Breitbandschleifen, aber richtig

Die Maschinentechnik ist anspruchsvoll und will beherrscht sein. Und jedes Material hat seine Eigenheiten. Was Sie beim Breitbandschleifen beachten müssen und wie Sie Schleiffehler vermeiden.

02.10.2017
Breitbandschleifmaschine
© Format-4

Auch die Sauberkeit im Inneren der Maschine gilt es, nicht zu vernachlässigen.

© Quelle: Klingspor/Umsetzung: ÖWV

Verschiedene Arten von Schleiffehlern

Breitbandschleifmaschinen in unterschiedlichen Größen sind in vielen Werkstätten zu finden. Sie schleifen in einem Arbeitsgang Leisten, Bretter, aber auch großflächige Plattenwerkstoffe und erzeugen ein einheitliches Schleifbild. Sie kalibrieren unterschiedliche Materialien vom Massivholz über Funiersperrholz und von der Spanplatte bis hin zur Kompaktplatte. Jedes Material hat seine technischen Eigenschaften, wie Dichte, Härte und Struktur, und reagiert auf die Faktoren Wärme und Reibung. Auch die Maschinentechnik ist anspruchsvoll und will beherrscht sein. Parameter wie Drehzahl, Spanabnahme und Vorschub müssen eingestellt und angepasst werden. Für perfekte Schleifergebnisse sind einige wichtige Grundsätze zu beachten. Im Folgenden ein Überblick darüber – und einige Tipps, wie sich häufige Fehler beim Breitbandschleifen vermeiden lassen. 

GRUNDSÄTZE

Eine Grundbedingung für ein einheitliches Schleifbild ist, wie bei allen Arbeiten in der Tischlerei, die Sauberkeit. Nur intakte Werkstücke können von der Maschine fehlerfrei geschliffen werden. Arbeiten Sie Spachtelmasse, Aststöpsel oder Spots bündig, bevor sie die Werkstücke durch die Maschine lassen. Nicht ausgehärteter Leim, Spachtel oder Kleber hinterlassen ihre Spuren auf den Druckwalzen und Transportbändern, die dauerhaft die Schleif­ergebnisse der Breitbandmaschine beeinträchtigen. Überprüfen Sie die Werkstückunterseiten. Hier reicht schon ein Span oder ein beim Ausbohren durchgedrückter Ast aus, um das Schleifbild negativ zu beeinflussen. Kontrollieren und reinigen Sie außerdem regelmäßig die Maschine von innen. Auch Reste eines gerissenen Schleifbandes oder Staub können zu unschönen Ergebnissen führen. 

RICHTIGE VORBEREITUNG

Kalibrieren Sie Ihre Werkstücke, bevor Sie furnieren, lackieren oder belegen. Dies bewahrt Sie vor bösen Überraschungen beim späteren Feinschliff. Entsprechende Maßzugaben verhindern ein Durchschleifen nach dem möglichen Aufquellen des Werkstückes im Schmalflächenbereich während des Furnierens und eine vorab abgesperrte Schmalfläche beim Lackieren.     
Prüfen Sie auch die Werkstoffe. Quellstellen oder Blasen in Spanplatten, Leimfehler in Sperr- oder Schichtholz und Kernrisse in MDF-Platten verursachen Fehler im Schleifbild, die weder auf eine Fehlbedienung noch auf fehlerhafte Schleifmittel oder Maschinentechnik zurückzuführen sind. Materialeinschlüsse in Werkstoffen, wie eingedrückte Metallteile oder ein Kieselstein, beschädigen das Schleifband punktuell und hinterlassen beim Schleifen Spuren auf der Oberfläche.

