Social-Media-Guide

10 Tipps für Ihren Social-Media-Auftritt

Social Media
28.04.2021

In der Baubranche spielt Social Media noch immer ein eher untergeordnetes Thema. Dadurch vergeben sich KMUs aus Handwerk und Bau jedoch viele Chance. Wir verraten Ihnen, was Sie für einen erfolgreichen Social-Media-Auftritt benötigen.

In Zeiten von Corona und Social Distancing kann Kundenbindung eine zusätzliche Herausforderung darstellen. Digitale Kommunikationskanäle wie Social Media können dabei eine sinnvolle Unterstützung darstellen. Mehr noch - seit dem Start von Facebook 2004 ist eine professionelle Präsenz in den sozialen Medien für Unternehmen sogar Teil des eigenen Brandings geworden. Große Firmen leisten sich eigene Abteilungen oder professionelle Social-Media-Agenturen, um potenzielle Kunden für den Betrieb anzusprechen. Auch in der Baubranche haben vor allem Hersteller die sozialen Netzwerke als Marketing- und Kundenbindungsinstrument erkannt.

Für kleinere Bauunternehmen oder Handwerksbetriebe läuft die Präsenz auf digitalen Plattformen meist neben dem Alltagsgeschäft. Dabei bergen vor allem Nischen und eine gute Strategie viel Potenzial.

Bauzeitungsumfrage zur Social-Media-Nutzung

Nutzen Sie bzw. Ihr Unternehmen Social-Media-Kanäle zur Kundenbindung oder
für Marketingzwecke?

44,7 % Ja, unser Unternehmen ist auf mehreren Kanälen aktiv.

23,7 % Unser Unternehmen ist in den sozialen Medien präsent, aber nicht wirklich aktiv.

21,1 % Nein, überhaupt nicht.

10,5 % Ich nutze Social-Media-Kanäle als Einzelperson zum beruflichen Netzwerken.

Der Social-Media-Auftritt muss geplant werden

Social Media ist „neuer Wein in digitalen Schläuchen“ und ein Fulltime-Job; nicht nur wegen des regelmäßigen Befüllens der Kanäle, sondern auch des ständigen Wandels der Plattformtechnik. Bei der Vielzahl an Kanälen und dem jeweiligen Begriffsdschungel braucht es einen Navigator für die passende Lösung. Es gibt hier keine Schablone, sondern jedes Unternehmen muss sein eigene Social-Media-Strategie erarbeiten.

Zu Beginn stehen die Kernfragen:

  • Wie kann die Integration in die Unternehmensorganisation aussehen?
  • Wie hoch ist das Budget für Social Media?
  • Wie können die Mitarbeiter fit für Social Media werden, da neue Qualifikationen notwendig sind?

Die Beantwortung dieser Fragen ist zum Teil genauso wichtig wie eine Investition in die nächste Technologiegeneration. Die Vorteile von Social Media liegen auf der Hand: Imagebildung, Produktvermarktung, Instrument der Marktforschung, hohe Reichweite mit Vergrößerung der Bekanntheit des Unternehmens und der Produkte, Sicherung der eigenen Wettbewerbsfähigkeit, neues Beziehungsmanagement in Sachen Interessenten und Kunden sowie Rekrutierung von Fachkräften. Bewerber erwarten sich oft eine aktive Präsenz. Ein eigenes Social-Media-Profil ist eine authentische Zutat für das eigene Employer-Branding und ein wichtiger Baustein für das Social Recruiting.

Best-Practice-Beispiel: Wienerberger

Ein Branchen-Player, der schon früh die Chancen, die Social Media bietet, erkannt hat, ist Wienerberger. Seit mehreren Jahren ist der österreichische auf Facebook, Pinterest, LinkedIn, Youtube und Instagram aktiv. Alle Kanäle werden „in house“ betreut.

 Wir verfolgen eine langfristig ausgelegte digitale Strategie und trennen punkto Zielgruppen ganz klar zwischen den einzelnen Plattformen.

