hat, ist Semmelrock Stein+Design.
 
Gerillte Betonsteine geben Orientierung
„Mit Beton lassen sich taktile Leitsysteme leicht und kostengünstig in die Gestaltung öffentlicher Plätze einplanen. Das Ziel ist dabei, Sicherheit und Orientierung sehbehinderter Menschen durch klare Informationen zu gewährleisten. Die Gehrichtung wird durch die Verlegerichtung der Steine kommuniziert", wie Friederike Partisch von Semmelrock sagt. Vor allem vertiefte Systeme, die gegenüber erhabenen Orientierungshilfen über zahlreiche Vorzüge verfügen, haben sich bewährt: Die Oberkante dieser integrierten Leitsysteme wird niveaugleich mit den angrenzenden Oberflächen ausgeführt. Es gibt dadurch keine Kanten, über die man stolpern könnte. Keine abgeschrägten Flächen, keine Kanten – das hat auch viele weitere Vorteile, beispielsweise beim Schneeräumen.

In der BahnhofCity am Wiener Westbahnhof kamen unterschiedliche Betonpflaster von Semmelrock zum Einsatz. Der Platz unter der Wolkenspange wurde mit Rillenplatten im Format 22,5 x 22,5 Zentimeter in Doppelreihen gestaltet bei einer Rillenbreite von 45 Zentimetern. Die Höhe der Steine beträgt acht Zentimeter – das garantiert höchste Stabilität, auch wenn einmal ein Lastwagen zur Belieferung der Läden über den Platz rollt. Die Ausführung der Deco-Pflastersteine mit kleiner Fase, wie die abgeschrägten Kanten im Fachjargon genannt werden, macht das Begehen angenehm und komfortabel. Neben den Rillen bieten farbliche Kontraste Orientierungshilfen für Sehbehinderte. Die Grundfarbe ist Sandstein, zusätzliche graue und anthrazitfarbene Steine zeigen allen, die nur Schattierungen wahrnehmen, wo es langgeht.
 
Vorbildcharakter
Auf den neuangelegten Bahnsteigen im Wiener Westbahnhof wurde ein anderes Pflaster verwendet, das sogenannte „Flüstercoloc" – ebenfalls mit taktilen Systemen. Auch dieses Pflaster verfügt weder über Fasen noch über Scheinfugen, hat aber eine Eigenschaft, die sich gerade hier auszahlt: „Das Befahren dieser Steine ist besonders leise", betont Friederike Partisch, „ob Rollkoffer oder Kofferkuli, man hört fast nichts." Das Betonpflaster „Flüstercoloc" ist dabei eine wirtschaftliche, dauerhafte Lösung für Flächen, bei denen höchste Verbundsteinwirkung verlangt wird. Auch Nachrüsten bestehender Flächen mit diesem vielseitig bewährten Pflaster oder anderen fasenlosen Pflastersteinen und Blindensystemen ist kein Problem. Inzwischen sind sehr viele Bahnhöfe Österreichs umgerüstet. Und taktile Systeme mit Betonpflaster sind aus dem öffentlichen Leben längst nicht mehr wegzudenken.
 
Stichwort „Taktile Systeme"
Leitsysteme für Blinde und Sehbehinderte geben Sicherheit und Orientierung. Der blinde oder sehbehinderte Mensch ertas­tet mit Stock oder Füßen das taktile System, wobei die Gehrichtung durch die Verlegerichtung der Steine angezeigt wird. Sehbehinderte orientieren sich zusätzlich an kontrastfarbenen Platten. Die Oberkante der Leitsysteme wird niveaugleich mit den angrenzenden Oberflächen ausgeführt, wodurch es keine „Stolperfallen" gibt. Durch die Ausbildung der Rillen und Stege ist ein sicheres und bequemes Gehen auf den Blindensteinen gegeben. Nebenbei werden taktile Systeme auch als Gestaltungselemente zur Unterteilung größerer Flächen genutzt. Alle Leitsysteme der Firma Semmelrock wurden gemeinsam mit den Blindenverbänden Österreichs entwickelt und abgestimmt.
 
Betonmarketing Österreich
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