PASSENDE PARAMETER

Für das Kalibrieren – das Schleifen auf Maß und Form – von beispielsweise 140 mm breiten Fichtenhölzern sind andere Parametereinstellungen nötig, wie beim Kali­brieren einer 1000 mm breiten Buchenplatte. Auch die Spanabnahme kann bei den Fichtenhölzern höher als bei der Buchenplatte gewählt werden. Häufig werden einmal in Schleifrezepten hinterlegte Parameter nicht weiter angepasst oder werkstoffbezogen verfeinert. Dabei kann die Technik weitaus mehr als nur Standards abarbeiten. Programmgesteuert lässt sich in Schleifrezepten genau hinterlegen, ob plattenförmige großflächige oder kleiner dimensionierte Werkstücke geschliffen werden, oder ob es sich um ein hartes oder ein weicheres Material handelt.

MASCHINENAUSSTATTUNG

Eine Maschine mit Feinstschliffagregat, das mit einem Segmentdruckbalken ausgerüstet ist, bewältigt zuverlässig die Königsdisziplin, den Lackschliff. Wird dies bei der Anschaffung außer Acht gelassen, so muss man später die Defizite hinnehmen und die anfallende Mehrarbeit von Hand leisten. Tischverlängerungen sind eine große Hilfe, wenn die Werkstückmaße dies erfordern. Werden lange Werkstücke geschliffen, kann es durch die fehlende Auflage zu Schleiffehlern kommen, da die Durchbiegung des Werkstückes zu einer punktuell höheren Spanabnahme führen kann.
Das Transportband der Maschine ist verantwortlich für den Werkstücktransport während des Schleifvorgangs. Verschleiß, eine fehlende Transportbandspannung, Druckstellen und Verschmutzungen bewirken eine verringerte Haftung der Werkstücke. Das Resultat kann unter anderem ein unregelmäßiger Vorschub mit negativen Folgen für das Schleifbild der Breitbandschleifmaschine sein.
Kleinstteile können währen des Schleifens von der Maschine angesaugt werden. Dies kann das Schleifband schädigen oder zerstören. Aber auch Schäden an den Aggregaten sind nicht ausgeschlossen. Sollen Werkstücke mit kleinen Abmaßen geschliffen werden, ist es ratsam, dies vor dem Formatieren zu tun. Ist dies jedoch nicht möglich, kann man sie mittels Kontaktkleber auf einer größeren Platte punktuell fixieren und später mit Lösemittel wieder ablösen. Voraussetzung dafür ist, dass die Rückseite später unsichtbar bleibt oder von Hand nachgearbeitet wird.

MITARBEITER SCHULEN 

Jede Maschine ist nur so gut, wie der Mensch, der sie bedient. Dies gilt auch für die Breitbandschleifmaschine. Nur geschulte Mitarbeiter können die technischen Möglichkeiten voll ausschöpfen und optimale Ergebnisse erzielen. Auch eine intuitive Bedienung will beherrscht sein. Neuheiten, Weiterentwicklungen, Vorgehensweisen, Arbeitsabläufe und praktische Erfahrungen sind wichtige Bestandteile der täglichen Arbeit und garantieren den erfolgreichen Einsatz der Breitbandschleifmaschine. Ermöglichen Sie einen regelmäßigen Erfahrungsaustausch zwischen den Angestellten. Eine neue Breitbandschleifmaschine erfordert eine detaillierte Einweisung für Sie und Ihre Mitarbeiter. Lassen Sie sich Produktneuheiten und Weiterentwicklungen im Maschinen- und Schleifmittelbereich vorstellen. Nur so kann das vorhandene Fachwissen weitergegeben und ausgebaut werden. 

SCHLEIFFEHLER 1: NADELSTREIFEN 

Auf der Oberfläche sind sinusförmige Markierungen zu sehen. Sie gleichen den Spuren eines stumpfen Hobelmessers, nur dass sie nicht geradlinig in Vorschubrichtung auftreten, sondern sinusförmig verlaufen. Der Verlauf dieser Spuren kann unterbrochen sein. Häufig treten diese Spuren bei bereits benutzten Schleifbändern auf. Solche Spuren in den Schleifbändern werden durch Einschlüsse im Werkstück hervorgerufen. Metall- oder Steinsplitter bewirken aufgrund ihrer Härte einen punktuell höheren Abrieb auf dem Schleifband. Dieser wiederum bewirkt, dass das Schleifband an diesen Stellen über weniger Spanabnahme verfügt wie der nicht beschädigte Teil des Bandes. Der sinusförmige Verlauf resultiert aus der Oszillation des Schleifbandes. Dieses Schleifband kann leider nur noch für Arbeiten ohne hohe Ansprüche eingesetzt werden, für eine Premiumoberfläche ist ein neues Band erforderlich. 

