„Wir müssen alles ausreizen, um den Stillstand zu verhindern“

06.04.2020

Irene Wedl-Kogler, Bundesinnungsmeisterin der Bauhilfsgewerbe u. Gruppensprecherin der Baunebengewerbe, über individuelle Lösungen, Schutzmaßnahmen und das Engagement der Betriebe.

Irene Wedl-Kogler, Bundesinnungsmeisterin Baunebengewerbe: "Der Stillstand kostet uns Milliarden. Deshalb müssen wir alles ausreizen, was nur irgendwie geht, um weiter zu arbeiten."

Nicht nur die Bauunternehmen, auch das Baunebengewerbe war vom Baustopp unmittelbar betroffen. Nun laufen die Baustellen langsam wieder an. Wie zufrieden sind Sie mit der aktuellen Regelung?

Irene Wedl-Kogler: Das Baunebengewerbe ist in seinen Gewerken sehr unterschiedlich strukturiert. Angefangen beim Maler, Tapezierer über Bodenleger, Steinmetz, Fliesenleger bis hin zum Dachdecker um nur einige unserer Berufsgruppen zu nennen– die Tätigkeitsfelder und Betriebsgrößen unterscheiden sich enorm – und damit auch die Bedürfnisse. Ein Bodenleger, jetzt der alleine in geschlossenen Restaurant einen neuen Boden verlegt, tut sich natürlich leichter als andere Berufsgruppen. Mit der aktuellen Regelungen hat nun zumindest jedes Unternehmen die Möglichkeit, eine individuelle, fürs Unternehmen und die Projekte passende Lösung zu finden.

Schutzmasken und Desinfektionsmittel sind gerade ein begehrtes Gut. Sind die Unternehmen damit ausreichend ausgestattet?

Irene Wedl-Kogler: Über die WKO konnten unsere Mitgliedsbetriebe Schutzmasken bestellen. Aufgrund der großen Nachfrage kommt es leider zu Lieferengpässen. Ansonsten muss man auch ein bisschen kreativ werden. Ich habe für meine eigenen Mitarbeiter z.B. selbst Desinfektionsmittel hergestellt und Sie dementsprechend unterwiesen.

Sind die Arbeiter leicht von der Notwendigkeit der Schutzmaßnahmen zu überzeugen?

Irene Wedl-Kogler: Natürlich ist es zum Teil schwierig, Arbeiter auf der Baustelle von den neuen Schutzmaßnahmen zu überzeugen. Man darf nicht vergessen, dass sie am Bau jeden Tag einem gewissen Risiko ausgesetzt sind und deshalb einen anderen Zugang haben. Aber die Schutzmaßnahmen sind wichtig, müssen ernst genommen und eingehalten werden. Man muss aber schon berücksichtigen: Wir sind noch immer auf einer Baustelle und nicht in einem Krankenhaus.

In den letzten Wochen waren Arbeiter auf der Baustelle oft Anfeindungen ausgesetzt. Denken Sie, das hört nun auf?

Irene Wedl-Kogler: Ich hoffe es. Unsere Unternehmen und Ihre Mitarbeiter leisten einen wichtigen Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt. Wir arbeiten nicht aus Gewinnmaximierung, sondern es geht ums Überleben der Betriebe. Der Stillstand kostet uns Milliarden. Deshalb müssen wir alles ausreizen, was nur irgendwie geht, um weiter zu arbeiten.
Ich möchte mich bei allen Unternehmen, Mitarbeitern, Innungskollegen und unseren Sozialpartnern bedanken, denn das Engagement ist großartig und jeder bemüht sich, das Beste aus dieser Situation zu machen.

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