Reportage

Tausende Kanten, perfekt verleimt

Kantenanleimen
28.01.2021

Die oberösterreichische Tischlerei Mayrhofer fertigt hochwertige Möbel. Für das Anleimen der Kanten vertraut man auf die Maschinen von Ott.

Ott Topedge Maschine bei Tischlerei Mayrhofer

Gut dreißig Kilometer nordwestlich von Linz liegt Sankt Veit im Mühlkreis. Hier kaufte sich Tischlermeister Josef Mayrhofer vor über 30 Jahren einen Betrieb und machte sich mit zwei Mitarbeitern selbstständig. Rasch entwickelte sich die kleine Tischlerei zu einer großen Produktion. Bereits 1993 wurden auf 800 Quadratmetern Werkstattfläche individuelle Tischlermöbel hergestellt und vor zwanzig Jahren erstmals in computergesteuerte Maschinen investiert. Heute bietet der Betrieb 55 Menschen einen modernen Arbeitsplatz in Büro und Werkstatt.
Bei Mayrhofer entstehen elegante Möbel und Einrichtungslösungen nach Maß für den gesamten Innenbereich. Gut 90 Prozent sind Privatkunden, die entweder in den Schauraum nach Sankt Veit oder ins Einrichtungshaus in Pasching kommen. Fallweise nimmt man auch an Ausschreibungen für den Objektbereich teil. Verarbeitet werden Kunststoff- und Schichtplatten, furnierte Platten und Massivholz.

Vernetzte Werkstatt

An der Spitze der Tischlerei steht ein Familientrio: Josef Mayrhofer als Inhaber, Gattin Monika überwacht die Finanzen, und Sohn Florian ist seit Kurzem Geschäftsführer und gleichzeitig aktiv im Verkauf tätig. Gleich elf Innenarchitekten arbeiten bei Mayrhofer: „Wir haben die Leute so eingesetzt, jeder seinen persönlichen Fähigkeiten entsprechend, einer verkauft besser, der andere ist besser in der Planung oder Technik aufgehoben.“ Die Arbeitsvorbereiter bringen die fotorealistischen 3D-Planungen der Innenarchitekten in eine fertigungsgerechte Form, generieren Stücklisten und NC-Programme für die Aufträge. Die Daten gehen dann direkt über das Netzwerk an die Maschinen in der Werkstatt.

Schlaues Werkstück: Arbeiten à la Industrie 4.0

TransEdge Rückführ- und Handlingsystem: Das Bauteil fährt je nach Anzahl der Kanten vor und zurück und wird anschließend ausgeschleust und abgestapelt.

„Im Gegensatz zu vielen anderen Tischlereien ist bei uns die Möbelfertigung nach dem Prinzip Industrie 4.0 praktisch gelebte Realität“, sagt Josef Mayrhofer. Die Abteilungen im Betrieb sind vernetzt und kommunizieren miteinander digital. Damit wissen alle Mitarbeiter, wie die Bearbeitung aussieht, welche Kapazitäten frei sind und ob auch ausreichend Material auf Lager liegt. „Damit erreichen wir unser Ziel, kundenindividuelle Möbel in Losgröße 1 zu fertigen, fast so rationell wie eine industrielle Serienfertigung“, freuen sich Vater und Sohn.
Dazu muss der Daten- und Informationsfluss durchgängig sein. Und jedes Werkstück „intelligent“, mit einer eigenen digitalen Identität. Die klebt auf jedem Bauteil als Barcode-Etikett, und zwar automatisch gleich nach dem Zuschnitt an der Plattenaufteilsäge, die sich selbstständig aus dem Plattenlager „bedient“. Für jeden Bearbeitungsvorgang scannt ein Mitarbeiter den Barcode ein, der alle Spezifikationen und Fertigungsparameter enthält. Die jeweilige Maschine „versteht“ die Anweisung und arbeitet dementsprechend ihren Auftrag ab.
Dass alle Vorgänge automatisiert reibungslos ineinander greifen, setzt eine durchgängige Softwareunterstützung voraus. Die kommt von RSO. Florian Mayrhofer: „Mit der Software können wir alle Arbeitsabläufe abbilden: von der fotorealistischen 3D-Präsentation im Verkauf, wo in Zukunft die Kalkulation mitlaufen soll, Planung, Arbeitsvorbereitung mit Stücklistenerstellung bis hin zur NC-Programmierung und Datenübergabe an die Maschinen in der Werkstatt. Diese durchgängig digitale Datenerfassung und Datenübergabe minimiert Fehlerquellen. Und der Weg vom Verkauf zum fertigen Möbel ist extrem schnell.“

Topedge-Maschine von Ott: Individuell konfiguriert

Perfekte Organisation im Kantenlager, jede Rolle hat ein eigenes Fach. Im Bild vorne: Zugeschnittene Platten werden eingeschleust.

