Autolack

Der Lack entscheidet

Lack- und Anstrichmitteltechnik
22.06.2021

Aktualisiert am 22.06.2021

Beim Autokauf spielt die Fahrzeugfarbe eine nicht unerhebliche Rolle. Autolacke sind somit die heimlichen Entscheidungsträger.

Wie wichtig Farbe in unser aller Leben ist, brauchen wir Ihnen nicht erzählen. Dennoch beeindruckend ist das Ergebnis einer aktuellen Studie: Die Fahrzeugfarbe spielt bei 88 Prozent der Kaufentscheidungen eine zentrale Rolle. Axalta, weltweiter Anbieter von Flüssig- und Pulverlacken, hat seine Verbraucherstudie 2021 zu Vorlieben bei Autofarben (Automotive Color Preferences 2021) veröffentlicht. Sie untersucht die Beziehung zwischen Farbe und Kaufentscheidungen bei Autokunden. Von den mehr als 4.000 Teilnehmern im Alter von 25 bis 60 Jahren in vier der größten Fahrzeugherstellerländern – China, Deutschland, Mexiko und den USA – gaben 88 Prozent an, dass die Fahrzeugfarbe bei ihren Kaufentscheidungen ein Schlüsselfaktor sei.

„Die Psychologie der Farbe hat einen erheblichen Einfluss auf den Fahrzeugkauf. Häufig spiegelt die Farbe die Persönlichkeit des Fahrzeugbesitzers wider“, sagt Nancy Lockhart, Global Color Manager bei Axalta Mobility Coatings. „Interessant hierbei ist, dass die von den Befragten überwiegend gewünschten Farbeigenschaften Eleganz, Stabilität und Positivität sind.“

Die Studie setzt sich mit der Fragestellung auseinander, welche Farben Verbraucher für ihre Fahrzeuge bevorzugen, um so mögliche zukünftige Trends zu verstehen. Während Autokäufer eine Vielzahl von Farben favorisieren oder sie sich wünschen, bestehen von Land zu Land Unterschiede in Bezug auf die individuellen Vorlieben.

Zudem wurden in der Studie die Vorlieben für Lackierungen und Farbeffekte ausgewertet. Hochglanzlackierungen werden in allen befragten Märkten mit Ausnahme von China eindeutig bevorzugt. In China zeigen die Ergebnisse eine nahezu gleichmäßige Aufteilung zwischen Hochglanz- und Mattlackierungen. Die Vorlieben bei Farbeffekten fallen in den befragten Märkten nicht so einheitlich aus wie die Ergebnisse bei den Präferenzen im Bereich Lackierung. Unifarbene Effekte stellen bei den Befragten in den USA und China die erste Wahl dar, während deutsche Umfrageteilnehmer Perlmuttfarbtöne bevorzugen und in Mexiko raue Metallic- sowie Perlmuttfarbtöne die beliebtesten Farbeffekte sind.

Axalta entwirft Farben, um den Bedürfnissen von Autokäufern auf der ganzen Welt gerecht zu werden. Die sich stets ändernde Dynamik bei den Farbvorlieben zwischen Ländern und Fahrzeugtypen wird untersucht, um Trends für zukünftige Modelle am besten voraussagen zu können. „Die Entwicklung einzigartiger und neuer Farben, die den Anforderungen der Marken unserer Kunden sowie den Vorlieben ihrer Verbraucher entsprechen, ist ausschlaggebend für das Verständnis von Markttrends. Es ist sehr spannend zu sehen, wie kräftigere Farben bei den Verbrauchern immer beliebter werden. Rot- und Blautöne werden eindeutig zunehmend populärer. Es ist gut möglich, dass wir in nicht allzu ferner Zukunft auf den Straßen mehr Farben mit brillanten Effekten sehen werden“, so Lockhart.

