Wo Metallspäne fliegen

CNC-Bearbeitung. Numerisch gesteuerte Maschinen zur Metallbearbeitung bieten Lösungen für praktisch alle Fertigungsaufgaben. Ein Überblick, welche Maschinen am Markt gerade aktuell sind.

20.12.2020
Bearbeitungszentrum
Gernot Wagner
12.01.2021
© GettyImages/Levent Konuk

Metallspäne

Gerade in diesen schwierigen Zeiten zeigt sich: Lohnfertiger, die vorne mit dabei sein wollen, sollten sich um einen modernen Maschinenpark, Automatisierung und Vernetzung des Betriebs kümmern. Von erfolgreichen Betrieben ist zu hören: „Wer das nicht kann, hat es jetzt doppelt schwer, Aufträge zu lukrieren.“

METALL bringt hier einen Überblick über die renommierten Hersteller (in alphabetischer Reihenfolge) und deren aktuelle CNC-Maschinen, die sich alle sehr flexibel und variabel automatisieren lassen.

Präzision schlüsselfertig

Chiron ist Spezialist für CNC-gesteuerte, vertikale Fräs- und Fräs-Dreh-Bearbeitungszentren sowie Turnkey-Fertigungslösungen. Auf den CNC-Werkzeugmaschinen fertigen Unternehmen hochpräzise Werkstücke aus Titan, Aluminium, Stahl, Edelstahl, Kobalt, Chrom, Magnesium oder Inconel. Der Hersteller bietet auch vorkonfigurierte Bearbeitungszentren, ideal für Jobshop und Lohnfertigung. Neu ist der Doppelspindler DZ16 W, den man für große Stückzahlen und schnelle Serienproduktion mit der Automationseinheit VariocellUno kombinieren kann, bestehend aus Handlingroboter und Werkstückspeicher. Diese Variante ermöglicht das hauptzeitparallele Be- und Entladen von Roh- und Fertigteilpaletten in der Serienproduktion und erlaubt sehr kurze Taktzeiten. Vor Kurzem hat der Werkzeugmaschinenhersteller aus Baden-Württemberg die Schweizer Mecatis übernommen, eine Spezialistin für kleine, hochpräzise Bearbeitungszentren, die für mikrotechnische Komponenten in der Medizintechnik und der Feinwerktechnik zum Einsatz kommen.

Bearbeitungszentrum mit Automationseinheit für das hauptzeitparallele Be- und Entladen von Roh- und Fertigteilpaletten in der Serienproduktion.

© Chiron

Flexible Automatisierungslösungen

Die beachtliche Bandbreite des deutsch-japanischen Herstellers DMG Mori, mit neuer Österreich-Zentrale in Lustenau und weiteren Standorten in Amstetten sowie ­Stockerau, sollte man sich online ansehen. Neu im Programm ist ein hochpräzises, schnelles 5-Achs-Horizontal-Bearbeitungszentrum in den Varianten DMU 65 H / DMC 65 H monoBlock zur Bearbeitung von komplexen Werkstücken. In das Radmagazin passen bis zu 543 Werkzeuge. Als flexible Automationslösung bietet DMG den neuen Rundpalettenspeicher PH Cell mit Platz für bis zu 40 Paletten in Größen bis maximal 500 x 500 mm.

Hochpräzises, schnelles 5-Achs-Horizontal-Bearbeitungszentrum für eine dauerhaft präzise Bearbeitung von komplexen Werkstücken.

© DMG Mori AG

Obere Mittelklasse aus Korea

Der größte koreanische Werkzeugmaschinenhersteller Doosan Machine Tools, in Österreich vertreten durch Wamatec, positioniert sich technologisch in der oberen Mittelklasse. Die Produktpalette deckt den gesamten Bereich der Drehzentren, Vertikal- und Horizontal-Bearbeitungszentren sowie Bohrwerke und Portalbearbeitungszentren ab. Neu ist das horizontale Hochleistungs-Drehzentrum Lynx 2600Y/SY mit Spannfuttergrößen bis zu zehn Zoll. Die Maschine bearbeitet Durchmesser bis maximal 380 mm und Längen bis 610 mm. Zur Automatisierung bieten die Koreaner Stangenlader, Portallader oder Roboter.

Horizontales Hochleistungs-Drehzentrum mit Spannfuttergrößen bis zu 10 Zoll.

