Philosophieren in Holz

Holzmodulbau
01.10.2014

 

Mit dem ersten Spanplattenwerk in St. Johann in Tirol legte Fritz Egger sen. 1961 den Grundstein für die Egger-Gruppe. Am Standort des Stammwerks entsteht zurzeit nach den Plänen des Tiroler Architekten Bruno Moser ein neues Verwaltungsgebäude in Holzwerkstoffen aus eigener Fertigung.  

Verwaltung St. Johann Pongau

Unter dem Motto „Wir machen mehr aus Holz“ produziert das Familienunternehmen Egger derzeit europaweit an 17 Standorten, darunter drei in Österreich. 2008 hatte man zur Errichtung eines Verwaltungsgebäudes in Rumänien einen geladenen Wettbewerb ausgeschrieben, den der Breitenbacher Architekt Bruno Moser gewann. Seine Grundidee war es, vorgefertigte Module aus Eggerprodukten mit einem Grundmaß von 2,8 Metern einzusetzen, die transportfähig, nachhaltig und zu großen Räumen zusammenfügbar sind. 
Für das 2010 fertiggestellte Rumänienprojekt wurden mehr als 80 Lkws mit vorfabrizierten Modulen an den rumänischen Standort gebracht und vor Ort zusammengebaut; zuvor war jedoch probeweise ein Eine-zu-eins-Modell in St. Johann aufgestellt worden. Dank dieser klugen, zeit- und kostensparenden Vorgangsweise entwickelte sich zwischen Bauherr und Architekt eine kontinuierliche Zusammenarbeit, die sich bisher in zwei weiteren Neubauten in Brilon und Unterradelberg und einer Aufstockung in Wismar niedergeschlagen hat. Und jedes Mal wurde die Grundidee weiter verbessert und verfeinert. 

Auf der grünen Wiese

Das neue Verwaltungsgebäude in St. Johann in Tirol, situiert auf der grünen Wiese am Rande der ausgedehnten Produktionsstätten, besetzt eine Grundfläche von 2.500 Quadratmetern. Es besteht aus zwei orthogonalen, viergeschoßigen Baukörpern, die über ein glasüberdachtes Atrium miteinander verbunden werden. Was sich formal an die traditionelle Stahlbetonbauweise anlehnt, besteht aus hellen OSB-Top-4-Platten, aneinandergereiht in vorgefertigten Modulen im Ausmaß von 2,80 x 11,40 Metern. Die beiden Gebäudeteile addieren sich aus ebensolchen Modulen zu einer Gesamtlänge von zirka 60 Metern und einer Breite von etwa 8,5 Metern. Das 2,80-Meter-Modul bestimmt auch die Raumhöhe. Das Atrium hat eine Breite von vier Modulen und damit knapp elf Metern. Wegen der Schneelast wird es von sechs massiven Holzträgern überspannt, in die das Glas eingepasst wird.

Holz als konstruktives Element

Nur die Tiefgarage mit 36 Stellplätzen ist betoniert, überall sonst sind als Baumaterialien Glas und OSB-Platten im Ausmaß von 1.150 Kubikmeter Holz im Einsatz. Diese miteinander verschraubten Platten sind das konstruktive Element des Wandaufbaus. Er besteht aus 28 Zentimeter starken Stehern aus Schichtholz, an denen innen und außen OSB-Platten mit einer Dicke von etwa drei Zentimetern aufgebracht sind. Der Luftzwischenraum dient als Wärmedämmung. Am Dach sind die Deckenelemente aufgelattet. Die Erschließung für alle Ebenen erfolgt im Atrium über eine aus OSB-Platten zusammengeleimte selbsttragende Treppe.

Nachhaltig und ressourcenschonend

Die komplexe Haustechnik ist in vier von Holzbau Saurer vorgefertigten Schichten im Boden eingelassen. Auf einer statisch tragenden OSB-Top-4-Platte wird eine Schüttung Kies als Schallschutz aufgebracht, in der darüberliegenden Schicht werden zwischen verleimten Deckenrippen die verschiedene Leitungen für die Haustechnik – Heizung, Lüftung, Kühlung – geführt. Energie liefert das werkseigene Biomassekraftwerk. Nur für die Datenkabel unter den Schreibtischen sind die Bodenbretter zu öffnen.
Neben dem Mitarbeiterrestaurant mit 220 Sitzplätzen sind alle Geschoße zur Nutzung als Büroflächen vorgesehen. Sie bieten Platz für 276 Arbeit- und 48 Schulungsplätze, allerdings nicht auf Großraumbüros verteilt. Glas und halbhohe Büroschränke werden hier zum trennenden Element, die durch den Raum mäandern, wobei wiederum das kleinste Büro ein Modul von 2,8 x  5 Meter umfasst. Pfeiler aus Schichtholz dienen zur Aussteifung. Wände und Decken sind weiß lasiert. Belichtet werden die Räume über das Atrium und die beiden verglasten Schmalseiten. Leichte Stahlträger an den beiden Glasfronten nehmen die Last vom Dreifachisolierglas. Nach unergiebigen Erfahrungen mit verschiedenen Screens ist man beim Sonnenschutz zu Raffstores zurückgekehrt. Die Fassadengliederung erfolgt mittels vertikaler Lärchenholzlattung und einer umlaufenden Kupferblende.

Exakt geplant

Die umlaufenden Balkone in jedem Geschoß mit der Breite eines halben Moduls (1,40 Meter) dienen der Wartung ebenso wie dem Sonnenschutz. Mit integrierten Fassadensprinkleranlagen sind sie auch Teil des Brandschutzkonzepts, dem auch die beiden Fluchtstiegen zuzurechnen sind. Die Brandabschnitte sind großzügig berechnet: einerseits das gesamte Erdgeschoß, andererseits jeder Bauteil extra. Brandschutzkonzepte von Dehne & Kruse haben alle bisherigen Projekte begleitet. 
Dank der sehr exakten Architektenplanung, die sich an den Vorgängerprojekten orientiert, bleibt kaum Entscheidungsspielraum auf der Baustelle. „Eigentlich“, glaubt der Architekt, „könnte die Bauzeit noch weiter verkürzt werden, doch die Kapazitäten der beteiligten Firmen reichen dazu nicht aus.“

Autor: Gretl Köfler

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