Wilfried Lechner, Leiter Marketing Wienerberger Österreich

Während Instagram und Pinterest für Wienerberger als reine B2C-„Beauty“-Channels fungieren, in denen sich alles um Inspirationen und Referenzen dreht, wird LinkedIn ist ein reines B2B-Medium genutzt. „Hier steigern wir unser Standing unter den Meinungsbildnern kontinuierlich und nutzen den Kanal auch als Recruiting-Chance“, erklärt Marketingleiter Wilfried Lechner. Facebook ist für Wienerberger ein Must: Hier hat der Ziegelhersteller mit knapp 20.000 Followern die größte Reichweite und kommuniziert sowohl für B2C als auch für B2B. Als Sprachrohr zu Kunden und Verarbeitern wird Youtube als „How to“-Channel genutzt. Hier werden Produkte und Innovationen langfristig platziert sowie Partner und Kunden über Videos geschult. „Generell verfolgen wir über alle Social-Media-Kanäle hinweg ein ganz klares Ziel: die Steigerung der Referrals auf unsere Website www.wienerberger.at“, betont Lechner.

Falls auch Sie eine zielgruppengerechte Online-Kommunikation mit Social Media auf die Beine stellen wollen, kann Ihnen folgende Checkliste helfen. Für diese Idee braucht es aber Zeit, da es entscheidend ist zu überlegen, was davon für das eigene Unternehmen anwendbar ist.

1. Ermittlung des Status Quo

Was macht der Mitbewerber? Wie präsentiert sich dieser? Der Blick über den Tellerrand ist wichtig, um das eigene Potenzial einschätzen zu können und von anderen zu lernen. Ziel ist es, den Abstand zum Wettbewerber zu verringern und mit eigenen Geschichten neue Fans und Kunden zu gewinnen. An welche Zielgruppe sollten sich die Inhalte richten? Die Ermittlung des Status quo ist der Schlüssel für eine gelungene Social-Media-Strategie. Hier sollte auch das Budget fixiert werden: Wie viel ist mir Social Media wert?

2. Welcher Kanal für welches Ziel?

Gerade um Feiertage herum werden Firmen auf ihren Social-Media-Kanälen gern kreativ, wie das Stop-Motion-Video „Weihnachtsbäckerei“ von Liebherr auf dem eigenen Youtube-Kanal zeigt.

Blog, Messenger, soziale Netzwerke – es gibt viele Plattformen, auf denen sich ein Unternehmen platzieren kann. Die Gefahr, den Überblick zu verlieren, ist groß. Daher ist das Erarbeiten einer Strategie empfehlenswert, ansonsten kann es schnell passieren, dass Kosten und Zeit außer Kontrolle geraten. Allein die Nutzung von Messengerdiensten wie Whatsapp kostet Zeit, eröffnet aber eine schnelle Direktansprache der Kunden – eine exklusive, aktive Kundenbindung. Wichtig ist, sich immer die Frage zu stellen, welche Ziele mit welchem Kanal erreicht werden sollen.
Ein Strategieplan sollte folgende Fragen beantworten:

  • Name des Mediums?
  • Welche Ziele sollen erreicht werden? 
  • Kundengewinnung oder -bindung? 
  • Was will ich zeigen: Unternehmen oder Produkt? 
  • Zielgruppe: jung oder alt? 
  • Was habe ich zu erzählen?
  • Zeit?
  • Personalaufwand: gering bis hoch?

Ziele können sein: besseres Kundenmanagement; Kundenäußerungen auf Social Media tragen zur Entwicklung von Produkten bei (Marktforschung); „Belebung“ der eigenen Homepage; Verbesserung der Markenbekanntheit; Darstellung oder Verkauf von Produkten und Dienstleistungen.

3. Themenplanung für Social Media

Eine langfristige Planung der Erstellung und Veröffentlichung des Contents ist wichtig. Im Rahmen eines Content-Kalenders können auch Saisonthemen mitabgedeckt werden. Mögliche Themen und Formate der Beiträge könnten solche sein, in denen das eigene Unternehmen vorgestellt wird:

  • Geschichten und Ergebnisse aus dem Betriebsalltag
  • Kurzporträts (neuer) Mitarbeiter
  • Rückschau über eine Jubiläumsfeier
  • Vorstellung von Arbeitsweisen und Arbeitsproben (z. B. das „Dach der Woche“, das „neue Lieblingsbad“, die „Wand der bunten Farben“)
  • Neuigkeiten vom Unternehmen
  • Ratgeber
  • Best-Practice-Beispiele

Die Einbindung von Mitarbeitern lohnt sich. Deren Know-how und Erfahrung sind die besten Zutaten, um für das Unternehmen eigene Social-Media-Kanäle zu bespielen.

