Interview

Dachdecker, Spengler, Glaser: „Branchen wachsen zusammen"

Bundesinnung
17.02.2021

Im November 2020 wurde der neue Vorstand der Bundesinnung der Dachdecker, Glaser und Spengler gewählt. Im Interview erzählt das neue Team von seinen Zielen und den Plänen zur Unterstützung der Mitgliedsbetriebe.

Welche mittel- bzw. langfristigen Ziele hat sich das neue Team der Bundesinnung gesetzt?

Walter Stackler: Zuallererst wollen wir uns Schritt für Schritt mit Offenheit, Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit das Vertrauen aller Mitglieder erarbeiten. Denn nur gemeinsam können wir erfolgreich sein. Dazu zählt auch, dass wir einzelne Stärken bündeln, gemeinsam auftreten und Interessen gemeinsam umsetzen. Die Verbesserung der Kommunikation mit den Bundesländern, aber auch die Kommunikation mit dem deutschsprachigen Ausland soll intensiviert werden. Einzelkämpfertum ist kontraproduktiv und nicht mehr zeitgemäß. Durch ein verbessertes Zusammenspiel zwischen den einzelnen Landesinnungen bzw. zwischen der „neuen“ Bundesinnung und den Landesinnungen können ja auch Synergien besser genutzt werden.

Der neue Vorstand der Bundesinnung der Dachdecker, Glaser und Spengler: Bundesinnungsmeister Walter Stackler (Mitte), BIM-Stv. Alexander Eppler (links) und BIM-Stv. Roman Moosbrugger.

Wie soll das gelingen?

Alexander Eppler: Wir sehen im Konzept der Kompetenzbündelung die Zukunft. Dieses Konzept besteht aus übersichtlichen Eckpfeilern. Erstens: Die Bundesinnung soll künftig den Ländern als Koordinations- und Schnittstelle mit Service-Charakter zur Verfügung stehen. Zweitens: Die Bundesinnung macht den Ländern keine Vorgaben. Vielmehr sollte eine funktionstüchtige Bundesinnung die Länder in ihren Innungsarbeiten unterstützen, ihnen nötige Hilfestellung bieten, um nicht zuletzt als positive Interessensvertretung wahrgenommen zu werden. Drittens: Durch den Fokus auf „Kompetenz“ werden nunmehr jene Themen, die gewählten Funktionären der jeweiligen Berufsgruppe wichtig erscheinen, auch nur von den Vertretern dieser Berufsgruppe bearbeitet werden. Viertens: In den Ausschüssen, Arbeitskreisen wie z. B. Normen oder LBH sollen nur mehr Experten sitzen, die für ALLE Branchen etwas tun und ihre Arbeit somit optimieren, ganz im Sinne der gewünschten Synergieeffekte. Fünftens: Vor allem im sogenannten DACHS-Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz, Südtirol) soll die internationale Vernetzung forciert und Ergebnisse internationaler Sitzungen, die Auswirkungen auf Österreich haben, transparent allen Innungen bzw. Mitgliedern kommuniziert werden. Das betrifft z. B. auch die IFD-Agenden, die aktiv wahrgenommen werden sollen. Die Bundesinnung ist ja Mitglied.

Welche konkreten Schritte sind für die Umsetzung dieser Kompetenzbündelung einerseits und Dezentralisierung andererseits geplant?

Walter Stackler: Die Bundesinnung soll in definierte Aufgabenbereiche (z. B. Normen, LBH) aufgeteilt werden, jeweils ein Gruppensprecher verantwortet die Umsetzung. Die Gremien der Bundesinnung beschließen gemeinschaftlich, welche Themen künftig wichtig für die Branche sind und clustern diese Aufgaben in Arbeitskreise, Stichwort Kompetenzbündelung. In der Bundesinnung laufen diese Ergebnisse schließlich zusammen, die dann – Stichwort Transparenz – zügig vom Bundesinnungsmeister an alle anderen Landesinnungen weitergegeben werden. Unterstützt wird diese Vorgangsweise durch regelmäßig stattfindende Landesinnungsmeister-Treffen im Rahmen der Bundesinnung.

In welchen Vorhaben sollen diese mittel- bzw. langfristigen Ziele für die Mitglieder abgebildet werden?

Roman Moosbrugger: Wir wollen die Berufsbilder der DGS bekannter und populärer machen und so den Nachwuchs sichern und Fachkräftemangel beheben. Dazu gehört auch, die Qualifikationsniveaus in den Berufen zu sichern und die Digitalisierung in den beruflichen Alltag zu integrieren. Gemeinsame Werbeaktionen und eine gemeinsame Pressearbeit sollen zeigen, was es bereits alles schon gibt und das Beste aus allen Aktivitäten zusammenfügen. Der Dachdecker/Glaser/Spengler-Award als jährlicher Höhepunkt unserer Berufsgruppen soll einer dieser Aktivitäten sein. Natürlich werden wir auch daran arbeiten, funktionierende Rahmenbedingungen für die wirtschaftliche Entwicklung unserer Mitglieder zu schaffen, z. B. digitale Kompetenzzentren für Kleinbetriebe oder auch überbetriebliche Lehrgänge zur Verfügung zu stellen.

