Schutzmaßnahmen

Maskenpflicht auf der Baustelle

Laute Proteste aus Bau- und Baunebengewerben begleiten die neu verordnete MNS-Pflicht bei Arbeiten im Freien.

10.02.2021
Covid-19
11.02.2021
© Fatay/GettyImages

In der jüngsten Covid-19-Schutzmaßnahmenverordnung (PDF) der österreichischen Bundesregierung wurde der Hinweis auf „geschlossene Räume“ gestrichen. Und zwar ohne Vorankündigung und Vorbegutachtung, beklagt unter anderen die nö Landesinnung Metalltechnik in ihrer jüngsten Aussendung. Dadurch gelte bei Arbeiten im Freien zusätzlich zum 2-Meter-Abstand ebenfalls die Pflicht, einen Mund-Nasen-Schutz Maske (MNS) zu tragen.

„Massive Beeinträchtigung“

Die Verordnung hat in allen betroffenen Berufsvertretungen vehemente Proteste ausgelöst. Die Verschärfungen seien kurzfristig und „völlig überraschend“ hinzugefügt worden, klagt die Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer. Angesichts des deutlich geringeren Infektionsrisikos bei Arbeiten im Freien und des erst kürzlich verdoppelten Mindestabstandes von zwei Metern sei die neue Vorgabe auch in der Sache völlig überzogen, sagt Spartenobfrau Renate Scheichelbauer-Schuster. „Baustellen-Mitarbeiter*innen werden dadurch massiv beeinträchtigt, insbesondere jene, die besonders schwere körperliche Tätigkeiten verrichten.“

„Völlig überzogen!“ Spartenobfrau Renate Scheichelbauer-Schuster über die MNS-Pflicht auf Baustellen.

© WKO/Nadine Studeny

MNS, aber nicht FFP2

Das Gesundheitsministerium bemüht sich wiederum klarzustellen, dass entgegen anderslautender Gerüchte halte man fest, dass es „keine Verpflichtung für FFP2-Masken am Arbeitsplatz, weder in geschlossenen Räumen noch im Außenbereich“, gebe. Allerdings gelte die Pflicht zum Tragen eines einfachen Mund-Nasen-Schutzes – auch auf Baustellen, erklärte das Gesundheitsministerium gegenüber der APA.

„Nicht nachvollziehbar“

Auch der Fachverband Metalltechnische Industrie hat die MNS-Pflicht im bei Arbeiten im Außenbereich kritisiert. Das sei „überschießend und sachlich nicht nachvollziehbar“, schreibt Fachverbandsobmann Christian Knill in einer Aussendung. Das Infektionsrisiko sei bei Arbeiten im Freien und durch die Einhaltung des Mindestabstandes deutlich geringer als in Innenräumen. Monteure und Techniker würden durch diese Regelung massiv belastet, so Knill. 

„Überschießende Maßnahme!“ FMTI-Obmann Christian Knill

© FMTI/Karl Schrotter

Schriftlicher Appell an Rudolf Anschober

Die Bundesinnung Bau und der Fachverband der Bauindustrie haben deswegen am 4. Februar sogar einen Brief an Bundesminister Rudolf Anschober geschrieben.  Bundesinnungsmeister Robert Jägersberger, Fachverbandsobmann Peter Krammer und Geschäftsführer Michael Steibl appellierten an das Bundesministerium, die generelle MNS-Pflicht bei Arbeiten im Freien noch einmal zu überdenken. Gleichzeitig bekräftigten sie, bei allem Unmut über die neuen Vorgaben, die Bereitschaft der Baubranche vernünftige und wirksame Maßnahmen zur Minimierung des Infektionsrisikos auf Baustellen mitzutragen und zu unterstützen. Dennoch sind sie mit ihrer Bitte bis dato bei Bundesminister Rudolf Anschober auf taube Ohren gestoßen. Dem Vernehmen nach wird es in der Sache jedoch Verhandlungen geben. Die Bau-Sozialpartner hoffen darauf, dass eingelenkt wird. [gr/ar/apa]

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