Oberflächentechnik: Bitte ganz natürlich (Teil 1/2)

Oberflächentechnik
02.05.2018

Immer mehr Kunden wünschen sich bei der Auswahl der Oberflächenbehandlung eine natürliche Anmutung. Die Entscheidung für ein passendes Produkt hängt dabei auch von den Ansprüchen des Kunden ab. 
Welche Art der Beschichtung darf’s denn sein? Mittlerweile werden auch Lacke aus natürlichen Rohstoffen angeboten.
Welche Art der Beschichtung darf’s denn sein? Mittlerweile werden auch Lacke aus natürlichen Rohstoffen angeboten.
Durch Lackieren kann eine Vielzahl von Kundenwünschen verwirklicht werden. Ob transparent, farbig oder in Effektlackierung – es gibt kaum Grenzen.
Durch Lackieren kann eine Vielzahl von Kundenwünschen verwirklicht werden. Ob transparent, farbig oder in Effektlackierung – es gibt kaum Grenzen.

Holzoberflächen sind verschiedensten Belastungen ausgesetzt: Sei es der stark frequentierte Holzboden im Gastrobereich, sei es das Waschbecken oder das Schneidebrett. Nicht zu vergessen das Fenster, die Haustür oder der Terrassenbelag – all das kann aus Holz gefertigt werden.

Unterschiedlicher könnten die Anforderungen kaum sein. Innen, außen, im Nassbereich oder mit Lebensmittelkontakt – auch hier unterscheiden sich die Ansprüche. Dazu kommen noch die Holzeigenschaften mit den Holzinhaltsstoffen, die dem Tischler bei der Auswahl der richtigen Oberflächenbehandlung einiges an Fachwissen abverlangen. 

Natürliche Oberflächen, die die Inhaltsstoffe des Holzes auf den menschlichen Organismus wirken lassen, stehen etwa gerade bei Schlafzimmermöbeln hoch im Kurs. Immer mehr Kunden tendieren bei der Auswahl der Oberflächenbehandlung zu natürlichen Oberflächen. Aber wie werden sie verarbeitet? Bedeutet natürliche Oberflächenbehandlung, dass keine Lösemittel eingesetzt werden? Was ist mit Allergikern – sind Lacke, Öle und Wachse bedenkenlos einsetzbar? Wie ist das mit der Pflege, wie aufwendig ist diese? Sind die Oberflächen widerstandsfähig gegenüber Abrieb, Feuchtigkeit und Sonneneinstrahlung? Und wie hoch ist der Reparatur- oder Renovierungsaufwand? Sind die eingesetzten Mittel schweiß- und speichelecht und unbedenklich im Kontakt zu Lebensmitteln? Welche Gestaltungsmöglichkeiten gibt es?

Alle diese Fragen sind bei der Auswahl der Oberflächenbehandlung zu berücksichtigen und sollten bei Bedarf dem Kunden gegenüber erläutert werden können. Viele Kunden möchten bei der Auswahl der Oberflächenbehandlung mitentscheiden. Dabei steht der Wunsch einer nachhaltigen Oberflächenbeschichtung im ökologischen Sinn ganz weit oben. Doch was ist eine ökologische Oberfläche? Für manche Kunden sind dafür ästhetische Gründe entscheidend. Für sie gelten etwa matte Oberflächen, die derzeit im Trend liegen und dem unbehandeltem Holz ähneln, als natürliche Oberflächen.

Andere Kunden wiederum entscheiden sich aus Prinzip oder aufgrund der Einstellung für eine natürliche Oberfläche. Sie sind für alternative Produkte möglichst auf natürlicher Basis, und sie legen Wert auf Angaben wie „aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt“ oder „auf Wasserbasis“. Wieder andere Kunden entscheiden sich auf Grundlage von (persönlichen) Erfahrungen für eine bestimmte Oberflächenbehandlung. Manchmal beruht dies allerdings auch auf Halbwissen. Hier besteht für die Tischler die große Aufgabe, die Vorgaben des Kunden zu erkennen, ihn fachlich richtig entsprechend seiner Bedürfnisse zu beraten und für sein Produkt die für ihn beste Oberflächenbeschichtung zu finden. Sehr wichtig ist es dabei, den Kunden mit der Auswahl für seine Oberfläche nicht zu überfordern.

