Silhouettenzauber

21.01.2013

Von: Redaktion Dach Wand

Von Kopf bis Fuß aus Lärchenholz – das Sommerhaus im Südburgenland zeichnet mit seiner markanten Silhouette den Archetypus eines Hauses nach.

Von Kopf bis Fuß aus Lärchenholz – das Sommerhaus im Südburgenland zeichnet mit seiner markanten Silhouette den Archetypus eines Hauses nach.

Text: Barbara Jahn

Im südburgenländischen Deutsch Tschantschendorf gehen die Uhren ein wenig anders. Beschaulichkeit und Ursprünglichkeit sind hier zu Hause, zwei wesentliche Parameter, die die junge Architektin Judith Benzer in einem ihrer jüngsten Projekte einzubinden und umzusetzen wusste. Sie entwarf ein kompaktes Sommerhaus aus Holz, dessen scharfkantige Silhouette sich gleichzeitig harmonisch in die Landschaft einfügt und sich doch wiederum davon stark abhebt. Das gesamte Erscheinungsbild wirkt beim Hinsehen wie die klassische Interpretation einer Strichzeichnung, ein Gebäude wie der Inbegriff minimalistischer Reduktion, bei näherer Betrachtung jedoch treten die vielen kleinen und klugen Details zutage, die dem Haus zu seinem besonderen Reiz verhelfen. Die gestalterische Anlehnung an das für das Südburgenland typische Kellerstöckel ist dabei nicht zu übersehen.

Winterschlaf. Die Außenhaut des Hauses, das in erster Linie als Sommerhaus genutzt, aber auch später um einen Weinkeller mit eigener Produktion erweitert werden soll, wurde vollkommen homogen ausgeführt, sprich Dach und Fassade sind sozusagen aus einem Guss. Form und Farbe verleihen dabei dem Projekt eine außergewöhnliche Leichtigkeit. Während das Kellergeschoß, das bereits für Weinlagerung und Produktion vorbereitet ist, in Stahlbeton-Massivbauweise ausgeführt wurde, so sind Erdgeschoß und Obergeschoß – die reinen Wohnzwecken dienen – als reiner Holzbau errichtet. Dabei wurden neben den Kreuzlagenholzelementen in Wohnsichtqualität, die sowohl eine statische als auch eine gestaltende Funktion übernehmen, auch Sichtbeton und Stahl eingesetzt, die allesamt bewusst roh belassen wurden. Darüber stülpt sich nun eine robuste Hülle aus gehobeltem, unbehandeltem Lärchenrost, die auch den rauen Bedingungen des Winters trotzt, in dem das Haus unbewohnt bleibt. Um das Gebäude wirklich winterfest zu machen, kann man die Klapp- und Faltläden an der Fassade, die in geschlossenem Zustand bündig mit der Fassade und ebenfalls mit Rhombenschalung belegt sind, mit der Hülle verschmelzen lassen, fest und dicht abschließen.

Sommerfrische. In der warmen Jahreshälfte wird alles wieder herausgeklappt: Die horizontalen Fensterläden und der Eingang werden hochgehievt und bilden gleichzeitig ein elegantes Verschattungselement für die vorgelagerte Terrasse, die ebenfalls aus Lärchenrost formuliert wurde. Auf der anderen Seite treten die Fensterläden – diesmal in vertikaler Richtung – elegant zur Seite, um die Aussicht in eine Landschaft voller Horizonte freizumachen. Die mit dem speziellen Klappmechanismus versehenen Gebäudeelemente wirken auch als Schutzmaßnahme vor sommerlicher Überwärmung, indem die Hülle komplett verschließbar ist. In geschlossenem Zustand kommt insbesondere die Reduktion auf ein einziges Material zur Geltung, das von seiner natürlichen Beschaffenheit geprägt ist und die Form des Projekts als Archetypus des Wohnhauses einmal mehr unterstreicht. Lediglich die scharfen Kanten der Kubatur werden durch Eckbleche aus Kupfer ausgebildet, die sich jedoch farblich komplett dem Rest der Gebäudehaut unterordnen. Das Sommerhaus im Burgenland von Judith Benzer wurde mit dem Burgenländischen Holzbaupreis 2012 ausgezeichnet.

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