SCHLEIFFEHLER 2: QUERSTREIFEN

Querstreifen auf der Oberfläche weisen auf einen unregelmäßigen Vorschub oder auf Vibrationen in der Maschine hin. Die Ursache kann ein nicht optimal sitzendes Schleifband sein. Hat das Schleifband ein Übermaß, spannt es nicht optimal, und es treten während des Schleifens Verschiebungen auf. Ein anderer Grund kann eine zu hoch gewählte Spanabnahme sein. Dann kann das Schleifband in der zur Verfügung stehenden Zeit nicht die eingestellte Spanabnahme ausführen. Auch ein zu schnell eingestellter Vorschub kann hier eine Ursache sein. Oft hilft es, nach der Methode „weniger ist mehr“ zu verfahren. Weniger Vorschubgeschwindigkeit ist mehr Oberflächenqualität und ein mehr an Standzeit für das Schleifband.

SCHLEIFFEHLER 3: SCHATTEN 

Während die ersten Fehler auch beim Kalibrieren auftreten, kann dieser Fehler beim Arbeiten mit dem Feinstschliffaggregat in Verbindung mit einem Druckbalken als Kontaktelement auftreten. Eine mögliche Fehlerquelle kann der ungleichmäßige Verschleiß des Kontaktelements sein. Verursacht werden kann dies durch einen Parallelitätsfehler in der Maschine. Eine weitere Ursache könnte in einer unregelmäßigen oder verschmutzten Unterseite der Platte liegen. Solche kleinen Unebenheiten drücken die Platte von der Auflage ab und verursachen im Schleifbild Schatten.

SCHLEIFFEHLER 4: LÄNGSSTREIFEN

Wenige Millimeter breite Markierungen können verschiedene Ursachen haben. Das Kontaktelement kann einen Fehler aufweisen, oder kleine Falten im Schleifband  sind der Auslöser. Aber auch Verschmutzungen oder Quellstellen hinterlassen als Markierung ihre Spuren auf der geschliffenen Oberfläche.

SCHLEIFFEHLER 5: RILLEN 

Schmale, sinusförmige unterbrochene Vertiefungen weisen häufig auf ein Grobkorn oder einen Fremdkörper im Schleifband hin. Gerade nach dem Abschleifen von Klebebändern tritt dieses Phänomen des Öfteren auf. Ein ausgelöstes Schleifkorn haftet punktuell an und sorgt für eine stellenweise höhere Spanabnahme.

SCHLEIFFEHLER 6: BRANDSPUREN

Entweder wurde mit einem zu feinen Band geschliffen, die Schnittgeschwindigkeit ist zu hoch oder das Band ist mit Harz, Schleifstaub, Kleber oder Ähnlichem zugesetzt oder abgenutzt. Tritt dieser Fehler bei einem neuen Schleifband auf und wurde eine passende Körnung eingesetzt, dann sollten der Vorschub, die Spanabnahme und die Drehzahl überprüft werden. Punktuell auftretende Brandspuren können auf Unregelmäßigkeiten in der Materialdicke oder Oberflächenhärte hinweisen. 

Autor: Stefan Böning

Buchtipp

Zum Weiterlesen
Viele hilfreiche Tipps und Ratschläge enthält das Buch „Das Schleifen von Holz“ (ISBN 978-3-88265-282-6) von Klingspor, aus dem auch die Idee zur Darstellung der Schleiffehler stammt.

Tischler

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