4. Kein Posting ohne Bild

Wie können die Produkte und Dienstleistungen am besten dargestellt werden? Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Der Grundsatz sollte bei jeder Social­Media-Aktivität lauten: kein Posting ohne emotionales Bild. Kleine und mittlere Unternehmen können ­Fotos von der Baustelle genauso posten wie Bilder von Mitarbeiter*innen. Sollten Menschen auf dem Foto zu sehen sein, darf nicht vergessen werden, vorher um Erlaubnis zu fragen. Jeder Fotografierte hat das Recht, selbst zu entscheiden, ob ein Foto mit ihr oder ihm veröffentlicht wird. Vorsicht bei der Verwendung von fremdem Bildmaterial, weil die Nutzungsrechte oftmals sehr detailliert sind. Die Gefahr von Abmahnungen ist groß. Unabhängig davon: Der Vielfalt sind keine Grenzen gesetzt, einfach loslegen und probieren.

Instagram: Best-Practice-Beispiel Porr

Egal ob Foto oder Video, auf Instagram geht es um die Macht der Bildsprache – wie man am hauseigenen Instagram-Kanal des österreichischen Baukonzerns Porr gut sehen kann.

5. Investitionen

Als Faustregel für Form und Inhalt der Social-Media-­Beiträge gilt, sie sollten visuell und inhaltlich ansprechend gestaltet sein. Hochwertige, auf die Zielgruppe passende Texte zu schreiben, kostet Zeit. Hier ist zu empfehlen, jemanden für das Verfassen der Texte zu beauftragen. Auch das Wissen über Suchmaschinenoptimierung (SEO) ist empfehlenswert. Dank in Texten eingebauter wichtiger Schlüsselwörter kann das Ranking auf Google und Co verbessert werden. Letztlich haben gut geschriebene Texte einen ebenso großen Einfluss auf das Ranking in der Suchergebnisliste wie die Präsenz auf Social Media. Daher zahlt sich ein Texter mit Social-Media-Erfahrung und SEO-Wissen aus.

6. Multiplikatoreffekt durch Kunden und Mitarbeiter

Die eigenen Mitarbeiter liefern oftmals einen neuen Blick auf Bereiche des Unternehmens und einzigartige Eindrücke, wie Mapei-Lkw-Fahrer Manfred eindrucksvoll zeigt. Im Gegenzug wird Manfred im Zuge der eigenen #lockdownstory auf der Facebook-Seite von Mapei Austria vor den Vorhang geholt.

War es früher die klassische Werbung in einer Zeitung, sind heute die Kunden wichtige Multiplikatoren. Social Media hin oder her – das Kernanliegen von jedem Unternehmen ist es, Kunden zufriedenzustellen. Diese positiven Nachrichten verbreiten sie auf diversen Kanälen. Dadurch werden sogenannte Backlinks erzeugt. Solche Reaktionen sind wiederum wichtig für Suchmaschinen. Der Algorithmus bewertet, ob über das Unternehmen gesprochen wird oder nicht. Ist ein Kunde mit dem Ergebnis Ihrer Arbeit zufrieden, fragen Sie nach, ob er/sie auf Social Media bewertet. 
Eine zentrale Rolle können aber auch die eigenen Mitarbeiter spielen, die ihre Arbeit und Projekte stolz in den sozialen Medien verbreiten. Auch hier lohnt es sich, zu interagieren und Postings zu kommentieren oder zu teilen. 