Farbe der Wahl

Seit sechs Jahren steht Axalta den am MotoStudent-Wettbewerb teilnehmenden Ingenieursteams der Universität von Oviedo mit Lacken, technischer Unterstützung und praktischem Rat zur Seite. In diesem Jahr ist das Elektromotorrad mit Standox, Axaltas globaler Premium Reparaturlackmarke, lackiert. Damit werden die an der Meisterschaft teilnehmenden Studenten unterstützt. Bei der MotoStudent sind Universitätsstudenten aus aller Welt aufgerufen, Motorrad-Prototypen in einer von zwei Kategorien – MotoStudent Petrol und MotoStudent Electric – zu konstruieren und zu bauen.

Die Autofarbe des Jahres 2021 – ElectroLight – ist vom Team Wolfast Uniovi der spanischen Universität Oviedo für die Lackierung seines zukunftsweisenden Elektromotorrad-Prototyps ausgewählt worden. Damit nimmt das Team am 6. internationalen Wettbewerb MotoStudent teil. Wolfast Uniovi tritt zum ersten Mal in der Kategorie MotoStudent Electric an, in der die Studenten rein elektrisch angetriebene Motorräder konzipieren, entwickeln und bauen.

Elke Dirks, Axalta OEM Colour Designer für Europa, den Nahen Osten und Afrika: „Es passt sehr gut, dass diese hochtalentierte Gruppe Studierender der Ingenieurswissenschaften ElectroLight für ihr allererstes Elektromotorrad ausgewählt hat. ElectroLight wurde entwickelt, um zukünftigen, technologischen Entwicklungen im Hinblick auf vollständig autonome Fahrzeuge gerecht zu werden. Der Farbton ist eine hervorragende Wahl in den Bereichen Trend und Technologie. Wir freuen uns sehr, dass wir den Studenten unseren neuesten wasserbasierenden Reparaturlack in unserer Autofarbe des Jahres 2021 für dieses innovative E-Motorrad zur Verfügung stellen können.“

Álvaro Noriega González, Professor an der Universität Oviedo und Teamchef: „Wir wissen die Zusammenarbeit mit Axalta sehr zu schätzen. Um ein Projekt dieser Größenordnung zu entwickeln, ist es ist für die Studenten von größter Bedeutung, dass sie Zugriff auf die Innovationen, das Wissen und die Kompetenz haben, die Axalta ihnen bietet. Die Entscheidung für ElectroLight ist uns leichtgefallen. Die Farbe ist nicht nur herausragend und einzigartig, was für uns ein wichtiger Aspekt ist. Die Tatsache, dass sie speziell für die Sensorik im Bereich Mobilität entwickelt wurde, entspricht auch in hohem Maße unseren Zielen, neue Lösungen für die Verbesserung der Motorradsicherheit zu ermitteln.“

Das Finale des internationalen MotoStudent-Wettbewerbs ist für den Zeitraum vom 15. bis 18. Juli 2021 auf der Rennstrecke des MotorLand Aragón in Spanien geplant.

Entwicklung von Fahrzeuglacken

Mit dem Lean Lab hat BASF am Standort Münster ein hochmodernes, modulares Laborkonzept für die Herstellung von Fahrzeuglacken realisiert. Im Vordergrund stehen dabei digitalisierte und transparente Entwicklungsprozesse sowie ein hohes Maß an Ressourceneffizienz. Das Labor bietet optimale Rahmenbedingungen, um den wachsenden Anforderungen auf dem Markt für Fahrzeuglacke noch schneller und flexibler zu begegnen. Einen maßgeblichen Anteil daran haben Lösungen der Timmer GmbH. Im Herzen der Lackentwicklung arbeiten rund 300 Doppelmembranpumpen des Neuenkirchener Unternehmens. Sie sorgen für Prozesssicherheit und Energieeffizienz.