© Doosan Machine Tools

Alle Prozesse in einem Raum

Rund 50 Kilometer südöstlich von Stuttgart liegt die Zentrale der Emag-Gruppe in ­Salach. Im Salzburger Ort Hallein findet man die Ansprechpartner für den österreichischen Markt. Emag deckt das gesamte Technologiespektrum zum Drehen, Bohren, Fräsen und zur Automatisierung ab. Laut eigenen Angaben ist das Unternehmen Weltmarktführer bei vertikalen Pick-up-Drehmaschinen, die ideal für die Bearbeitung von Futter- und Wellenteilen in großen Losgrößen sind. Speziell für die Schwerzerspanung präsentiert Emag das neue vertikale Dreh-Fräszentrum VMC 450-5 MT mit fünf Achsen. Damit erfolgen alle Dreh-, Fräs-, Bohr- und Verzahnungsprozesse in einem Arbeitsraum. Die Anwendungsmöglichkeiten für die VMC 450-5 MT sind zahlreich, denn viele großformatige Bauteile, etwa im Fahrzeugbau oder im Agrar- und Bergbau sind ungewöhnlich komplex und müssen schnell geliefert werden. Beladen lässt sich die CNC-Maschine manuell, per Roboter oder Portal sowie dem Trackmotion-Automationssystem. Emag verspricht mit dem neuen Maschinenkonzept, dass damit nur noch maximal zwei Maschinen, statt wie bisher vier oder sechs, notwendig sind, um ein komplettes Bauteil zu bearbeiten.

Vertikales Dreh-Fräszentrum mit fünf Achsen speziell für die schnelle Schwerzerspanung.

© Emag

Automatisierte Komplettbearbeitung

In Hallein entwickelt und produziert Emco seine Werkzeugmaschinen. Das Portfolio reicht von Standardmaschinen bis zu komplexen schlüsselfertigen Fertigungssystemen. Bekannt geworden vor allem mit konventionellen Maschinen im Ausbildungsbereich haben sich die Salzburger Maschinenbauer über mehr als 70 Jahre ebenso bestens mit CNC-Dreh-Fräsmaschinen und High-Speed-Bearbeitungszentren in den metallbearbeitenden Betrieben etabliert. Neu am Markt ist die kompakte Maxxturn 45, eine vielseitig einsetzbare Drehmaschine für die vollautomatisierte Komplettbearbeitung. Die Maxxturn-Familie besteht aktuell aus fünf Modellen – Maxxturn 25, 45, 65, 95 und 110. Während die kleineren drei Vertreter dieses High-Performance-Drehzentrums mit der Gegenspindel als ideal für die wirtschaftliche Komplettbearbeitung von Stangen- und Futterteilen bezeichnet werden, konzentrieren sich die Maxxturn 95 und 110 auf die Zerspanung von Wellen- und Flanschteilen. Ausgestattet mit angetriebenen Werkzeugen sowie flotten Eilgängen hat die Maxxturn-Serie alles, um auch komplexe Dreh-Frästeile produktiv herzustellen. Für das automatische Be- und Entladen bietet Emco einen Schwenklader als universelle Beladeeinrichtung für vorgeformte Rohteile und den Kurzstangenlader SL1200 als System zum automatischen Nachschieben und Nachladen von abgelängtem Stangenmaterial.

Kompakte, vielseitig einsetzbare Drehmaschine für die vollautomatisierte Komplettbearbeitung.

© Emco

Platzsparendes 5-Achs-Zentrum

Seit Mitte der 1990er konzentriert sich das niedersächsische Familienunternehmen Hedelius ganz auf die Serienproduktion von Bearbeitungszentren. Heute umfasst das Maschinenprogramm drei-, vier- und fünfachsige Hochleistungsmaschinen. Mit der Acura 50 präsentiert man ein platzsparendes 5-Achs-Bearbeitungszentrum mit großen Verfahrwegen. Gedacht ist das CNC-Bearbeitungszentrum für die hochpräzise Bearbeitung von komplexen und filigranen Werkstücken. Der Dreh-Schwenktisch trägt Gewichte bis 300 Kilogramm. Das standardmäßige Werkzeugmagazin kann mit bis zu beachtlichen 235 Werkzeugen bestückt werden. Die wählbaren Spindeln drehen bis zu 24.000 U/min. Automatisieren lassen sich die Bearbeitungszentren mit Palettenspeicheranlagen. Für die elektrische Anbindung an eine Automation stehen vorkonfigurierte Standard-Schnittstellen für Drittanbieter zur Auswahl. Das Konzept ist so ausgelegt, dass der Anwender die für seine Automatisierungssaufgaben optimale Lösung am Markt aussucht und an die Maschine anschließen kann.

