Nachhaltigkeit: Investition in die Zukunft

Ressourcenschonendes Arbeiten im Tischlereibetrieb bietet enormes Einsparpotenzial und sorgt für nachhaltiges Wirtschaften. Ein Großteil der Maßnahmen in KMU wird dabei intensiv gefördert.

02.05.2018
Nachhaltigkeit
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Ressourcenschonendes Arbeiten im Tischlereibetrieb sorgt für nachhaltiges Wirtschaften.

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„Sich mit Förderungen im Bereich Umwelt und Ressourcenoptimierung auseinanderzusetzen, zahlt sich auch für den Kleinbetrieb voll aus", sagt Manuela Krendl von der WK NÖ.

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„Ein Umstieg bietet ein­fach enorm viele Vorteile – gerade in Zeiten, in denen Ressourcen im Energiebereich immer knapper werden", so Geschäftsführer der Tischlerei Prödl, Matthias Prödl.

Erneuerbare Energieanlagen, effiziente Energienutzung, innovative Abfallbewirtschaftung: Die Möglichkeiten, im eigenen Betrieb ressourcenoptimiert und nachhaltig zu wirtschaften, sind mittlerweile enorm. Dabei kann man schon einmal den Überblick verlieren, zumal viele Investitionen aus unterschiedlichen Fördertöpfen subventioniert werden. Oder aber, weil einige Förderungen für Klein- und Mittelbetriebe im Gewerbe und Handwerk oft zu groß erscheinen, um in Anspruch genommen werden zu können.

Manuela Krendl von der Abteilung Umwelt, Technik und Innovation der Wirtschaftskammer Niederösterreich gibt Entwarnung: „Sich mit Förderungen im Bereich Umwelt und Ressourcenoptimierung auseinanderzusetzen, zahlt sich auch für den Kleinbetrieb voll aus.“ Vor allem, weil Investitionen oft nicht an der Betriebsgröße, sondern an den potenziellen Einsparmöglichkeiten gemessen werden.

Keine Angst also vor dem Förder­dschungel, schließlich gibt es zahlreiche Ansprechpartner und Beratungsstellen, die mit Rat und Tat zur Seite stehen, erste Fragen beantworten und in der Regel auch dann hilfreich sind, wenn es darum geht, konkrete Schritte zur Umsetzung einzuleiten. 

Mehr Awareness!

So wie beispielsweise die Ökologische Betriebsberatung, die vom Land NÖ, der WKNÖ sowie bei den Themen Energie und Mobilität auch von der Europäischen Union gefördert wird. 
„Ein absolutes Highlight und einzigartig in Österreich sind aktuell unsere Awarenessberatungen und Schwerpunktberatungen zu den Themenfeldern Erneuerbare Energie, Energieeffizienz und Mobilität“, skizziert Krendl.

Dank der EU-Kofinanzierung können Betriebe so eine zu 100 Prozent kofinanzierte und bis zu achtstündige „Basis“-Beratung in Anspruch nehmen. Ist diese erfolgreich und zeigt genügend Einsparpotenzial im Betrieb, können im Anschluss im Rahmen der bis zu 40-stündigen Schwerpunktberatung mit einem Energieexperten ausgewählte Maßnahmen in die Umsetzung gebracht werden.

Die Berater helfen hier nicht nur bei technischen Fragen, sondern informieren und begleiten auch bei infrage kommenden Förderungen. „Damit stehen die Betriebe bei der Umsetzung ihrer Vorhaben nicht alleine da und werden genau da unterstützt, wo es für den Betrieb am sinnvollsten ist.“ 
Für Betriebe, die nicht nur punktuelle Maßnahmen setzen möchten, sondern beispielsweise ein Umweltmanagementsystem à la Emas oder Iso 14001 einführen wollen, gibt es im Rahmen des Ökomanagements maßgeschneiderte Beratungsunterstützung. Hier werden bis zu 20 Beratungstage gefördert.

