Mit einem Schlag getrennt

Stanzmaschinen zählen in Schlosserei- und Metallbaubetrieben zu den kraftvollen Standardmaschinen. Ein Überblick über Hersteller und aktuelle Produkte von METALL-Fachredakteur Gernot Wagner.

17.06.2018
Blechtechnik
© Amada

Stanzmaschinen fertigen wirtschaftlich und mit hoher Flexibilität.

Die Stanztechnologie hat sich in den vergangenen Jahren stetig weiterentwickelt. Die Hersteller bieten variantenreiche, multifunktionelle, hydraulisch oder servoelektrisch betriebene Maschinen für praktisch jede Teilevielfalt und Losgröße – von der Einzelfertigung bis hin zu großen Serien, für die kleine Schlosserei ebenso wie für große Metallbau- oder Lohnstanzbetriebe. Es lassen sich Blechtafeln in den handelsüblichen Größen vom Klein- bis zum Großformat schnell und präzise bearbeiten. Je nach Werkstoff – Stahl, Edelstahl, Aluminium, Kupfer – bis zu 8 mm dick. Dabei jagt der Stempel mit „sanften“ rund 170 bis zu wuchtigen 2500 kN und teilweise weitaus mehr auf die Blechtafeln und trennt ab „gemächlichen“ fünf bis hin zu rasanten 2000 Hüben pro Minute die Teile aus dem Material, wobei man mit freiem Auge dem Stanzvorgang nicht mehr folgen kann.

Wenn zusätzliche Funktionen integriert sind, wie Biegen, Laserschneiden, Nibbeln oder Gewindeformen, kann man zeitsparend und komplett auf einer einzigen Maschine fertigen. Das Rüsten, Beladen, Ausschleusen und sortieren der Teile lässt sich mittlerweile „intelligent“ automatisieren. Für die Stanzwerkzeuge empfehlen sich erstklassige Stähle, auch wenn das eine sehr teure Angelegenheit sein kann, nicht selten viele tausend oder zehntausend ­Euro kostet. Doch präzise Teile, lange Standzeiten und hohe Wiederholgenauigkeiten auch nach Millionen von Stanzvorgängen sind dafür die „Belohnung“. Allerdings sind Werkzeuge von der preisgünstigen Variante bis hin zur Premiumklasse zu haben, entweder aus einem standardisierten Werkzeugbaukasten oder als individuelle Sonderlösung.

Um die Stanzbearbeitung zu optimieren und zu erleichtern, darf selbstverständlich die entsprechende Software nicht fehlen. So bieten die Hersteller zu den komforta­blen intuitiv bedienbaren Touchscreens oder mobilen Bedientablets „schlaue“ Programme an zur Konstruktion und Stanzüberwachung. Teilweise sind auch Apps verfügbar, über die man tausende bereits realisierte Fertigungslösungen abrufen kann. METALL gibt nachfolgend einen Überblick über das aktuelle Angebot, wobei die Hersteller praktisch für alle Investitionsvolumina und Auftragslagen die richtigen Maschinen im Programm haben.

© Bruderer

Hochleistungs-Stanzautomaten eignen sich ideal für die Massenfertigung von Kleinteilen.

Die Anbieter

Die Historie der Amada Stanztechnologie beginnt Anfang der Siebziger Jahre mit der ersten Stanzmaschine, Jahrzehnte später folgt die erste Hochgeschwindigkeits-Stanzmaschine, danach kompakte Stanzmaschinen mit einfachem servoelektrischen Antrieb. Der japanische Konzern, mit regionaler Niederlassung im niederösterreichischen Ternitz, zählt weltweit zu den größten Maschinenherstellern für die Blechbearbeitung und bietet aktuell kompakte Einsteiger-Stanzmaschinen für Mittel- und Großformate mit servoelektrischen Antrieben zum Stanzen und Formen besonders großer Geometrien. Ebenso hat das Unternehmen Kombimaschinen zum Stanz-Lasern im Programm.

Bereits vor gut sechzig Jahren stellte der im Süden Bayerns ansässige Maschinenbauer Bihler den weltweit ersten Stanzbiegeautomaten vor. Heute kann Bihler für den großen, aber auch hart umkämpften Markt der Stanzbiegeteile eine ansehnliche Bandbreite von mechanischen bis servogesteuerten Stanzbiegemaschinen anbieten für die Fertigung von einzelnen Bauteilen sowie Produktions- und Montagesysteme für ganze Baugruppen in sämtlichen Losgrößen. Die flexibel einsetzbaren Automaten zeigen vor allem bei Stanzbiegeteilen im Bereich dünner, hochfester Stahlbleche ihre Stärken. Für hochpräzise Stanzbiegeteile aus Draht hat Bihler ebenfalls leistungsstarke Stanzbiegeautomaten im Programm.