Da durch das Herunterfahren des öffentlichen Lebens und der Konsumzurückhaltung starke Umsatzeinbrüche bzw. Auftragsrückgänge zu erwarten sind, fordern wir weitere Maßnahmen, die unsere Betriebe rasch und unbürokratisch unterstützen.

Bundesinnungsmeister Walter Stackler

Die aktuelle Situation ist für viele Branchen eine große Herausforderung. Welche Schritte setzt das neue Bundesinnungsteam, um die Mitglieder bestmöglich zu unterstützen

Walter Stackler: Da unsere Branchen nicht von Schließungen betroffen waren, sind wir bis jetzt mit den Maßnahmen der Regierung einigermaßen gut zurechtgekommen. Da aber durch das Herunterfahren des öffentlichen Lebens und der Konsumzurückhaltung starke Umsatzeinbrüche bzw. Auftragsrückgänge zu erwarten sind, fordern wir weitere Maßnahmen, die unsere Betriebe rasch und unbürokratisch unterstützen. So wäre eine Wiedereinführung des Handwerkerbonus auf Renovierungs- und Modernisierungsarbeiten von Wohnungen oder Wohnhäusern eine große Erleichterung für unsere Betriebe. Das forcieren wir in den entsprechenden Gremien sehr deutlich. Insgesamt möchten wir uns stark machen für „weniger Bürokratie – mehr Handwerk“ und solche sowie andere Neuigkeiten zügig an unsere Mitgliederbetriebe kommunizieren.

Wenn Sie einen Blick in ihre jeweilige Branche – Dachdecker, Glaser, Spengler – werfen, wie sehen Sie die Entwicklungen in Ihrer Branche und welche Perspektiven bzw. Herausforderungen und Chancen sehen Sie für die kommenden Jahre?

Walter Stackler: Für die Glaser wird es in Zukunft sehr viele Herausforderungen geben. Die Branche muss sich heute mehr denn je mit der Vermarktung der Produkte und Dienstleistungen auseinandersetzen. Wir werden als Innung unsere Mitglieder bei allen aktuellen und künftigen Entwicklungen unterstützen und die damit verbundenen Herausforderungen gemeinsam meistern. Wir Glaser können aber auch in diesen turbulenten Zeiten optimistisch in die Zukunft blicken, da Glas in der modernen Architektur nicht mehr wegzudenken ist.

Roman Moosbrugger: Handwerk ist und hat Zukunft, nicht nur, weil es krisensicher ist, das hat ja die laufende Pandemie ganz deutlich gezeigt! Wichtig ist für unsere Branche, den Stellenwert, die Wichtigkeit des Handwerks aufzuzeigen und zu leben. Denn, arbeiten mit Hand, Herz und Hirn, das können nur die Handwerker!

Alexander Eppler: Das Zusammenwachsen der Dachbranchen – also Dachdecker, Spengler und Bauwerksabdichter – wird von den Kunden immer mehr verlangt und auch nachgefragt. Für diese Entwicklung wird man sich in Zukunft entsprechend aufstellen müssen. Der anhaltende Trend des Generalunternehmers – sprich: der Endkunde will nur mehr eine (Bau)Firma beauftragen, die alle Arbeiten anbietet – verdrängt einerseits den Dachhandwerker als Direktanbieter und wird so nur mehr zum Sub-Beauftragten eines GU. Das bedeutet, dass jene Betriebe, die z. B. reine Dachdecker, Spengler oder Schwarzdecker sind, einen Wettbewerbsnachteil haben werden.

Was bedeutet das konkret in der Praxis der Dachhandwerker?

Alexander Eppler: Wir müssen aufhören, in der Vergangenheit zu leben und zu glauben, als Einzelner über die Runden zu kommen. Da müssen sicher einige Kollegen über ihren Schatten springen, sonst bleiben sie über. Aber am Ende steht der umfassende Dachhandwerker! Hier wird es meines Erachtens nach ins Modulare gehen, auch und vor allem schon bei der Ausbildung, wie es z. B. bei den Installations- und Gebäudetechnikern schon passiert: Die Ausbildung besteht aus einem zweijährigen Grundmodul und einem einjährigen, aus drei verschiedenen Schwerpunkten wählbaren Hauptmodul. Im Anschluss kann man noch ein zusätzliches Hauptmodul oder eines von vier Spezialmodulen anhängen, wodurch sich die Lehrzeit um ein Jahr verlängert. Aber das ist ein Thema, mit dem wir uns in den nächsten Jahren in den Gremien beschäftigen müssen. Wenn man realistisch in die Zukunft blickt, kann man erkennen, dass es eine Gesamtsicht der Dinge geben muss.

Interview: Erika Hofbauer, Birgit Tegtbauer

Branchen
Dach + WandGlas