Wir machen Leuten eine Freude

Hanna und Paul Wagner sind ein talentiertes Geschwisterpaar. 2015 gewannen Sie den internationalen Ausbildungswettbewerb der Maler in Brünn, gemeinsam schlossen sie heuer die Meisterklasse der Malerschule Leesdorf ab und Paul Wagner erhielt für seine herausragenden Leistungen das höchste Stipendium der Landesinnung Niederösterreich.

24.10.2016
Interview
Diana Danbauer
© Wagner

Hanna und Paul Wagner

© Danbauer

Meisterstück von Paul Wagner.

© Danbauer

Meisterstück von Hanna Wagner.

Familie Wagner führt mittlerweile in dritter Generation einen Malereibetrieb im niederösterreichischen Kilb. Dass sich auch die jüngsten Familienmitglieder – Hanna (19) und Paul (21) Wagner – für die Ausbildung zur Malerin bzw. zum Maler entschieden haben, ist kein Zufall, sondern eher Tradition. Denn bereits Vater und Tante führten einst das Unternehmen gemeinsam. Nach wie vor als Familienbetrieb geführt, führt Thomas Wagner aktuell alleine Betrieb. Allerdings mit tatkräftiger Unterstützung: Mutter Susanne Wagner kümmert sich um die Buchhaltung, Hanna Wagner arbeitet zurzeit als Malermeisterin im elterlichen Betrieb und Großmutter und Großvater sind zwar nicht mehr im Unternehmen tätig, unterstützen die Familie aber dennoch. „Die Oma hilft bei kleineren Arbeiten in der Werbetechnik mit“, erzählt Paul Wagner. Der Großvater hält sich aus dem Geschäft raus und ist für den gemeinsamen Garten zuhause zuständig, denn die drei Generationen leben gemeinsam unter einem Dach.

Bei einem gemütlichen Gespräch an einem Sonntagvormittag erzählten die beiden jüngsten Wagner-Malermeister von Familie, Beruf und Freiheit.

Wir machen Freude

„Unsere Eltern haben uns nie in eine berufliche Richtung gedrängt und wir konnten immer selber entscheiden“, erzählt Hanna Wagner. Der Farbkübel war jedoch schon von klein auf immer in der Nähe: „Ich glaube es gibt kein Kinderfoto von uns, auf dem wir nicht mit Farbe vollgepatzt sind“, so die Malermeisterin. Und auch der Bruder bestätigt: „Mindestens einmal im Jahr haben wir unsere Zimmer neu ausgemalt und selber neu gestaltet“. Da war die Berufswahl natürlich naheliegend. In jedem Fall hätten sich beide für einen handwerklichen Beruf entschieden, sind sich die Jungmeister sicher. Nachdem Paul Wagner bereits in Leesdorf die Malerschule besuchte, war der Schritt auch für Hanna Wagner nicht mehr weit: „Ich hatte durch meinen Bruder früh einen guten Einblick und war von Anfang an begeistert“, schildert die 19jährige. Heute schätzt sie an ihrem Beruf vor allem den Kundenkontakt und die Tatsache, dass ihre Arbeit sofort ein Ergebnis liefert. „Wir machen den Leuten mit unserer Arbeit eine Freude“, erzählt sie strahlend. „Etwas Altes wieder schön zu machen ist einfach eine tolle Arbeit“, schwärmt auch ihr Bruder.

Zukunftsmusik

Seit August ist Hanna Wagner wieder zuhause und arbeitet aktuell auch im elterlichen Betrieb. „Es macht Spaß, aber es ist definitiv etwas anderes, wenn man die ‚Cheftochter‘ ist. Ich habe auch schon in anderen Betrieben gearbeitet und muss sagen, dass mir das eigentlich lieber ist“, so die Cheftochter. Auf die Frage nach ihren beruflichen Zukunftsplänen, müssen beide Geschwister lachen. Hanna Wagner erklärt: „Ich bin ein sehr spontaner Mensch und plane selten länger als zwei Wochen in die Zukunft.“ Nichts desto trotz, möchte sie das nächste Jahr im Familienbetrieb bleiben.

Auch Paul Wagner ist nach Hause zurückgekehrt, wenige Tage vor unserem Treffen in den Büroräumlichkeiten in Kilb. Seine Zukunftspläne sind etwas konkreter: „Im Oktober beginne ich mit dem Zivildienst beim Roten Kreuz in Melk. Danach möchte ich auf jeden Fall außerhalb des elterlichen Betriebes Erfahrungen sammeln und drei oder vier Jahre lang in anderen Unternehmen tätig sein“.

Die Schwester vom Vater ist ebenfalls Malermeisterin und hat längere Zeit gemeinsamen mit dem Vater den Betrieb geführt. Mittlerweile haben sich die beruflichen Wege allerdings getrennt. Auch die nächste Geschwistergeneration kann sich grundsätzlich eine gemeinsame Leitung des Betriebes vorstellen, allerdings mit getrennten Aufgabenbereichen. Zudem ist Hanna Wagner zögerlicher als ihr Bruder Paul: „Ich glaube eher, dass Paul den Betrieb übernehmen wird.“ Beschlossene Sache ist das allerdings noch nicht: „Ich könnte mir das gut vorstellen, aber momentan stehen diese Dinge noch lange nicht zur Diskussion“, wehrt Paul Wagner ab.

Zusammenhalt als Erfolgsgarant

Dass die beiden sehr erfolgreich zusammenarbeiten können, bewiesen sie nicht zuletzt im November 2015, als sie gemeinsam beim internationalen Ausbildungswettbewerb in Brünn den ersten Platz erreichten. Diesem Erfolg ist teilweise auch der Zusammenhalt des Geschwisterpaares geschuldet: „Wir haben uns immer gegenseitig unterstützt, aber nicht als Geschwister, der Zusammenhalt der gesamten Klasse war ausgesprochen gut“, so Hanna Wagner. Ihr Bruder ergänzt zustimmend: „Wir hatten wirklich eine gute Klassengemeinschaft und haben uns immer gegenseitig geholfen. Und auch die Unterstützung von den Lehrerinnen und Lehrern war großartig“. Das darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass viel Arbeit hinter dem Erfolg steht: „Nichts desto trotz muss man sich natürlich auch selber bemühen und anstrengen“, weiß die Malermeisterin.

Beide Aspekte gelten nicht nur innerhalb einer Familie oder einer Meisterklasse. Auf die Frage, was aus ihrer Sicht wichtig für einen erfolgreichen Berufseinstieg ist, antworten beide unisono: „Ein guter Ausbildungsbetrieb.“

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