5-Achs-Bearbeitungszentrum mit großen Verfahrwegen für die hochpräzise Bearbeitung von komplexen und filigranen Werkstücken.

© Hedelius

Versprochene Dauerbelastbarkeit

Heller präsentiert das horizontale 4-Achs-Bearbeitungszentren H 2000 (aus der Baureihe H, die bis hin zum Großbearbeitungszentrum H 16000 mit einem Arbeitsbereich von 2.400 x 1.600 x 1.600 mm reicht) in Verbindung mit einem Fastems Palettencontainer FPC 750. Universell einsetzbar für ein großes Teile- und Werkstoffspektrum, optimal für kleine bis mittlere Serienteile. Einfach automatisierbar mit Werkstück- oder Palettenautomation. Heller verspricht, dass auch bei wechselnden Losgrößen die Maschine im Grenzbereich belastbar sei, bei Bedarf auch sieben Tage im Dreischicht-Betrieb. Drei direkt angetriebene Spindeln sind mit Drehzahlen bis zu 24.000 U/min verfügbar. Das Werkzeugmagazin lässt sich auf bis zu 240 Werkzeuge aufrüsten.

Horizontales 4-Achs-Bearbeitungszentrum von Heller in Verbindung mit einem Palettencontainer.

© Heller

Komplexe Teile in Serie

Hermle, mit einer Niederlassung im oberösterreichischen Vöcklabruck, hat sich auf leistungsstarke drei- bis fünfachsige Bearbeitungszentren spezialisiert. Angeboten werden neun verschiedene Bearbeitungszentren. Weltweit befinden sich über 27.000 Maschinen des schwäbischen Herstellers im Einsatz – hauptsächlich in Zulieferbetrieben, die große, komplexe Bauteile bis zu Kleinstbauteilen im Hightech-Bereich zerspanen. Vor allem durch Serienteile fräsen sich die Bearbeitungszentren. Automatisieren kann man die Maschinen mit Palettenwechsler, Roboter- oder Handlingsystemen wie dem neuen HS flex heavy. Das trägt Werkstücke inklusive Palette bis zu 1.200 Kilogramm und ermöglicht die Automatisierung von vier Bearbeitungszentren.

Die Hermle-Maschinen kann man mit Palettenwechsler, Robotersystemen oder Handlingsystemen automatisieren. Das System trägt Werkstücke inklusive Palette bis zu 1.200 Kilogramm und ermöglicht die Automatisierung von vier Bearbeitungszentren.

© Hermle

Produktionskapazität verdoppelt

Der schwäbische Hersteller Index begann vor gut hundert Jahren mit der Produktion von Revolverdrehautomaten. Es folgten Mehrspindel-Drehautomaten, der Einstieg in die CNC-Technik und modular aufgebaute Dreh-Fräszentren. Heute zählt man mit den beiden Marken Index und Traub zu den Spezialisten im Segment CNC-Drehen: Geboten werden Drehautomaten (Mehrspindel-, Langdrehautomaten), Dreh-Fräszentren, Universaldrehmaschinen und Vertikaldrehzentren. Zum Stangendrehen wurde der neu entwickelte horizontale Drehautomat Index C200 tandem auf den Markt gebracht. Damit hat man eine Idee verwirklicht: Im gleichen Maschinengehäuse wurden die Haupt- und Gegenspindel durch jeweils eine 52er Doppelspindel ersetzt und so die Produktionskapazität verdoppelt. Die Zuführung des Stangenmaterials erfolgt durch ein Stangenlademagazin, mit dem zeitgleich zwei Materialstangen nachgeschoben werden können. Neu entwickelt wurde auch die integrierte Handhabungseinrichtung. Zwei Greifer sorgen dafür, dass die beiden gleichzeitig fertiggestellten Teile entnommen, auf ein Transportband abgelegt und dann schnell und unbeschädigt aus der Maschine befördert werden.

Horizontaler Drehautomat: Die Zuführung des Stangenmaterials erfolgt durch das Stangenlademagazin.