Der Markt für Fahrzeuglacke hat sich in den vergangenen Jahren äußerst dynamisch entwickelt. Technologische Fortschritte und das Bewusstsein für hochwertige Lacke führten zu einer wachsenden Vielfalt an Beschichtungsoptionen. Im Zuge dieser Entwicklung stiegen nicht nur die Komplexität der Produktion, sondern auch die Anforderungen an Qualität und Fertigungsprozesse. Automobilhersteller, Erstausrüster und Zulieferer erwarten heute insbesondere eine hohe Flexibilität. Für Serienlackhersteller sind schnelle Reaktionszeiten bei kurzfristigen Justierungen der Lackformulierung entscheidend, um am Markt zu bestehen. „Der Lack muss zu den Anforderungen der Lackierstraßen passen – nicht andersherum“, so Susanne Richert, Projektmanagerin Standortentwicklung bei BASF in Münster. „Lieferanten müssen deshalb ein umfassendes Wissen aller im Einsatz befindlichen Lacktechnologien vorweisen und auch möglichst alle Fahrzeugserienlackprodukte liefern können – dazu gehören unter anderem die kathodische Tauchlackierung (KTL) als erste Schicht, Füller, Basislacke und Klarlacke.“

Um den aktuellen und künftigen Marktanforderungen schnell und flexibel zu begegnen, aber auch um Arbeitsprozesse noch effizienter, einfacher und transparenter zu gestalten, hat BASF das modulare Laborkonzept Lean Lab ins Leben gerufen. „Mithilfe des Lean Lab konnten wir mehrere innovative Konzepte realisieren. Dazu gehören unter anderem arbeitsteilige Prozessstrukturen innerhalb von Lacklaboren sowie die digitale Erfassung und Steuerung sämtlicher Herstellungsprozesse“, sagt Richert. Mittels einer speziellen Software vernetzt BASF alle eingebundenen Arbeitsbereiche des Labors miteinander, an denen die praktische Probenherstellung erfolgt, und kann dank dieser Vernetzung die gesamte Rohstoffversorgung zentral koordinieren und steuern. Das beschleunigt die Arbeitsabläufe erheblich, da die Rohstoffe immer zeitlich passend an ihren vorgegebenen Plätzen zur Verfügung stehen.

Früher bestand die Entwicklung der Lacke zu einem großen Teil aus Handarbeit. Labormitarbeiter gaben manuell per Pipette bestimmte Mengen an Rohstoffen in die Gesamtmischung, um einen Lack zu erzeugen. Heute passiert das zu einem hohen Grad automatisch. „Im Lean Lab kommt ein speziell für diesen Zweck entwickelter Labordosierautomat zum Einsatz, der wiederkehrende Arbeitsschritte automatisiert“, erklärt Alexander Blaser, verantwortlich für Automatisierung und Digitalisierung im Lean Lab bei BASF in Münster. Ganz konkret bedeutet das: Die Mitarbeiter wählen an der Anlage ein bestimmtes eingespeichertes Produkt aus, das System ruft die entsprechende Rezeptur ab und mischt die Rohstoffe automatisch im präzisen Verhältnis zusammen. So ist die Qualität der Ausgangsmischung gleichbleibend hoch.

Doppelmembranpumpen der Timmer GmbH machen diese Automatisierung möglich. Die zentrale Rohstoffversorgung der mehr als 300 über den Dosierautomaten verfügbaren Dosierstellen findet mittels der Timmer-Pumpen statt. Die Materialien werden über diese Pumpen gefördert, dosiert und regelmäßig umgewälzt. BASF arbeitet für die Entwicklung der Lacke mit mehreren hundert Rohstoffen, die unterschiedliche Eigenschaften aufweisen. „Die zu dosierenden Rohstoffe unterschieden sich stark in ihrem Fließverhalten und der hohen Spannbreite an Viskositäten. Ohne konstante Pumpenleistungen ist eine auf das Gramm genaue Dosierung nicht realisierbar“, sagt Blaser.

