Leitfaden

Für faire Vergaben auf der Baustelle

Vergabe
01.09.2021

Von: Redaktion Bauzeitung
Aktualisiert am 07.09.2021

Die Vereinigung Österreichischer Projektentwickler und die Gewerkschaft Bau-Holz präsentierten einen Leitfaden für faire Vergaben.

Erwin ­Soravia, Präsident der Vöpe, und GBH-Bundesvorsitzender Josef Muchitsch (r.)präsentieren den Leit­faden für faire Vergaben: Regionalität, Lehrlingsausbildung und faire Arbeitsbedingungen stehen im Fokus.

 Die Vereinigung Österreichischer Projektentwickler (Vöpe) und die Gewerkschaft Bau-Holz (GBH) erstellten unter Mitwirkung der Vergabeexperten von Heid & Partner einen Leit­faden mit Vergaberichtlinien, Vergabebeispielen und Bewertungssystemen, der von den Vöpe-Mitgliedern als Hilfestellung und Grundlage für zukünftige faire Ausschreibungen und Vergaben angewandt wird. 
"Durch unsere Branche werden 9,7 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung generiert sowie 98.000 Arbeitsplätze gesichert", stellt Erwin Soravia, Präsident der Vöpe, fest. "Wir sind bestrebt, uns im Sinne der Nachhaltigkeit laufend zu verbessern und faire, transparente und korrekte Geschäftsbeziehungen auszubauen." Zur Umsetzung dieser Ziele hat man deswegen die "Compliance- und Verhaltensricht­linie für Vöpe-Mitglieder" erstellt, zu deren Einhaltung man sich verpflichtet habe. In Zusammenarbeit mit der GBH hat die Vöpe die Thematik der verantwortungsvollen Vergaben nun weiterentwickelt. "Wir Privaten machen somit das, was die öffentliche Hand längst tun sollte: darauf zu achten, dass die Wertschöpfung in der Region bleibt, damit der Wirtschaft Impulse gegeben und Ausbildungs- und Arbeitsplätze gesichert werden," sagt Vöpe-Präsident Erwin Soravia weiters. Für GBH-Bundesvorsitzenden Josef Muchitsch ist der neue Leitfaden ein Zeichen für Weitblick und Courage: "Die österreichischen Projektentwickler leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung von Lohn- und Sozialdumping, forcieren die Fachkräfteausbildung und setzen weitere Schritte für faire Baustellen. Und auch der Klimaschutz wird bei den neuen Vergabekriterien noch stärker berücksichtigt." Man habe als Gewerkschaft Bau-Holz unkompliziert und zielorientiert bei der Ausarbeitung die Chance zur Mitgestaltung bekommen, was man als funktionierende Partnerschaft empfand. Die Vergaberichtlinie umfasst drei wichtige Leitsätze, die auf praktischen Erfahrungen zur Gewährleistung von fairen Arbeitsbedingungen und hochqualitativen, nachhaltigen und regionalen ­fairen Vergaben beruhen.

Oberstes Prinzip – faire ­Arbeits­bedingungen

Auftragnehmer verpflichten sich zu fairen Arbeits­zeiten und einer fairen Entlohnung. Damit ­verbunden ist die Einhaltung der in Österreich ­geltenden arbeits- und sozialrechtlichen Vorschriften und Branchenstandards. Um volle Transparenz bei den Ver­gaben gewährleisten zu können, werden auch Subunternehmer (ab einer Auftragssumme von 100.000 Euro) in der Baustellendatenbank der Bauarbeiter-Urlaubs- und Abfertigungskasse gemeldet werden.

Lehrlingsausbildung als Kriterium bei Vergaben

Um die Fachkräfteausbildung in Österreich zu unterstützen, wird die Beschäftigung von Lehrlingen bei den Auftragnehmern im Vergabeverfahren stärker berücksichtigt und bewertet werden. 

Die Wertschöpfung soll in Österreich bleiben

 Regionale Unternehmen, nachhaltige Produkte und Klimaschutz werden beim Zuschlag bestmöglich berücksichtigt und bewertet. Klimaschutz, die Gesundheit und Sicherheit der Arbeitnehmer*innen stehen bei den Auftragsvergaben positiv im Vordergrund. Dabei wird auch die Länge der Transportwege zur Baustelle berücksichtigt, und die Herkunft und Produktionsweise der Produkte werden transparent dargestellt. (uw)

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