Aus einem kleinen Handwerksbetrieb in Baden-Württemberg im südlichen Schwarzwald entwickelte sich das mittelständische Unternehmen Boschert, das seit Ende der Siebziger zuerst manuelle und heute hochkomplexe Stanzmaschinen mit automatischem Werkzeugwechsel und auch Stanz-Laser-Kombimaschinen produziert. Des Weiteren hat man noch zwei spezielle Lösungen parat: Zum einen eine CNC-Stanzmaschine mit integriertem Bolzenschweißen und zum anderen eine Baureihe, die drei Prozesse in einer einzigen Maschine erledigt: Stanzen, Biegen und Scheren. Damit lassen sich beispielsweise Schaltschrank-Schienen aus Kupfer und Aluminium in einem Arbeitsprozess komplett fertigen.

Das Sortiment des Schweizer Herstellers Bruderer, in Österreich vertreten durch Schirnhofer, umfasst mehrere abgestufte Hochleistungs-Stanzmaschinen, ­deren speziell entwickeltes Hebelsystem die durch den Stanzprozess auftretenden großen Lasten gleichmäßiger verteilt, was entscheidend für eine hohe Langlebigkeit und gleichbleibende Präzision der Stanzautomaten sorgt. Eine weitere interessante Entwicklung ist ein Stanzautomat mit festem Hub, der ideal für die Massenfertigung von Kleinteilen im Elektroniksektor prädestiniert ist. Laut eigenen Angaben kann der Anwender mit dem Festhub-Stanzautomaten im Vergleich zum verstellbaren Hub bis zur Hälfte mehr Geschwindigkeit herausholen. Dafür steht andererseits eben nur jeweils eine Hublänge zur Verfügung.

© Hesse

Hydraulische Stanzmaschine für den kostengünstigen Einstieg.

In Bayreuth produziert der mittelständische Maschinenbauer ebu Umformtechnik, in Österreich durch Welebil vertreten, der sich auch auf Stanzautomaten fokussiert hat. Die Maschinen sind prädestiniert zum Verarbeiten von Coil-, Streifen- oder Platinenmaterial im Automatikbetrieb genauso wie zur Fertigung von Einzelteilen im manuellen Betrieb. Erweitert sich das Teilespektrum, kann der Stanzautomat nach individuellen Bedürfnissen modular bis zur vollautomatischen Anlage inklusive Zuführtechnik ausgebaut werden. Die Stanz-Baureihen mit ihren hohen Presskräften sind speziell für Zulieferfirmen im Bereich Automotive, Befestigungs- und Beschlagtechnik sowie auch für klassische Lohnstanzereien interessant.

Bei Hesse in Wiener Neudorf findet man kostengünstige hydraulische Stanzmaschinen des spanischen Herstellers Geka und ebenso servogesteuerte Stanz-Nibbelmaschinen des türkischen Herstellers Durma, womit sich sehr viele Blechverarbeitungen abdecken lassen.

Die Produktpalette von Prima Power ist breit gefächert. Der italienische Maschinenhersteller, dessen regionale Niederlassung sich im oberösterreichischen Grieskirchen befindet, deckt mit mehreren servoelektrischen multifunktionellen Produktlinien die Prozesse Stanzen, Lasern, Scheren, Biegen sowie die dazugehörige Automatisierung ab.

Mit den modular aufgebauten Schnellstanzautomaten von Schuler lassen sich vorrangig sehr große Serien kleiner Bauteile mit geringem Schnittspalt zu optimierten Stückkosten fertigen. Darunter fallen etwa alle Arten von technischen Scheiben, speziell mit höherer Festigkeit und aus dickerem Material.

Trumpf, einer der weltweit größten Anbieter von Werkzeugmaschinen, mit Niederlassung im oberösterreichischen Pasching, bietet im Bereich Stanzen mehrere abgestufte Modelle, die bereits für Einsteiger inte­ressant sind, die mit hoher Flexibilität auch kleine Aufträge wirtschaftlich und schnell fertigen können. Die individuell erforderlichen Stanzwerkzeuge können mittlerweile auch online geordert werden. Alle Modelle lassen sich zu kombinierten Stanz-Lasermaschinen aufrüsten und ebenso mit Handling- und Sortiersystemen automatisieren sowie mit Software für die vernetzte Produktion ausstatten.

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