Spielzeugmacher Martin Plackner: offen für neue Wege

Martin Plackner ist seit 35 Jahren Spielzeugmacher. Durch seine stete Offenheit für neue Ideen hat er im Bereich der Pädagogik seine Nische gefunden, die er mit besonderen Qualitätsprodukten besetzt.  

28.08.2018
Holz
Gudrun Haigermoser
© Klaus Muhr

„Wir beliefern direkt die Endkunden und lassen deren Wünsche und Anregungen auch in die Produktentwicklung einfließen. Das ergibt ein optimales Zusammenspiel.“ Martin Plackner, Spielzeugmacher

© Klaus Muhr

Der aktuelle Bestseller ist das sogenannte Pikler-Dreieck. Das aus Buchenholz gefertigte Spielgerät fördert die selbständige Bewegungsentwicklung.

© Klaus Muhr

Spielend lernen: Mit diesen Holzquadern kann die Wirkung des Potenzierens dargestellt werden.

„Ich bin ein Tüftler und Bastler und immer offen für Neues“, beschreibt sich Spielzeugmacher Martin Plackner selbst. Wobei das, was Plackner und sein Team in der Werkstatt in St. Georgen im Attergau herstellen, schon lange sehr viel umfasst, als einfach nur Spielzeug. Daher ist seit einigen Jahren auch „Werkstatt für Spiel und Pädagogik“ die offizielle Firmen-Bezeichnung.

„Wir sind als Spezialisten im Schnittpunkt von Pädagogik und Material etabliert und füllen diese Nische mit viel Erfahrung und Hingabe aus“, sagt der Unternehmer und erzählt weiter: „Wir sind langsam gewachsen und haben Trends immer frühzeitig erkannt. Mit unserer breiten Angebotsstruktur sind wir im deutschsprachigen Raum sicher einzigartig und wir können die starke Nachfrage kaum erfüllen.“

Alles in einer Hand

Warum sich Martin Plackner nach drei Jahren Maschinenbaustudium 1981 für seinen heutigen Beruf und die Betriebsgründung entschied, hatte mehrere Gründe. Zum einen wollte er sich „unbedingt“ selbständig machen, zum anderen kam die „Spielzeugmacherei“ der Grundidee, Dinge von der Planung bis zur Auslieferung selbst zu in der Hand zu haben, am besten entgegen. Und: Zu der Zeit kam gerade die erste Tochter ins „Spielalter“ und die Familie war mit dem, was der Markt an Spielzeug hergab, nicht zufrieden.

Rund acht Jahre arbeitete Plackner alleine und erweiterte dann langsam auf drei Mitarbeiter. Die ersten zwölf Jahre belieferte er vorwiegend Kindergärten und anderen Betreuungseinrichtungen. 1991 absolvierte Plackner, der mittlerweile auch die Tischler-Gesellenprüfung abgelegt hatte, aus persönlichem Interesse eine Montessori-Ausbildung (siehe Kasten). Diese eröffnete ungeplant einen neuen Produktionszweig mit zunehmender Nachfrage nach entsprechenden Spiel- und Entwicklungsmaterialien. Durch den Montessori-Boom in Österreich Mitte der 1990er Jahre stieg die Mitarbeiterzahl sehr rasch auf zehn, die Ausführungsqualität der Produkte „auf höchstes Niveau“.

1996 besuchte der Pionier in seinem Fach zum ersten Mal das Pikler-Institut (siehe Kasten) in Budapest und fing in kleinem Umfang mit der Produktion von Pikler-Materialien an. Als es bei den Montessori-Materialien Anfang der 2000er Jahre durch Konkurrenz aus Fernost einen deutlichen Umsatzeinbruch gab, konzentrierte man sich auf die neue Schiene und ist heute in diesem Bereich internationaler Leitbetrieb.

Weil der Vertrieb von Anfang an weltweit direkt an den Endkunden erfolgt, kann man die hohe Qualität halten und zu konkurrenzfähigen Preisen anbieten. Die Kunden kommen je zur Hälfte aus Österreich und aus dem (vor allem) deutschsprachigen Ausland, ebenso halten sich die private und institutionelle Kundschaft die Waage – wobei letztere einen größeren Umsatzanteil ausmachen.

