„Gutes Leben neben Covid-19 möglich“

Geschäftsführer Markus Kerbler im Interview.

08.05.2020
Metall
Theresa Kopper
© beigestellt

"Wir haben seit Beginn der Krise einen Nachfragerückgang je nach Branche zwischen 10 und 20 Prozent", sagt Markus Kerbler, Geschäftsführer Kloeckner Metals Austria. Trotzdem ist er für die Zukunft zuversichtlich.

Wie ist aktuell die Stimmung bei Ihnen und Ihren Kunden?

Uns geht es den Umständen entsprechend gut. Wir haben uns an die aktuelle Situation angepasst und können mit ihr relativ gut umgehen. Wir sind also nach wie vor positiv gestimmt.

Die Stimmung bei unseren Kunden ist branchenabhängig, aber allgemein betrachtet sind unsere Kunden sehr gut aufgestellt und nehmen diese neue Situation gut an.

Was waren in den letzten Wochen die größten Herausforderungen für das Unternehmen?

Wir mussten am Anfang der Krise sehr schnell auf die aktuellen Gegebenheiten reagieren und sofort Maßnahmen setzen. Ich würde dies aber weniger als Herausforderung bezeichnen, viel mehr war es eine neue Situation, die eben auch neue Maßnahmen verlangte. Der Schutz unserer Mitarbeiter hat hier oberste Priorität.

Welche Maßnahmen haben Sie denn in dieser Krise gesetzt?

Wir haben unsere Belegschaft in zwei Teams aufgeteilt, die seit Beginn der Krise zu unterschiedlichen Zeiten und räumlich getrennt voneinander arbeiten. Die Büromitarbeiter haben wir ins Homeoffice geschickt. Hier konnten wir unseren Digitalisierungsvorsprung sehr gut nutzen. Wir sind nach wie vor bestens miteinander vernetzt. Tägliche Skype Besprechungen wurden abgehalten. Der Kontakt mit dem Kunden blieb weiterhin aufrecht. Unsere LKW-Fahrer arbeiten ebenfalls unter besonderen Anordnungen. Neben der Bereitstellung von Desinfektionsmittel haben wir zudem Masken nähen lassen, die wir all unseren Mitarbeitern kostenlos zur Verfügung stellen.

Gab es in den letzten Wochen einen spürbaren Nachfragerückgang?

Wir haben seit Beginn der Krise einen Nachfragerückgang je nach Branche zwischen 10 und 20 Prozent. Das wird sich wohl auch in den nächsten Monaten kaum ändern.

Nehmen Sie Kurzarbeit in Anspruch oder überbrücken Sie die Zeit mit Urlaubsabbau?

Beides. Anfangs haben wir natürlich auch Urlaub und Überstunden abgebaut. Mit Anfang Mai haben wir nun 80 Prozent unserer Mitarbeiter für die Kurzarbeit angemeldet. Das Arbeitspensum der Mitarbeiter in Kurzarbeit beträgt derzeit 65%. Wir haben versucht sehr sozial zu handeln und ich bin mir sicher, dass ist uns auch gelungen.

Ist es Ihnen auch gelungen in den letzten Wochen die Lieferkette aufrecht zu erhalten?

Hier gibt es zwei Punkte zu unterscheiden. Da wir so gut wie alle Materialien aus Europa beziehen, waren wir von Lieferprobleme aus Asien nicht betroffen. Aufgrund der dramatischen Situation in Italien und dem Shutdown des Landes, hatten wir kurzfristig mit einigen Importproblemen aus dem Nachbarland zu kämpfen. Intern konnten wir aber auch dies sehr gut abfedern und den kurzfristigen Lieferstopp mit unserem gut befüllten Lager ausgleichen. Unsere Kunden haben davon also nichts mitbekommen und konnten stets pünktlich beliefert werden. Die hervorragende Lieferperformance wird auch zukünftig so bleiben, unsere Kunden brauchen sich keine Sorgen zu machen.

Sie rechnen also auch in Zukunft nicht mit Materialengpässen?

Nein, wir benötigen im Jahr ca. 35.000 Tonnen an Aluminium, Edelstahl und Buntmetallen. 98 % davon kaufen wir in Europa ein. Dementsprechend nah dran sind wir auch an unseren produzierenden Werkspartnern und in ständiger Abstimmung mit diesen. Sollte es also zu dem unwahrscheinlichen Fall von Engpässen kommen, sollten wir dies durch entsprechende vorausschauende Planung abfangen können. Wir sind hier auch im ständigen Austausch mit unseren Kunden und passen unsere Bedarfe dementsprechend an.  Ich bin davon überzeugt, dass ein gutes Leben neben Covid-19 durchaus möglich ist.

Sie blicken also positiv in die Zukunft?

Ja, auf jeden Fall. Natürlich ist der Nachfragerückgang nicht schön. Aber ich rechne mit einer deutlichen Erholung im nächsten Jahr. Insofern gibt es im Moment keinen Grund all zu pessimistisch zu sein. Im Gegenteil, in der Krise haben wir einige Prozesse verändert, vor allem im Bereich der digitalen Transformation, das macht uns noch stärker. ​

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