Objektbericht

Massiv schöner Brandschutz

Brandschutz
03.03.2021

Beim Holztechnikum Kuchl zeigt sich, wie ­Massivholz alle seine schützenden Vorzüge ausspielen kann.

Südlich von Salzburg, am rechten Ufer der Salzach und inmitten der Erlebnisregion Tennengau sind echte Holzwürmer zuhause: Im Holztechnikum Kuchl, wo rund 400 Schülerinnen und Schüler in der Fachschule für Holzwirtschaft, der HTL für Holztechnik und der Werkmeisterschule für Holztechnik und Produktion ihr Wissen rund um den massiven und natürlichen Werkstoff im Rahmen einer umfassenden Ausbildung erhalten. Und dort zeigt sich schon in der Umsetzung bzw. der Revitalisierung des gut 4500 Quadratmeter großen Gebäudes, welchen Stellenwert Holz für die Privatschule hat. Damit in der Ausbildungsstätte auch ganz sicher nur die Köpfe rauchen, hat die Tischlerei Laserer aus Gosau bei der Realisierung des Projekts jahrelanges Know-how im Bereich Brandschutz geliefert. In zwei Etappen im Zeitraum zwischen 2016 und der kompletten Fertigstellung im Jahr 2018 wurden so in dem formschönen Holzbau neben stolzen 72 Kubikmetern Brettschichtholz und 676 Kubikmeter Brettsperrholz auch dutzende Massivholz-Türelemente verbaut, die in Sachen Brandschutz alle Stücke spielen. Und gerade, wenn es um die Sicherheit geht, müssen echte Profis ran. Schließlich erfordert die Planung und Fertigung von Brandschutztüren viel Wissen und Erfahrung, damit am Ende das Projekt allen Normen und Richtlinien gerecht wird. 

Beim Verbau der großen Verglasungen konnte das Familienunternehmen mit voller Brandschutzkompetenz punkten. 

Normendschungel

In Österreich ist die Herstellung und der Verbau von Brandschutztüren und -fenstern gesetzlich geregelt. So geben die Normierungen vor, welche Materialien verwendet werden dürfen und wo sie zum Einsatz kommen. Allerdings gibt es keine einheitliche Verordnung, die für alle Bundesländer gleichermaßen gilt – deshalb wurde durch das Österreichische Institut für Bautechnik (OIB) mit der OIB-Brandschutzrichtlinie eine Harmonisierung geschaffen, die von allen Bundesländern in die Bauordnung aufgenommen wurde. Je nach Gebäudeart und -nutzung müssen so rechtliche Vorgaben und technische Richtlinien unter einen Hut gebracht werden. Die da­raus resultierende Feuerwiderstandsklasse gibt Auskunft über die Dauer, in der die Tür die Ausbreitung des Feuers verhindert.
Soll heißen: Wenn eine Tür beispielsweise mit der Bezeichnung „EI2-30C“ ausgewiesen ist, ist sie für mindestens 30 Minuten feuer- und brandbeständig. Mit der Verschärfung der Normen ab dem Jahr 2000 hatten damit auch viele Tischlereibetriebe das Nachsehen – die Fertigung von Brandschutztüren aus Holz war, auch aufgrund des erhöhten bürokratischen Aufwands, für viele Betriebe nicht mehr realisierbar. Gut, dass das Familienunternehmen Laserer als klassischer Tischlereibetrieb schon auf mehr als 15 Jahre Brandschutzexpertise zurückblicken kann. „Als kompetenter Partner für Architekten, Tischler und Planer entwickeln und produzieren wir Feuerschutztüren und -fenster aus Holz und können dabei detailliert auf die Wünsche unserer Kunden eingehen“, so Alfred Laserer im Gespräch mit dem Tischler Journal. Zum Einsatz kommt dabei modernste CNC-Technik in Kombination mit traditionellem Tischlerhandwerk. Dass der Familienbetrieb aus dem Salzkammergut, der mittlerweile seit mehr als 100 Jahren individuelle Kundenwünsche erfüllt, bei der Ausschreibung des Holztechnikums Kuchl als Brandschutzprofi punkten konnte, freut Laserer besonders: „Dass unser Team bei der Um- und Neugestaltung dieses Vorzeigeprojekts im Land Salzburg seinen Beitrag leisten durfte, ist für uns schon eine Auszeichnung. Schließlich geht es hier genau um das, was auch uns seit mehreren Generationen Tag für Tag begleitet: Die Liebe und das Wissen rund um den massiven und natürlichen Werkstoff Holz.“