7. Erfolgsmessung

Die Rentabilität von Social-Media-Aktivitäten ist eine schwer messbare Größe. Der Return of Investment kann beispielsweise sein, dass eine Anzahl an Neukunden mit Social Media gewonnen werden konnte. Eine Erfolgsmessung ist aber nur dann möglich, wenn klar definiert wurde, welche Ziele erreicht werden sollen. Diese und andere Ziele sollten laufend geprüft werden. Die Social-Media-Plattformen sind jedoch keine Werkzeuge für kurzfristige Umsatzsteigerungen. Viele Follower und Kommentare schaffen die nötige Aufmerksamkeit für Marken und Produkte und im besten Fall mehr Reichweite, mehr Leads und neue Kunden.

8. Kritik nutzen

Genauso, wie auf individuelle Anfragen und Anregungen einzugehen ist, sollten negative Kommentare ernst genommen werden. Das richtige Vorgehen: Die freundliche Beantwortung von Kommentaren innerhalb 24 Stunden zeigt allen Nutzern, dass der Betrieb Probleme zur Zufriedenheit der Kunden löst. Diese Interaktion ist sicherlich nicht immer einfach, aber am Ende wird durch ein professionelles Krisenmanagement gepunktet. Der Kritiker rechnet oft nicht mit einer Antwort. Es passiert nicht selten, dass die anderen Social-Media-Follower unterstützend eingreifen.

9. Dranbleiben

Die Pflege und Betreuung eines Social-Media-Accounts benötigt Zeit. Regelmäßiges Posten sowie Interagieren mit den Nutzern ist für den Erfolg auf jeder Plattform wichtig. Social Media ist ein wichtiger Baustein für eine erfolgreiche Unternehmenskommunikation nach innen und außen. Wer es schafft, seinen Fans und Followern regelmäßig Informationen mit Mehrwert zu bieten, kann sein Image fördern und potenzielle Kunden vorprägen. Social Media ist Kommunikation auf Augenhöhe mit den Kunden. Dabei sollten immer wieder die Privat­sphären-Einstellungen überprüft werden. Der Schutz Ihrer Daten ist wichtig.

10. Partner suchen

Um Aufwand und Ertrag in ein gutes Verhältnis zu bringen, lohnt es sich, nach Partnern Ausschau zu halten. Finanzielle und beratende Unterstützung ­bietet die Digitalisierungsoffensive des Bundes­ministeriums für Digitalisierung und die WKO Österreich. Das Programm KMU Digital mit seinen zwei Modulen Beratung und Umsetzung hat ein Volumen von 15 Millionen Euro. Mit bis zu 14 Prozent der Investitionssumme kann der Ausbau der digitalen Infrastruktur gefördert werden.

(sm)

Welche Social-Media-Kanäle nutzen die Österreicher?

Österreich steht im europäischen Index für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft (DESI) im Jahr 2020 an 13. Stelle. Luft nach oben gibt es beim Thema Social Media: Nur 30 Prozent der österreichischen Unternehmen haben soziale Medien in ihrem Unternehmen implementiert. Betrachtet man die Social-Media-Nutzung auf die ganze Bevölkerung hatte WhatsApp den größten Nutzerkreis. Im Reichweitenranking belegen YouTube, Facebook (über 5,4 Millionen Nutzer) und Instagram die nächsten Plätze. Letztere Plattform ist vor allem bei einer jüngeren Zielgruppe in Österreich (3 Millionen) sehr beliebt. Das beliebteste Jobportal in Österreich ist LinkedIn. Die größte Nutzergruppe ist zwischen 25 bis 34 Jahren (61,2 Prozent). Einen großen Hype löst TikTok aus. Die App wird für das Erstellen und Teilen kurzer Videos (Dauer: 60 sek.) verwendet und ist eine der am schnellsten wachsenden Social-Media-Plattformen. Großen Hype gab es in den letzten Monaten auch um Clubhouse. Zu diesen virtuellen Konferenzen im Audioformat konnte nur jemand teilnehmen, der eingeladen wurde. Diese Exklusivität, die gerade für die Bildung einer Community interessant ist, galt als reizvoll. Doch wie sich Clubhouse weiter entwickeln wird, steht momentan in den Sternen – limitierender Faktor ist, dass Clubhouse bislang nur auf IPhone funktioniert. (sm)