Last, but not least stellt das Land NÖ bei vielen Förderschwerpunkten des Bundes im Rahmen der Betrieblichen Umweltförderung eine Anschlussförderung bereit. Im Rahmen der Förderung werden Investitionen in Anlagegüter unterstützt, die überwiegend dem Schutz der Umwelt vor betrieblichen Emissionen dienen. 
Eine separate Einreichung ist dabei nicht erforderlich – die Antragstellung erfolgt ganz unbürokratisch via online-Formular.

Umfassend beraten

Als zentrale Bundesförderstelle für alle betrieblichen Umweltinvestitionen ist die Kommunalkredit Public Consulting – kurz KPC – einer der wichtigsten Ansprechpartner. „Für sehr viele Umwelt-Projekte gibt es hier einmalige nicht rückzahlbare Investitionskostenzuschüsse“, erklärt Krendl weiter. „Wichtig ist: jedenfalls vor Umsetzung von einzelnen Maßnahmen, die Förderlandschaft zu screenen, da in den meisten Fällen eine Fördereinreichung im Vorfeld zu erfolgen hat.“ 

Ein Beispiel, wie innovative Projekte im Betrieb gefördert werden können, zeigt die Umsetzung von Energiesparmaßnahmen in der Tichlerei Krumböck. Mit einem kompletten Neubau im Jahr 2012 hat das Unternehmen mit Sitz in Gerersdorf aktiv in den Bereich Ressourcenoptimierung investiert. Der Tischlereibetrieb mit gut 50 Mitarbeitern hat sich dabei vor allem auf den Bereich Wärmerückgewinnung konzentriert. Dabei wird die warme Luft, die in der Lackiererei entsteht, abgesaugt und damit die angesaugte neue Luft erwärmt.

Volle Unterstützung hat sich der Handwerksbetrieb dabei vom oberösterreichischen Luft- und Umwelttechnikprofi Scheuch geholt. „Die Realisierung der Anlage zur Wärmerückgewinnung schlägt sich bei uns im Haus durch eine deutliche Heizkostenersparnis nieder“, erläutert Geschäftsführer Helmut Krumböck. Im Bereich Stromversorgung setzen die Krumböcks weiterhin auf die klassische Variante: „Wir hätten zwar die Voraussetzungen für eine Photovoltaik-Anlage, allerdings gab es zum Zeitpunkt unseres Neubaus keine passende Förderung. Wenn der Strom in Zukunft teurer wird und die Rahmenbedingungen passen, kann aber auch das unter Umständen eine gute Alternative sein.“ 

Grün im Herz

Auch die Steiermark hat in Sachen Landesförderung einiges zu bieten: so schafft die Steirische Wirtschaftsförderungsgesellschaft (SFG) mit zahlreichen Förderprogrammen Anreize zur individuellen Umsetzung von Projekten in den Betrieben. Unterstützt werden dadurch beispielsweise im Rahmen des Förderprogramms „Wachstums!Schritt“ Bauprojekte ebenso wie der Ankauf von Maschinen, Betriebs- und Geschäftsausstattung oder auch Patente für kleinste, kleine und mittlere Unternehmen.

Im Rahmen der Wirtschaftsinitiative Nachhaltigkeit werden aber auch geförderte Betriebsberatungen zu den Themkomplexen nachhaltige Unternehmensführung, nachhaltige Umweltmanagementsysteme sowie Produktschutz und prozessintegrierter Umwelt- und Klimaschutz. Als steirischer Vorzeigebetrieb hat sich auch die Tischlerei Prödl mit Sitz in Kirchberg an der Raab besonders mit dem Thema Umweltmanagement und Ressourcenoptimierung auseinandergesetzt. 

Blick über den Tellerrand

Matthias Prödl hat sich dazu schon vor einigen Jahren einen externen Energiemanager ins Haus geholt, um zu ermitteln, wo man im Bereich Energieeffizienz am besten ansetzen kann. „Für uns war es damals wesentlich, die wichtigsten Faktoren gemeinsam herauszuarbeiten: Woher kommt unser Strom? Wie stellt sich das Preis-Leistungsverhältnis dar? Wie sinnvoll ist der Umstieg auf ökologische Alternativen? Woher beziehe ich die passende Förderung?