Schöner Schutz

In enger Abstimmung mit Architekten und Planern wurden so in zwei Etappen Brandschutztüren und -elemente geplant, gefertigt und verbaut, die sich sehen lassen können. Damit der Schulbetrieb in der Zwischenzeit ungestört weiterlaufen konnte, nutzten die Laserer-Mitarbeiter übrigens die Ferien – innerhalb von 14 Wochen während der Sommer- und Osterferien wurde so das Gebäude brandschutztechnisch mit Türen und Verglasungen ausgestattet. Die moderne Umplanung des Schulgebäudes brachte auch einige Tüfteleien mit sich: „Zum Teil waren recht große Verglasungen geplant – das war technisch schon eine He­rausforderung, damit die Umsetzung auch dem optischen Gesamterscheinungsbild gerecht wird“, erzählt Laserer. „Glücklicherweise können wir hier auf viele Jahre Erfahrung zurückblicken, und individuelle Sonderlösungen sind mittlerweile in unserem Betrieb zum Standard geworden.“ 

Strenge Zertifizierung

Damit nicht nur alles nach Plan abläuft, sondern auch der nötigen Qualitätssicherung standhält, werden alle Produkte einer strengen Zertifizierung unterzogen. „Bei uns werden alle Elemente zum einen schon intern im Werk zertifiziert, hier arbeiten wir in enger Abstimmung mit dem Institut für Brandschutztechnik und Sicherheitsforschung in Linz zusammen“, so Laserer. Und dabei gibt es einiges zu beachten. So sind Feuerschutz­türen im Innenbereich generell mit einer ÜA-Kennzeichnung zu versehen. Feuerschutz­elemente, welche jedoch die Gebäudeaußenhülle (Brandschutzfenster und Brandschutzhaustüren) betreffen, sind seit 2019 hingegen nach europäischen Vorgaben zu zertifizieren und erhalten die sogenannten „CE-Kennzeichnung“. Um diesen gesetzlichen Anforderungen zu entsprechen, müssen die verbauten Einzelkomponenten wie Beschläge, Holzwerkstoffe, Brandschutzlaminate und Brandschutzgläser fachgerecht verbaut werden und zu einem funktionierenden Ganzen zusammengeführt werden.
Sowohl CE-zertifizierte Außentüren als auch ÜA-zertifizierte Innentüren sind im Produktportfolio der Tischlerei Laserer enthalten.

Mit dem Fokus auf individuelle Lösungen können wir Tischlerqualität ­liefern, die sich deutlich von einer industriellen Fertigung abhebt. 

Alfred Laserer, Tischlerei Laserer

Sinnvoll kombiniert

In vielen Fällen sind Brandschutztüren auch mit einer Schallschutzqualifikation versehen – gerade im Ausbildungsbereich macht das natürlich Sinn, damit die Konzentration da bleibt, wo sie sein soll: im Klassenraum. „Die Kombi von Brand- und Schallschutz ist sehr oft gefragt und wurde bereits bei mehreren Projekten umgesetzt – neben dem Holztechnikum Kuchl beispielsweise auch bei der Realisierung der Volksschule in Hallwang“, so Laserer.  Und auch hier zeigte das Unternehmen in einigen Fällen Prüfkompetenz. „Bei durchgeführten Schallprüfungen der Türelemente und Verglasungen im eingebauten Zustand erreichen die Sonderanfertigungen durchaus beachtliche Schalldämmwerte.“ Schließlich gibt es – wie sollte es auch anders sein – viele Normen zu geltenden Schalldämmwerten, die einzuhalten sind. Auch hier kann der Tischlereibetrieb mit der entsprechenden Expertise punkten. Apropos Expertise: Davon profitieren auch andere Tischlerkollegen, denn durch die jahrelange Erfahrung liefert der Familienbetrieb zertifizierte und individuell gefertigte Türen und Fenster auch an andere Tischlereien – und das in Losgröße 1. „Bei uns ist jedes Stück ein Unikat, und das zu einem vernünftigen Preis. Mit dem Fokus auf individuelle Lösungen können wir Tischlerqualität liefern, die sich deutlich von einer industriellen Fertigung abhebt.“

Einzelkomponenten wie Beschläge, Holzwerkstoffe, Brandschutzlaminate und Brandschutzgläser wurden fachgerecht verbaut.

Feuerschutztüren

Alle Anforderungen auf einen Blick
• Türblatt und Zarge inklusive Beschläge müssen ÜA- bzw. CE-zertifiziert sein
• Brandschutztüren müssen selbsttätig  schließen (Ausnahme: Wohnungstüren, Schachttüren und Hotelzimmertüren)
• Automatische Schließfolgeeinrichtung bei zweiflügeligen Türen
• Türfeststelleinrichtungen nur in Verbindung mit Brandmeldeanlagen möglich
• Funktion der Brandschutztüren sind regelmäßig zu prüfen und zu warten

Branchen
Tischler