Schweißrauch

Die direkte Absaugung

Praxis
24.08.2021

Von: Redaktion Metall

Kann man mit Absaugbrennern gut schweißen? Bei einem holländischen Unternehmen funktioniert das.

In den Brenner integrierte Absaugsysteme sorgen direkt am Schweißpunkt für eine saubere Hallenluft, versichern die Anbieterunternehmen. Das Bild der zusätzlichen unhandlichen Erfassungselemente am Brenner wandle sich, versichert etwa der deutsche Hersteller von Absaug- und Filteranlagen Kemper.

Einer von Kempers Kunden ist die holländische Firma Aebi Schmidt Nederland B.V., bei der mehrere VacuFil-Systeme von Kemper für die Luftreinhaltung verantwortlich sind. Die Qualität der Hallenluft habe sich bereits vorher auf einem akzeptablen Niveau bewegt, doch immer scharf entlang der maximalen gesetzlichen Bestimmungen. Das Unternehmen wollte diese ständige Gratwanderung beenden und die Luftqualität weiter verbessern, um die Gefahrstoffkonzentration insbesondere in der Schweißerei noch weiter unter die vorgeschriebene Grenze von 1 mg/m³ zu drücken.

„Ein Fokus lag auf der Verbesserung der Arbeitsbedingungen, und die Luftqualität war dabei eines der zentralen Themen“, betont Facility Manager Steven Koenderink. Gefahrstoffe mit lungenbelastender, toxischer oder gar krebserzeugender Wirkung – eben solche, wie sie vor allem beim eingesetzten MIG/MAG-Schweißverfahren für die Herstellung der stahllastigen Anbauteile in großen Mengen entstehen – sollten ganz aus der Produktion verbannt werden. Die steigende Nachfrage der vergangenen Jahre hatte ein Mehr an Schweißarbeiten generiert. Aebi Schmidt hatte sich zu einem weltweit führenden Anbieter von Systemen zur Reinigung und Räumung von Verkehrsflächen und Pflege von Grünflächen entwickelt und wollte seine Geschichte mit gesunden und zufriedenen Arbeitskräften fortschreiben. Saubere Hallenluft bzw. die Gesundheit von Beschäftigten spielen als Teil des Arbeitgeberimages im Wettbewerb um die besten Fachkräfte eine immer wichtigere Rolle. Als Anbieter für Absaugtechnik hat sich am Ende die deutsche Kemper GmbH durchgesetzt. „Vor allem wegen der positiven Testerfahrungen und der umfassenden Beratung im Zuge unserer Entscheidungsfindung“, erklärt Koenderink.

Mobile Absauggeräte

Die definierten Anforderungen lauteten: möglichst saubere Hallenluft im Einklang mit den Bedürfnissen der Produktion. So sollten die Erfassungssysteme für die beim Schweißen entstehenden Gefahrstoffe einerseits effektiv absaugen und andererseits die Flexibilität in der Produktion erhalten. Ein vorgegebenes Budget definierte den Rahmen für die Investition in den Arbeitsschutz. Entlang dieser Vorgaben schnürte Kemper ein individuelles Arbeitsschutzkonzept für den holländischen Betrieb. Um mögliche Anpassungen des Schweißerei-Layouts zu ermöglichen, wird dabei auf mobile Absauggeräte gesetzt. Empfohlen hat Kemper die Schweißrauchabsaugung mittels Hochvakuum-Systemen mit angeschlossenen Absaugbrennern. Das kombiniere den Vorteil der direkten Erfassung des Schweißrauchs an der Entstehungsstelle mit der zwangsweisen Nachführung der Erfassungselemente beim Schweißen.

Die auch bei Aebi Schmidt vorhandene Skepsis gegenüber den angeblich „unhandlichen“ Brennerabsaugsystemen ist nach einer umfassenden Testung verschwunden. Nach wenigen Tagen waren die Holländer vom eingesetzten Hochvakuum-System „VacuFil 250“ überzeugt und orderten gleich mehrere Geräte für insgesamt 26 Arbeitsplätze.

Wichtig ist dabei auch die Abstimmung der Absaugleistung, damit der Schweißrauch optimal erfasst wird, ohne den Schutzgasmantel zu zerstören. Über eine Absaugdüse im Brenner saugt das System die Gefahrstoffe an der Entstehungsstelle ab. Selbst bei hoher Schweißintensität saugen die VacuFil-250-Geräte im Dauerbetrieb große Rauch- und Staubmengen mit einer Leistung von maximal 250 m³/h ab. Durch die speziellen KemTex ePTFE Filterpatronen mit Oberflächenfiltration scheiden die Systeme permanent mehr als 99,9 Prozent der erfassten Schweißrauchpartikel ab. Selbst Teilchen kleiner als 0,1 µm haben keine Chance, wieder in die Hallenluft auszuströmen.

Bessere Luftqualität

Dank dieser konkreten Arbeitsschutz-Maßnahmen habe sich die Hallenluft nach Einschätzung von Aebi Schmidt nachhaltig gebessert: „Unsere Schweißer sind sehr zufrieden mit der verbesserten Luftqualität. Wir sind immer wieder verblüfft, wie viele schädliche Gefahrstoffe die Systeme tatsächlich erfassen, wenn wir die Staubsammelbehälter wechseln“, sagt Koenderink. Dadurch sei das Bewusstsein für die eigene Gesundheit beim Schweißen gestiegen. Und selbst das Handling der als schwerfällig verschrienen Absaugbrenner gehe den Schweißern heute ganz leicht von der Hand. [gr]

Absaugbrenner: Je näher desto besser

Werden Rauch und Schadstoffe direkt an der Entstehungsstelle abgesaugt, können sie nicht in den Atembereich der Schweißperson gelangen - und danach auch nicht weiter in die Halle ausströmen. Allerdings gibt es einen Haken: Die Absaugleistung muss individuell auf jeden Brenner ausgelegt werden, um den Schweißprozess nicht zu stören. Dies ist abhängig von verschiedenen Brennerparametern. Um mehr Transparenz für diese für die Brennerabsaugung sehr relevanten Parameter zu schaffen, hat der Deutsche Verband für Schweißen und verwandte Verfahren e.V. (DVS) jüngst einen Aufruf gestartet: Brennerhersteller sollen demnach ihre Daten auf einer eigens dafür geschaffenen Plattform frei zugänglich machen. Kemper hat seinerseits auf einem eigenen Messstand schon mehr als 100 Brennertypen verschiedener Hersteller vermessen und damit eine Datenbank aufgebaut, die Bestandteil der Hochvakuum-Produktserie VacuFil i ist. Diese Geräte stellen auf Knopfdruck die richtige Absaugleistung zum eingesetzten Brenner bereit und regeln diese während des Betriebes automatisch passend nach.

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