Die digitale Vernetzung im Lean Lab, bei der leistungsstarke Pumpentechnologien ein wichtiger Bestandteil sind, führte schnell zu den gewünschten Ergebnissen: BASF konnte die Qualität der Lackproben optimieren und die Effizienzen dazu nutzen, die Geschwindigkeit für den Kunden zu erhöhen.

Virtueller Car Color Configurator

Clariant, weltweit tätiger Pigmenthersteller, hat sein neues Automotive Styling Shades 2025 Trendbook veröffentlicht, einschließlich einer erstmals interaktiven Digitalversion. Das alle zwei Jahre erscheinende Trendbook unterstreicht die im Zuge der Globalisierung weltweit immer einheitlicheren Farbpräferenzen im Vergleich zu vor 20 Jahren. Dabei ist Weiß nach einem Jahrzehnt ununterbrochener Dominanz im Jahr 2020 nach wie vor der beliebteste Farbton. Doch während die Menschen sich infolge der Pandemie rund um den Erdball nach Frohsinn, Schönheit und kulturellem Austausch sehnen, kommt wieder Farbe ins Spiel. „Die 2025er Edition steht unter dem Motto ‚Farbe trifft Kultur‘. Dabei erkundet sie die Inspirationen und Emotionen, die Farbe in unserem Leben auslöst, und bietet eine Vorschau auf brillante Schattierungen und Metallic-Effekte in einer diversifizierten Palette von Farbfamilien“, sagt Bernhard Stengel-Rutkowski, Technical Manager Automotive Coatings bei Clariant. Das Trendbook fasst die Farben in vier Gruppen zusammen: Daily Relaunch – mit stimmungsaufhellenden Tönen für Büropendler; Value-based Culture – sanfte Farben für ein friedliches und nachhaltiges Miteinander auf diesem Planeten; The Fast and the Curious – Schattierungen, die Aufgeschlossenheit und Selbstvertrauen verkünden; und Rainbow Bridge – kräftige Farben, die sich den Weg bahnen und Regeln infrage stellen.

Die organischen Pigmente von Clariant erweitern die Grenzen üblicher Formulierungstechniken und sollen helfen, einige Herausforderungen der Anwendung von Autolacken zu lösen, die durch neue, disruptive Technologien entstehen. Dazu zählen auch die Verbesserung der Reflexion im Nahinfrarot-Bereich, um – grundlegend für die Sicherheit autonomer Fahrzeuge – auch die Detektion dunkler Fahrzeuge mit Lidar-Technik zu ermöglichen, oder die Formulierung brillanter Schattierungen durch Kombination von Metallic-Effekt mit organischen Farbpigmenten.

Farbe per Mausklick

Erstmals veröffentlicht Clariant außerdem eine virtuelle Version des Trendbooks mit einem interaktiven Car Color Configurator, der Kunden die Kollektion von 28 innovativen Trendfarbtönen für Fahrzeuglacke näherbringt. „Die Trendfarben können virtuell ausgewählt und auf unterschiedliche Fahrzeugtypen appliziert werden, vom Sportwagen bis zum Familienvan. Die Fahrzeuge wiederum lassen sich in diversen Umgebungen betrachten, einschließlich freigestellt (Neutral), bei Sonnenuntergang, im städtischen Umfeld (Urban), unter blauem Himmel (Bright) oder bei Dämmerung (Diffuse)“, so Stengel-Rutkowski. „Möglich wurde dies, indem wir eine lackierte Blechplatte so gescannt haben, dass die Daten mit gängiger Renderingsoftware kompatibel sind. Der Car Color Configurator ermöglicht auch die Zusammenstellung bevorzugter Szenarien in einer persönlichen Broschüre, ohne dass dafür personenbezogene Daten mitgeteilt werden müssen.“

Mit der Einführung dieses Tools hat Clariant seine Fachkompetenz im Formulieren von Pigmenten und Farben mit Erkenntnissen der Trendforschung vereint und stellt die resultierenden Farbtöne digital zur Verfügung.

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