Lacke

Lackieren, die filmbildende Oberflächenbehandlung, zählt zu den am häufigsten eingesetzten Verfahren zur Oberflächenbehandlung von Holz und Holzwerkstoffen. Dabei unterscheiden sich lösemittelhaltige Lacke und Lacke auf Wasserbasis. Hier gilt als ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal das eingesetzte Lösemittel.

Während die meisten Lacke auf Erdölbasis hergestellt werden, sind auch ökologische Lacke auf natürlicher Basis erhältlich. Ein weiteres wichtiges Unterscheidungsmerkmal ist die Beanspruchung. Für Stiegen und Böden sollte die Oberfläche abriebfest sein und im Außenbereich für Fenster und Türen elastisch. Galten Wasserlacke vor Jahren noch als milchig, wenig anfeuernd und unbeständig gegen Abrieb, haben die Hersteller die Systeme so weit verbessert, dass selbst Fachleute nicht auf Anhieb beim Betrachten einer Oberfläche unterscheiden können, ob es sich um einen Wasser- oder einen lösemittelhaltigen Lack handelt. Auch sehr matte Oberflächen mit Softtouch-Oberflächen und Anti-Fingerprint-Funktion können mit Lacken auf Wasserbasis verwirklicht werden. Im Außenbereich bei der Beschichtung von Fenstern und Außentüren haben sie die lösemittelhaltigen Lacke fast vom Markt verdrängt. 

Lackauftrag

Der professionelle Lackauftrag erfolgt mittels druckluftbetriebener Spritzpistole im Spritz- oder durch Membran- bzw. Kolbendruck erzeugt im Airlessverfahren. Hier muss berücksichtigt werden, dass für Wasserlacke rostfreie Spritz- und Arbeitsgeräte sowie Temperaturen von über 15 °C für Material, Lack und die Arbeitsgeräte während der Verarbeitung und Trocknung erforderlich sind.

Lösemittelhaltige Systeme hingegen erfordern einen erheblichen Mehraufwand bezüglich der Verhütung von Unfall- und Brandgefahren. Aber auch die Verarbeitung mittels Walzen, Rollen oder mit dem Pinsel ist möglich. Mittlerweile werden Roboter oder Spitzanlagen angeboten, die Lackierarbeiten im großen Stil wirtschaftlich meistern. Industriell werden für bestimmte Bauteile Anlagen wie der „Vacumat“ eingesetzt. So können Verlust- und Oversprayfrei geringe Schichtstärken in hoher Qualität in großen Stückzahlen erreicht werden. 

Wo beim Auftrag mit der Becherpistole nur ein kleiner Teil des Materials tatsächlich auf der Oberfläche verbleibt, wird bei der Arbeit im Airlessverfahren wesentlich mehr Material in einem Auftrag auf der Fläche appliziert. Beim handwerklichen Auftrag mit der Rolle hingegen entstehen die geringsten Materialverluste. Sogenannte Flock-Lackierwalzen ermöglichen streifenfreie Oberflächenbehandlungen in hoher Qualität.

In Sachen Gestaltung bietet sich im Bereich Lack eine Vielzahl von Möglichkeiten. Ob transparent, eingefärbt oder in einem bestimmten Farbton deckend, ob matt oder glänzend oder in einem ganz bestimmten Effekt mit einer persönlichen Note. Der Pflegeaufwand lackierter Oberflächen ist nicht sehr hoch, da mit Wasser oder auch mit entsprechenden Reinigungsmitteln gearbeitet werden kann.

Renovierungsarbeiten bzw. ein Neuaufbau der lackierten Oberfläche können oft nur nach dem vollständigen Entfernen der alten Oberfläche vorgenommen werden und erfordern einen entsprechenden Aufwand.     

Lasuren

Lasuren sind in vielen Farbtönen als nicht filmbildende Oberflächenbeschichtung zu bekommen. Sie werden beim Auftrag vom Holz aufgenommen und betonen den Holzcharakter. Lasuren können im Innen- bzw. Außenbereich eingesetzt werden.

