Die Metallbearbeitungs-Spezialisten

Metalltechnik
24.04.2014

Von: Redaktion Metall

KR Wilhelm Seidl, Berufsgruppenvorsitzender der Metalldesigner in der Metalltechnikinnung Wien, stellt im Gespräch mit METALL seinen Berufsstand vor.

Mit Körperkraft, Hebeln und Werkzeugen wird eine rotierende Blechscheibe über die Form gedrückt.

KR Wilhelm Seidl (li.), Berufsgruppenvorsitzender der Metalldesigner, und der Wiener Landesinnungsmeister KR Georg Senft. Das Werkstück ist Basis für einen Meisterschaftstrophäe.

Wilhelm Seidl ist Metalldrücker mit Leib und Seele. Er betreibt in dritter Generation einen Handwerksbetrieb in einem schönen alten Gewerbehof im 6. Wiener Gemeindebezirk. Seit rund 15 Jahren ist Seidl in der Wiener Innung an führender Stelle aktiv: Zuerst als Innungsmeister der Metalldesigner und seit der Zusammenlegung der Metalltechnikberufe im Jahr 2010 ist Seidl Innungsmeister-Stellvertreter und Berufsgruppenvorsitzender für die Metalldesign-Berufe.

Was ist Metalldesign?
Der Beruf des Metalldesigners beschreibt vier verschiedene, historisch gewachsene Handwerke: Metalldrücker, Gürtler, Graveure und Ziseleure. Diese früher eigenständigen Innungen schlossen sich vor etwa 15 Jahren zur Berufsgruppe der „Metalldesigner“ zusammen, auch die Stempelmacher (Flexografen) wurden integriert. Flexografen hatten ursprünglich viel mit Metallguss zu tun, heute sieht die Praxis des Stempelmachers allerdings anders aus. Ebenso hat sich das Berufsbild der Graveure durch den Einzug von Computer und Maschine stark geändert. Die traditionelle Handgravurtechnik mit dem Stichel beherrschen heute nur noch einzelne Betriebe. Den Lehrberuf Graveur gibt es noch, die Lehrabschlussprüfung reicht als Befähigungsnachweis zur Selbstständigkeit, denn die Meisterprüfung gibt es nicht mehr.

Metalldrücker
Sehr wohl zählt die Meisterprüfung hingegen bei den Metalldrückern und Gürtlern. Der Metalldrücker stellt runde Hohlkörper aus Blech her. Dabei werden unter „Blech“ alle Metalle, von Kupfer über Aluminium, Messing, bis hin zu Eisen etc., verstanden, die dünn genug sind (maximal circa 2 mm), um sie noch mit manueller Kraft bearbeiten zu können. Der Metalldrücker muss auch den Beruf des Holzdrechslers beherrschen. Denn die Formen, über die das Metallblech gedrückt wird, müssen vorher gedreht beziehungsweise gedrechselt werden. Formen können aus Holz, Kunststoff oder – für größere Stückzahlen – aus Stahl sein.
Die rotierende Blechscheibe wird mit entsprechenden Werkzeugen und Hebeln händisch an die Form gedrückt. Industriell auf CNC-gesteuerten Maschinen hergestellte Metalldrückererzeugnisse machen nur in großer Serie Sinn oder wenn das Ausgangsmaterial für Handwerkerkräfte zu dick ist.

Gürtler
Auch der Gürtler ist ein eigener Lehrberuf mit Lehrabschluss und Meisterprüfung. Beiden Gürtlern gibt es zwei oder drei Kategorien: eine Richtung ist auf Beleuchtungskörper spezialisiert – im Volksmund „Luster-Gürtler“ genannt. Unter die Tätigkeiten des Gürtlers fallen Biegen, Kanten, Abschleifen, Löten usw. Die Bezeichnung „Gürtler“ stammt übrigens daher, dass dieser Beruf ursprünglich die Schnallen und Beschläge für Pferdegurte, Sättel und Zaumzeug herstellte.
Die zweite Sparte der Gürtler sind die „sakralen Gürtler“. Diese erzeugen zum Beispiel Monstranzen, Tabernakel und andere kirchliche Gegenstände. „Der Gürtler ist hier ein Zwischenglied zwischen Schlosser und Goldschmied“, erklärt Wilhelm Seidl.

Unter Ziseleur wiederum versteht man jenen Beruf, der Gussprodukte quasi endfertigt. Da muss gefeilt werden, entgratet, geglättet etc., damit zum Beispiel ein Türdrücker am Ende so aussieht, wie er aussehen soll.

Metallgießer
Eine weitere, sehr kleine Gruppe sind die Metallgießer. Heute gibt es davon in Wien nur noch fünf Mitgliedsbetriebe. Der Metallgießer ist in der Zwischenzeit ein freies Gewerbe geworden, eine Ausbildung als Former und Gießer ist weiterhin möglich und auch anzuraten. Metallgießer stellen Lusterteile, kleine Bronzefiguren, Türdrücker, Türschilder, Silberbesteck, Silberschmuck u. Ä. im Schleuderguss her. Vielfach werden auch Einzelanfertigungen für Künstler gegossen.
Größere Objekte wie Skulpturen werden oft im Sandgussverfahren hergestellt, können allerdings auch im Wachsschmelzverfahren produziert werden. Die Verarbeitung von Buntmetallen wie Messing, Bronze, Aluminium, Silber und anderen Metallen gehört ebenso zu den Tätigkeiten der Metallgießer. Danach gehen die Stücke zum Gürtler (oder Ziseleur) und zum Galvaniseur bzw. Metallschleifer, die den Guss ausarbeiten bzw. die Oberfläche entsprechend behandeln.

Kleine, feine Gruppe
Nachdem all diese Berufe vor einigen Jahren in die Gruppe der Metalldesigner zusammengeführt worden waren, ist die Berufsgruppe im Zuge der letzten Kammerreform wiederum in die Metalltechnikerinnung integriert worden. Aktuell stellen Metalldesigner innerhalb der Wiener Metalltechnikerinnung gut 10 bis 15 Prozent der Mitgliedsbetriebe. Dennoch sind die einzelnen
Gewerbe rar geworden: „Die Metalldrücker etwa zählen in Wien nur noch fünf einschlägige Betriebe, wobei jeder einzelne sein Spezialgebiet hat und wir untereinander ein sehr kollegiales Verhältnis pflegen“, so Seidl.

Ausbildungswege
„In Sachen Lehrlinge ist die Situation auch bei den Metalldesignern angespannt“, sagt Wilhelm Seidl im Gespräch mit METALL. Bei Gürtlern und Graveuren sei die Lehrlingsnachfrage zwar etwas besser als bei den Metalldrückern, aber eher in den Bundesländern und nicht im Wiener Raum. Eine eigene Berufsschulklasse geht sich in Wien schon länger nicht mehr aus, sodass die Metalldesign-Lehrlinge gemeinsam mit den Azubis aus ganz Österreich die Berufsschule in Neunkirchen/NÖ, wo sie später auch die Lehrabschlussprüfungen ablegen, besuchen.
„Neunkirchen ist eine sehr moderne Schule mit modernster Einrichtung. Die Lehrlinge bekommen dort wirklich auch technisch umfassendes Wissen vermittelt“, erklärt Seidl die Vorteile. Dennoch: Aus ganz Österreich zusammen sind es derzeit weniger als zehn Lehrlinge, die hier ihren Berufsschulblock absolvieren. [gr]

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