Zu Beginn seiner Selbstständigkeit kaufte Josef Mayrhofer seinerzeit seine erste Kantenanleimmaschine von Ott, die letzte ebenfalls, die zwölf Jahre lang gute Dienste leistete. Die hohe Qualität des Anbieters schätzte man daher seit Langem. Doch bekanntlich sind auch andere sehr gute Maschinen zum perfekten Kantenanleimen am Markt. „Die kompetenten Anbieter sind bestens bekannt, die haben wir uns angeschaut“, sagt Inhaber Mayrhofer. „Wir haben uns extrem viel Zeit genommen für die Entscheidung.“ Und nach einem enormen Zeitaufwand von fast 400 Arbeitsstunden war der „Familienrat“ einig: Ott bekam wieder den Zuschlag. Es wurde eine Kantenanleimmaschine des Typs TopEdge, individuell modular konfiguriert mit dem Ott-TransEdge Rückführ- und Handlingsystem. Das Bauteil fährt dabei, je nach Anzahl der Kanten, vor und zurück und wird anschließend ausgeschleust und abgestapelt. „Diese vollautomatisierte Bekantungslösung ist technisch genau das, was wir wollten und erfüllt voll und ganz unsere Anforderungen.“ 
Die Kantenanleimmaschine wurde individuell konfiguriert, mit sämtlichen Fräs­aggregaten (Bündig, Fase, Radius sowie automatisiertes Kopierfräsen) für Kantenstärken von 0,2 bis 20 mm und Plattenstärken bis 60 mm. Dazu ein Zehnfach-Magazin für insgesamt 800 Laufmeter Kanten ohne mühsamen Wechsel sowie das CombiMelt-Verleimsystem.

Exakte Kanten mit Nullfuge

An der Spitze der Tischlerei steht ein Familientrio: Monika, Florian und Josef Mayrhofer.

In der Mühlviertler Tischlerei verarbeitet man ausschließlich PUR-Klebstoffe. Mayrhofer: „Besonders mit dieser Maschine von Ott kann man nahezu unsichtbare Ergebnisse, also eine Nullfuge, erzielen, welche auch hitze- und wasserbeständig ist. Der Klebstoff lässt sich sparsam dosieren und ist nach dem Aushärten eine langlebige und beständige Verbindung zwischen Werkstoff und Kanten. Für uns einfach ein klares Qualitätsmerkmal, etwa bei Feuchte und Dampf, was speziell für Küchen- und Badmöbel wichtig ist.“ 

Perfekte Organisation im Kantenlager

Interessant bei Mayrhofer ist auch das Kantenlager, das dafür sorgt, dass fast in Sekundenschnelle immer die richtige Kante exakt am richtigen Ort ist. Das Kantenlager ist chaotisch organisiert, jede Rolle hat ein eigenes Fach, welches, weiß nur der Computer. Werden neue Kanten angeliefert, klebt ein Mitarbeiter ein Barcode-Etikett drauf und lagert sie ein. Damit sind sie digital im PPS-System hinterlegt, der genaue Lagerstand der vielen verschiedenen Kanten ist sofort bekannt. Ist für einen Auftrag zu wenig Kante da, wird eine Bestellung ausgelöst. Nach jedem Werkstückdurchlauf wird die Restlänge aktualisiert, die Kante wieder in ein beliebiges Fach eingelagert.
Bei Mayrhofer ist man mit der ausgeklügelten Kantenlösung sehr zufrieden: „Ott als Spezialist für das Kantenanleimen hat uns bei Detailfragen sehr gut unterstützt und sich wirklich viel Zeit genommen, um genau herauszuarbeiten, was wir brauchen.“ 

Links: Tischlerei Mayrhofer

Paul Ott GmbH

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