Dabei ist uns klar geworden, dass der Fokus auf regionale Partner für unser Wirtschaften enorm wichtig ist“, so Prödl im Gespräch mit dem Tischler Journal. „Der Zeitpunkt war damals perfekt.“ Der Betrieb betreibt neben einer Photovoltaik-Anlage zur Umwandlung von Sonnenstrahlen in elektrische Energie zusätzlich ein Heizsystem, das durch den Abfall von Holzresten betrieben wird. „Je nach Witterung schaffen wir damit circa jeden zweiten Winter, unseren Betrieb komplett zu heizen“, erklärt Prödl. 

Voller Nutzen

Aber ab wann rechnen sich Investitionen in dieser Größenordnung wirklich? Der steirische Tischlereibetrieb hat sich alleine durch die Umstellung auf die Photovoltaik­anlage einiges erspart. „Zusätzlich verdienen wir weiterhin mit der Anlage, weil wir auch Strom ins System einspeisen“, so Prödl. Damit der grüne Stromlieferant am Dach auch gut funktioniert, muss allerdings einiges beachtet werden: „Die Anlage muss einmal jährlich von Staub und Schmutz befreit werden. Das kostet zwar, rechnet sich aber langfristig.“ Und für Prödl ist klar: Die Technologie rechnet sich auch im Kleinbetrieb.

„Ein Umstieg bietet einfach enorm viele Vorteile – gerade in Zeiten, in denen Ressourcen im Energiebereich immer knapper werden. Zusätzlich sind wir im Bereich Heizen autark und können übers Jahr gesehen bis zur Hälfte unseres Strombedarfs selber erzeugen.“ Apropos Strombedarf: Hier lohnt sich ein genauer Blick auf die „kleinen“ Stromfresser, wie zum Beispiel Leuchtmittel. Sie sind schnell ausgetauscht und schlagen sich im Energiebedarf nicht unwesentlich nieder. Und für Matthias Prödl ist klar: Wenn man 
mit offenem Blick den eigenen Betrieb betrachtet, gibt es immer wieder Einsparpotenzial. 

Förderungen

Wer, wo, was, wann?
Welche Investitionen in welcher Höhe gefördert werden, hängt in der Regel stark von den einzelnen Budgettöpfen in den Ländern ab.

Auf Bundesebene ist die Kommunalkredit Ansprechpartner für Förderungen rund um Strom, Wasser, Energiesparen, Mobilitätsmanagement und Co. Die Website ist recht übersichtlich nach Themenblöcken strukturiert: www.umweltfoerderung.at. Zusätzlich bieten meist die Bundesländer noch zusätzliche Förderungen für unterschiedliche Bereiche – hier kann unter anderem die zuständige Wirtschaftskammer ein erster guter Ansprechpartner sein. Auf den Serviceseiten von wko.at findet man unter „Themen – Umwelt & Energie – Erneuerbare Energien und Ökostrom“ eine Übersicht zur betrieblichen Umweltförderung in den Bundesländern inklusive kurzer Beschreibung der Programme und zu den direkten Ansprechpartnern. www.wko.at 

PV-Förderungen: Umfangreiche Informationen rund um das Thema Photovoltaik: 
www.pvaustria.at

Beispiel NÖ:
Ökologische Betriebsberatung: 
www.wko.at
Geförderte Beratungen für umfassendere Umweltthemen wie Einführung von Managementsystemen: www.oekomanagement.at 
Betriebliche Umweltförderung des Landes NÖ: www.noe.gv.at 

Beispiel Steiermark:
Steirische Wirtschaftsförderungsgesellschaft (SFG) mit zahlreichen Förderprogrammen: www.sfg.at
Wirtschaftsinitiative Nachhaltigkeit: www.win.steiermark.at

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