Während die für den Innenbereich eingesetzten Produkte möglichst auf Wasserbasis und frei von bedenklichen Stoffen sein sollten, ist es ratsam, im Außenbereich Lasuren mit entsprechenden Zusatzstoffen einzusetzen – zum Beispiel „3 in 1“- Lasuren, die auch auf Wasserbasis angeboten werden, und die den erforderlichen Holzschutz gewährleisten. Für den Außenbereich gilt: Je rauer der Untergrund, um so langlebiger ist die Oberflächenbehandlung. Eine sägeraue Oberfläche bietet wesentlich mehr Halt für die Lasur im Gegensatz zu einer glatt gehobelten.

Da Lasuren oft im Sichtbereich verarbeitet werden, ist ein sorgsamer Auftrag sehr wichtig. Oft werden sie von Hand mit dem Pinsel oder einer Rolle aufgetragen. Aber auch der Auftrag im Spritzverfahren ist möglich. Achten Sie beim Verarbeiten auf die Faserrichtung. Wichtig ist, dass nach dem Auftragen kein überschüssiges Material auf der Fläche verbleibt. Schatten oder Ränder wären dann die unschöne Folge. 

Lasuren sind in vielen Farbtönen erhältlich, auch halb deckende Anstriche sind möglich. Auch spezielle Metallic-Holzlasuren werden angeboten. Sie erlauben spektakuläre, metallisch schimmernde Farbeffekte im Außenbereich. Lasierte Oberflächen bilden nur einen geringen Schutz gegen mechanische Beanspruchung und sind dementsprechend einzusetzen. Daher sind sie für nicht allzu pflegeaufwendige Anwendungen geeignet. Jedoch können Verschmutzungen mit Wasser gereinigt werden. Für eine Auffrischung einer lasierten Fläche ist es ausreichend, die losen Farbpartikel anzuschleifen und beispielsweise mit einer Bürste zu entfernen. Danach den Untergrund leicht aufrauen – dann kann der Renovierungsanstrich erfolgen.  

Wachse

Gewachste Holzoberflächen haben einen natürlichen Charme, wirken antistatisch, und auch die Holzoberflächenwirkung bleibt erhalten. Wachse wirken auf der Oberfläche wie eine Art Imprägnierung. Sie werden vom Material aufgenommen, dringen jedoch nicht tief in das Material ein. Wachse bilden aber an den Oberflächen eine Art Mikro-Schutzfilm gegen Feuchtigkeit und Abrieb. Es gibt natürliche Wachse, tierisch oder pflanzlich rezent, aber auch chemisch hergestellte – sogenannte Synthesewachse. Für Holzoberflächen häufig eingesetzte Wachse sind unter anderem Bienenwachs, Karnaubawachs, Candelawachs und Paraffin. 

Der Glanzgrad einer gewachsten Oberfläche ist höher als bei einer mit Öl behandelten Fläche. Es ist auch möglich, den Glanzgrad gewachster Oberflächen durch Polieren zu verstärken. Meist werden Wachse im Innenbereich eingesetzt, aber auch Holzschutzwachs für den Außenbereich sind erhältlich.

Bei der Anwendung ist darauf zu achten, das gewachste Flächen möglichst nicht in direkten Kontakt mit intensiver Wärme kommen. So könnten sich zum Beispiel auf einer Tischdecke Flecken zeigen, sobald heiße Gefäße wie heiße Töpfe darauf abgestellt werden. Je nach Produkt werden Wachse in pastöser oder in flüssiger Form als Wachsemulsion/Wachsbalsam angeboten. Ein flüssiges Wachs ist oft ein Hinweis auf ein Synthesewachs oder ein mit Lösemitteln angereichertes Wachs. Welche Lösemittel der jeweilige Hersteller einsetzt ob natürlich oder chemisch hergestellt, hängt oft von der individuellen Ausrichtung des Herstellers ab. So gibt es Anbieter, die komplett auf die natürliche Schiene setzten. Andere wiederum greifen auf die üblichen Lösemittel zurück, wieder andere bieten beide Systeme an. 

