52 Kubikmeter Holz

Holzhaus
30.09.2016

 

In Mödling haben Innenarchitekt Gerhard Haumer und das Architekturbüro Josep einen ungewöhnlichen Bürobau aus Holz geplant – mit Spiegelfassade im Erdgeschoß und ebenso einfachen wie schönen Gestaltungslösungen im Inneren.   

Büro mit Ausblick ins Grüne: Grifflose Kästen unterstützen die geradlinige Gestaltung.

An Decken, Fußböden oder auch im Stiegenhaus ist das Holz ganz bewusst als sichtbares Gestaltungselement eingesetzt.

Aufgrund der Sternform sieht das Gebäude je nach Standort unterschiedlich aus.

Aufgrund der Größe denkt man auf den ersten Blick an ein Einfamilienhaus. Tatsächlich ist es aber ein kleiner, nicht ganz alltäglicher Bürobau, den Innenarchitekt Gerhard Haumer mit den Architekten Sebastian Haumer und Jochen Kreuter vom Architekturbüro Josep für einen Mödlinger Gärntereibetrieb geplant hat.  Mit einer Spiegelfassade im Erdgeschoß, in der sich die Sträucher und Pflanzen rundherum vielfach multiplizieren und seiner ungewöhnlichen Außenform wartet das Gebäude noch dazu mit einigen besonderen Gestaltungsideen auf. Aufgrund des speziellen Grundrisses sieht es je nach Standort ein wenig anders aus und erschließt sich dem Betrachter in seiner Gesamtheit nicht sofort. 
„Der Bau steht etwas abseits der Straße, umgeben von Bäumen. Wir haben dafür eine Freiform gesucht und uns letztendlich für einen sternförmigen Grundriss entschieden“, erzählt Gerhard Haumer. 
Die Grundrissform ist aufgrund ihrer Symmetrie ideal für den Einsatz von vorgefertigten Bauelementen geeignet und ermöglichte so auch eine rasche und verhältnismäßig günstige Bauabwicklung. Weil die Planer zudem großen Wert auf nachhaltige Prinzipien legen, setzten sie für das Bürohaus vor allem auf den Werkstoff Holz – von der Konstruktion in Riegelbauweise über die Brettsperrholzplatten für die Deckenelemente und die Fassade aus Lärchenholzlamellen bis hin zum Innenausbau und der Möblierung. 

Ressourcenschonend

Insgesamt wurden hier 52 Kubikmeter Holz verbaut. Daraus leitet sich auch der Name ab, den sich die Planer für das Projekt ausgedacht haben: 52 Kubik. „Diese Menge an Holz bindet 20.800 m³ CO2 – das entspricht ungefähr so viel wie 260.000 km Autofahren – und setzt Sauerstoff für 100 Jahre Atemluft frei“, rechnet Gerhard Haumer vor, der mit derartigen Projekten auch Fragen nach der Verfügbarkeit und der Verwendung von Ressourcen thematisieren will.
Auch im Innenraum ist das Holz ganz  bewusst an vielen Stellen als sichtbares Gestaltungselement eingesetzt: an den naturbelassenen Wänden, dem Fußboden oder an der Decke. In der Raummitte, wo die Deckenplatten aufeinandertreffen, ergibt sich auf diese einfache Weise ein schönes, sichtbares Anschlussdetail, das sich darunter wiederum in der Anordnung der Bodendielen widerspiegelt. Auch im rundum mit Holz vertäfelten Stiegenhaus haben die Architekten bewusst den seitlichen Deckenanschluss sichtbar gelassen. 

Modulare Möbel

Das unterkellerte Haus bietet im Erdgeschoß Platz für den Empfangsbereich mit Thekenelement und einem modular aufgebauten Regal als Raumtrenner. Dahinter befinden sich mehrere Büroarbeitsplätze, eine Küchenzeile sowie Toiletten. Im Obergeschoß ist neben einer Arbeitszone auch ein Bereich mit einer Küche vorgesehen, der später einmal bei Bedarf als kleine Wohnung genutzt werden kann. 

52-Kubik-Büro

Für die Einrichtung der Arbeitsbereiche setzte Gerhard Haumer auf ein Möbelprogramm, das er vor einiger Zeit gemeinsam mit der Tischlerei Enzinger aus Hof bei Salzburg entwickelt hat. Es handelt sich dabei um Schreibtische samt Rollcontainern, die auf modulare Weise rasch reproduziert werden können, von Projekt zu Projekt aber genügend individuellen Anpassungsspielraum bieten. Auffallend an den Schreibtischen ist das an einer Ecke auskragende Kreissegment, das etwa als Besprechungstisch genutzt werden kann. Die Rollcontainer wiederum bestehen aus einem drehbaren Ladenkorpus, der von einem massiven Holzrahmen umfasst wird. Für das 52-Kubik-Büro entschied sich Haumer für Tischvarianten aus Esche (lackiert mit zwei Prozent Weißanteil) sowie einer Linoleumeinlage für die Schreibfläche. Auch bei den Kästen setzte der Planer auf eine sehr reduzierte, geradlinige Gestaltung. Charakteristisch für die wandhohen Einbauten mit weißen Fronten sind die in Esche gefertigten beleuchteten Nischen, über die sich durch schmale Fugen auch die jeweils darüber, darunter und daneben angeordneten Fronten öffnen lassen – eine scheinbar einfache, aber clever durchdachte Öffnungslösung, die für eine völlig ebene, grifflose Vorderansicht der Kastenelemente sorgt. Als kleines, feines Detail heben sich die Kästen oben und unten jeweils durch Schattenfugen von Decke und Boden ab. Die Fenster (gefertigt vom burgenländischen Spezialisten Fenster Ludwig) sind ebenfalls eine schon mehrfach erfolgreich eingesetzte Eigenentwicklung mit simpler, aber schöner Konstruktion: In den Blindstock werden dabei die öffenbaren Fenster- bzw. Balkontürelemente quasi „hineingestellt“. Die großflächigen Verglasungen kommen so ohne sichtbare Rahmen aus und ermöglichen auf diese Weise wunderbare Ausblicke nach draußen auf die rund um das Gebäude gepflanzten Sträucher und Bäume. 

In Kürze
Projekt: Bürohaus für Gärtnerei Holzer, Mödling
Planung: Gerhard Haumer, www.haipl-haumer.at, Sebastian Haumer, Jochen Kreuter, www.josep.co.at
Holzbauarbeiten: Kreiseder Holzbau, Seibersdorf
Möbel: Tischlerei Enzinger, Hof bei Salzburg
Fenster: Fenster Ludwig, Draßmarkt

Branchen
Tischler