© Index

Einstieg in die 5-Achs-Bearbeitung

Der japanische CNC-Werkzeugmaschinenhersteller Mazak, in Österreich mit einer Niederlassung in Salzburg vertreten, produziert ein sehr umfangreiches Maschinenprogramm, das Multi-Funktions-Maschinen, CNC-Drehzentren, vertikale und horizontale Bearbeitungszentren umfasst. Speziell für Einsteiger in die 5-Achs-Bearbeitung wurde das neue vertikale Bearbeitungszentrum CV5-500 auf den Markt gebracht. Für High-Speed-Anwendungen wird optional eine Spindel mit 18.000 U/min angeboten. Die Maschine rast im Eilgang mit 36 m/min und kann Werkstücke mit Durchmesser bis zu 500 mm x Höhe 320 mm und einem Gewicht von maximal 200 Kilogramm bearbeiten. Serienmäßig nimmt das Werkzeugmagazin 30, wahlweise auch 48 Werkzeuge auf. Mit zahlreichen Varianten lassen sich die Maschinen automatisieren.

Speziell für Einsteiger in die 5-Achs-Bearbeitung wurde bei Mazak dieses vertikale Bearbeitungszentrum entwickelt.

© Mazak

Große, schwere Stücke

Ebenfalls aus japanischer Fertigung stammen die Werkzeugmaschinen von Okuma, in Österreich vertreten durch precisa. Das Produktspektrum umfasst viele Modellreihen bei Dreh-Fräszentren, Drehmaschinen sowie 5-Achs-Bearbeitungszentren. Im burgenländischen Parndorf kann man sich im „Technical Centre“ die Werkzeugmaschinen auch vorführen lassen. Aktuell hat man die Serie der vertikalen Bearbeitungszentren um die MB-80V erweitert, die nun das größte Modell repräsentiert und für die Bearbeitung großer, schwerer Werkstücke inklusive Feinbearbeitung gedacht ist. Der Tisch misst 1.600 x 800 mm, der Verfahrweg in X/Y/Z 1.600 x 1.050 x 600 mm. Trotz dieser Abmessungen benötigt die Maschine nur wenig Stellfläche. Im Einsatz, zum Beispiel bei der Bearbeitung von kubischen Teilen oder Formenbauteilen, zeichnet sich das vertikale Bearbeitungszentrum durch eine hohe Wiederholgenauigkeit aus. Mit der Software One-Touch IGF soll auch die Werkstattprogrammierung leicht von der Hand gehen. Zur Automatisierung hat Okuma ein Robotersystem entwickelt, das in die Maschine integriert ist und den Bearbeitungsprozess durch Be- und Entladen von Teilen, Werkzeugwechsel sowie beidseitige Bearbeitung durch Wenden des Werkstücks unterstützt.

Vertikales Bearbeitungszentrum Okuma MB 80V für die Bearbeitung großer, schwerer Werkstücke inklusive Feinbearbeitung.

© Okuma

Richtig schwere Bearbeitung

Die Komplettbearbeitung großer, komplexer Werkstücke mit multifunktionalen Dreh-Bohr-Fräszentren gilt seit drei Jahrzehnten als die Domäne der WFL. Mit dem Modulbaukastensystem der M80 Millturn versprechen die oberösterreichischen Maschinenbauer eine enorme Variantenvielfalt und „eine Million Möglichkeiten“. Das Maschinenkonzept basiert auf einer Dreh-Bohr-Fräseinheit, die hinsichtlich Performance und Dimensionierung der Bauteile für richtig schwere Bearbeitungen ausgelegt ist. Trotz ihrer Größe vermittelt die M80 einen kompakten Eindruck und ist von vorne leicht zugänglich. Der Werkzeugwechsler „stemmt“ selbst Werkzeuge bis 35 Kilogramm sicher und rasch. Neben Drehen, Bohren und Fräsen sind in der M80 noch andere Technologien wie Zirkularfräsen, Drehfräsen, B-Achsen-Drehen, Tieflochbohren, Innendrehen, Abwälzfräsen und viele weitere Bohr- und Fräsoperationen möglich. Dieses breite Bearbeitungsspektrum ist gerade für Zulieferer sowie Hersteller hochgenauer und komplexer Werkstücke aus den Bereichen Maschinen- und Motorenbau sowie Energietechnik interessant. 

Das Maschinenkonzept der WFL Millturn basiert auf einer Dreh-Bohr-Fräseinheit, die für richtig schwere Bearbeitungen ausgelegt ist.

© WFL
Metall

Wir empfehlen folgende Artikel zum Weiterlesen