Wachsauftrag und Pflege

Eine Wachsemulsion ermöglicht ein tieferes Eindringen des Wachses in die Holz­oberfläche. Während die pastösen Wachse mit einem Exzenterschleifer mit einem entsprechenden Pad in die Oberfläche einmassiert werden, können die hochviskosen Wachse mit dem Pinsel, der Walze oder per Spritzverfahren aufgetragen werden. Hier sind jedoch einige Sicherheitsmaßnahmen zu treffen.

Versichern Sie sich, ob sich Ihr Spritzraum, Ihre Kabine für das Spritzverfahren eignet. Unter ungünstigsten Bedingungen besteht die Gefahr einer Selbstentzündung. Auch der Auftrag mittels Heißwachspistole wird von einigen Herstellern angeboten. Je nach Wachsart und Hersteller wird mit ein oder zwei Aufträgen mit entsprechenden Trocknungspausen gearbeitet. Die beim Einmassieren entstehende Wärme verflüssigt das Wachs und öffnet die Holzporen, so dass sich auch bei diesem Verfahren der Wachsfilm gut mit der Holzoberfläche verbinden kann.

Holzwachse werden in verschiedenen Farbtönen angeboten. Sie reichen von in Holzfarbtönen eingefärbten Wachsen bis hin zu weiß eingefärbten Produkten, um gekälkte Oberflächen zu imitieren. Auch Wachs mit speziellem Duft ist zu bekommen. Zirbenwachs für Möbel und Böden aus Zirbenholz schützt nicht nur, sondern duftet auch.

Zur Pflege sollte maximal nebelfeucht ab- bzw. gewischt werden. Kleinere Kratzer oder Schadstellen können punktuell ausgebessert werden. Mit sogenannten Refreshern lässt sich der Wachsfilm anlösen und punktuell ausbessern. Als Unterhaltspflege kann nach einer intensiven Reinigung die Fläche nachgewachst werden. Hier ist es ratsam, die Angaben der jeweiligen Hersteller zu befolgen und die empfohlenen Mittel einzusetzen. Eine komplette Renovierung einer gewachsten Oberfläche kann nur nach dem Abschleifen der Altbeschichtung erfolgen. Dieser Aufwand hält sich durch die geringe Schichtdicke in Grenzen und lässt sich durch regelmäßige Pflege hinauszögern. 

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Wer hat was

Einige Hersteller und 
Anbieter von Oberflächen­behandlungen im Überblick

Adler: www.adler-lacke.com Lacke (lösemittelhaltig und auf Wasserbasis), Lasuren, Wachse, Öle und Zubehör für den Innen- und Außenbereich 

Arti: www.arti.de Lacke (lösemittelhaltig und auf Wasserbasis), Beizen, Öle und Wachse

Auro: www.auro.de Lacke, Lasuren, Wachse, Öle, Reinigungs- und Pflegeprodukte, Laugen und Seifen auf natürlicher Basis 

Complex: www.complex-farben.eu Holzoberflächenbehandlung für Innen und Außen, Beizen, Pflege- und Reinigungsprodukte auf natürlicher Basis

Croma Lacke: www.cromalacke.com Lacke auf Lösemittel- und Wasserbasis, Beizen, Lasuren und Wachse

Heidelberg Coatings: www.holzlacke.at Lacke und Öle im Innen- bzw. Außenbereich, Pflegeprodukte

Hesse Lignal: www.hesse-lignal.de Lacke für Holz und andere Materialien, Beizen, Öl – alles für den Innenbereich

Festool: www.festool.at Drei verschiedene Öle und nützliches Zubehör zum Auftragen und Einmassieren 

Natural: www.natural.at Natur­farben für innen, Lasuren, Öle, Naturharzlack, Fußbodenöl in Heißtechnik, Heißwachs, Pflegeprodukte

Renuwell: www.renuwell.com Holzbutter, Möbelöl, Möbelwachs, diverse Pflegeprodukte

Synthesa: www.synthesa.at Lacke (auch auf Wasserbasis), Beizen, Öle, Wachse und diverse Pflegeprodukte

Votteler: www.votteler.at Lösemittelhaltige, lösemittelfreie und wasser­verdünnbare Systeme, Öle, Wachse

Zweihorn: www.zweihorn.com Lacke, Beizen und Lasuren sowie naturnahe Produkte wie Öle und Wachse

Branchen
Tischlerei