Einfach schönes Spielzeug

„Meiner Grundlinie, schönes Spielzeug für Kinder herzustellen, bin ich trotz aller Veränderungen über die Jahrzehnte immer treu geblieben“, sagt Martin Plackner, „allerdings ist sehr viel an Knowhow hinzugekommen.“ Das Hineinrutschen in den pädagogischen Bereich hat sich aus vielen Zufällen, gepaart mit persönlichem Interesse ergeben. „Als die ersten Kopien der von uns entwickelten Produkte am Markt auftauchten wusste ich – wir haben es geschafft!“, erinnert sich Plackner zurück.

Mehr als 600 eigene Produkte hat der Spielzeughersteller im Sortiment, mit ausgesuchter Handelsware sind es deutlich über tausend. Der aktuelle Bestseller ist das sogenannte Pikler-Dreieck. Dieser aus Buchenholz gefertigte Dreieckständer dient Kindern ab einem Jahr quasi als Wald im Wohnzimmer und wird – mit Zusatzgeräten – circa bis zu einem Alter von sechs Jahren verwendet. Das Spielgerät fördert die selbständige Bewegungsentwicklung und die Körperkoordination, schärft die Wahrnehmungen, dient zum Klettern und „die Kinder haben einfach Spaß damit“.

Vieles spricht für die Buche

Schon vor 25 Jahren stand in der Werkstatt eine CNC-Maschine – ohne diese wäre der Betrieb durch den Preisdruck nach der Ostöffnung nicht aufrechtzuerhalten gewesen. Ansonsten findet sich im umgebauten Bauernhaus alles, „was in eine typische Tischlerei gehört“. Insgesamt werden hier pro Jahr rund 25 Kubikmeter Massivholz verarbeitet. Hauptsächlich kommt europäisches Buchenholz zum Einsatz: „Das Holz ist hart, kurzfaserig, lässt sich gut bearbeiten und kommt vom spezifischen Gewicht her dem eigenen Körperempfinden nahe. Das ist für Kinder wichtig, da sie beim Spielen Größenunterschiede und Kräfte besser einzuschätzen lernen“, erklärt Plackner. Weitere verwendete Materialien sind Pappel- und Eichenholz, für die flächigen Element Birkensperrholz und Drei-Schicht-Platten aus Fichtenholz. Dazu kommen noch circa 20 Kilometer Rundstäbe aus Buchenholz.

Für die Zukunft gerüstet

Obwohl man immer wieder mit Nachahmern konfrontiert ist, gibt es keine Angst vor Konkurrenz. Sollte es bei den pädagogischen Materialien einmal zu einem Einbruch kommen, wäre ein Weg zurück in die klassische, qualitätsvolle Spielzeugproduktion kein Problem. Diese liegt aktuell unter zehn Prozent, auch andere Nischen wie Angebote für die Waldpädagogik oder Spiellandschaften bedient man nach wie vor. „Wir haben viele Pläne in der Schublade, die wir aus Kapazitätsgründen liegen lassen mussten. Aber genau das gibt uns Sicherheit – geht das eine nicht mehr, machen wir halt das andere“, sagt Plackner. Auch wenn der heute 60-Jährige noch nicht ans Aufhören denkt, bereitet er die Weitergabe seines Lebenswerks an Sohn Florian Brunner vor, der bereits seit einigen Jahren die Produktion leitet.

Pädagogik anders gedacht

Die italienische Ärztin Maria Montessori entwickelte ab 1907 ein pädagogisches Bildungskonzept. Es beruht auf dem Bild des Kindes „als Baumeister seines Selbst“. Die Montessori-Pädagogik setzt auf offenen Unterricht, freies Arbeiten und Lernen durch Selbsterfahrung, gut betreut in einer vorbereiteten Umgebung.

Die ungarische Kinderärztin Emmi Pikler (1902 - 1984) ging im 20 Jahrhundert ebenso neue Wege, um Kindern ihre ursprünglichen Fähigkeiten und Kräfte zu erhalten. Seit den 1990er Jahren findet die Pikler-Pädagogik international zunehmend Verbreitung.

Tischler

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