Camper in der Boks
Paul Schneider und Lothar Gallistl verwandeln mit ihrer CampBoks gewöhnliche Vans in vollwertige Camper – ganz ohne dauerhaften Umbau. Bei Planung und Produktion ihrer durchdachten Campingboxen setzen die Tischler auf die Software von RSO.
Zwei junge Tischler haben mit ihrer Idee den Nerv der Zeit getroffen. Spätestens seit der Corona-Pandemie ist Campen als unabhängige und flexible Urlaubsform längst kein Nischenthema mehr. Mit der sofort einsatzbereiten CampBoks von Paul Schneider und Lothar Gallistl ist stundenlanges Schrauben am Van Geschichte: Sie verwandelt geeignete Fahrzeuge – etwa VW T4 bis T7, Mercedes V-Klasse oder Ford Transit Custom – innerhalb weniger Minuten in vollwertige Camper. Ebenso einfach funktioniert der Rückbau: Die Box kann ausgebaut, weiterverkauft, verliehen oder aufgerüstet werden. „Am Anfang wurden wir für unsere Idee teilweise belächelt. Jetzt stehen wir knapp drei Jahre nach der Gründung als erfolgreiches Unternehmen da“, freut sich Paul Schneider.

Von der Idee zum Produkt
Die beiden heute 25-Jährigen lernten sich während ihrer Schulzeit an der HTL Hallstatt kennen. Aufgrund ihrer gemeinsamen Begeisterung fürs Campen begannen sie 2020, an der CampBoks zu tüfteln. Daraus entwickelte sich ein marktfähiges Produkt, das immer mehr Interessierte ansprach. Gemeinsam gründeten sie das gleichnamige Start-up – der Durchbruch gelang 2023 auf der Offroad-Messe „Abenteuer Allrad“ in Bad Kissingen. Im selben Jahr stellten sie den ersten Mitarbeiter ein. 2024 wurde die Produktion weiter ausgebaut, 2025 besteht das Team bereits aus sieben Personen. „Wir sind stolz auf das, was wir bisher erreicht haben und freuen uns auf die nächsten Schritte“, sagen die Gründer. Paul Schneider verantwortet den Verkauf, Lothar Gallistl die technische Entwicklung.
Synergien nutzen
Das Unternehmen ist am Gelände der Tischlerei Schneider in Euratsfeld (Niederösterreich) angesiedelt, einem Familienbetrieb mit rund 50 Mitarbeitenden. Paul Schneider ist auch dort tätig, sein derzeitiger Schwerpunkt liegt jedoch bei CampBoks. „Beide Betriebe profitieren voneinander. Wir nutzen die CNC-Maschinen der Tischlerei für unsere Produktion, unsere Mitarbeitenden sind jedoch ausschließlich für CampBoks tätig. In Ausnahmefällen unterstützen wir uns gegenseitig – das funktioniert sehr gut“, erklärt Schneider.
„Lite“ oder „Pro“?

Die Campingboxen werden als Serienprodukte mit anpassbaren Seitenteilen in zwei Varianten gefertigt. Eine Vergleichsseite auf der Webseite hilft dabei, die passende Box für das eigene Fahrzeug zu finden – inklusive Fahrzeugtypen, Maßen und Ausstattung.
Die Basis-Version „Lite“ ist ab 6.190 Euro erhältlich und bietet neun Euroboxen mit je 33 Litern Stauraum sowie ein komfortables Bett. Ein besonderes Alleinstellungsmerkmal der CampBoks ist die Kombination aus freitragenden Sitzbänken und einem ausziehbaren Tisch im Außenbereich. Diese sind bei beiden Versionen integriert.
Die Version „Pro“ startet bei 7.590 Euro und bietet zusätzlich zu Sitzbänken und Tisc, eine Dusche sowie eine voll ausgestattete Küche mit Gasherd, Kühlschrank, Waschbecken und 24-Liter-Wassertank. Für beide Varianten gibt es Zusatzoptionen wie ein breiteres Bett, Deckel für Euroboxen oder eine Schienenmontage. „Zu zweit reist man mit der CampBoks sehr komfortabel, mit Kindern wird es enger. Deshalb entwickeln wir derzeit eine familientauglichere Version, für die allerdings ein Hochstelldach oder Zelt notwendig ist“, so Schneider. Grundsätzlich gilt: Was möglich ist, hängt stark vom jeweiligen Fahrzeug ab.
Eigene Konstruktion
Im Gegensatz zu vielen Mitbewerbern, die stark auf Kunststoff setzen, liegt bei CampBoks der Fokus auf nachhaltigen, langlebigen Materialien, Reparierbarkeit und regionaler Produktion. „Unsere Aluminium-Sperrholzkonstruktion haben wir selbst entwickelt, ebenso einen Großteil des Zubehörs und der 3D-gedruckten Kleinteile. Die gesamte Box wird bei uns in Euratsfeld gefertigt und montiert. Standardkomponenten wie Kühlschrank oder Gaskocher kaufen wir zu“, erklärt Schneider.

Optimierte Prozesse
Der Aufbau einer effizienten Serienproduktion war eine der größten Herausforderungen. „Auch wenn die CampBoks ein Serienprodukt ist, handelt es sich um ein sehr komplexes Möbelstück. Ein Mitarbeiter arbeitet etwa einen Tag an einer Box“, so Schneider.
Zu Beginn wurden Bestellungen über eine Warteliste abgearbeitet. Anfang 2023 standen rund 300 Bestellungen darauf – ein klarer Handlungsauftrag. Daraufhin wurde ein ERP-System eingeführt, das bereits beim Bestellvorgang einen realistischen Liefertermin anzeigt. Aktuell liegt dieser bei etwa zwei Wochen. „Das System plant automatisch Produktion, Personal und Materialverfügbarkeit. Damit haben wir unsere Abläufe stark verbessert“, sagt Schneider.
Verlässlicher Software-Partner
Für den komplexen Produktionsprozess kommt die Software von RSO zum Einsatz: „Wir kannten RSO bereits als verlässlichen Partner. Daher war es logisch, auch bei CampBoks darauf zu vertrauen. Konkret ermöglicht uns die Software, jedes Bauteil unserer komplett in 3D konstruierten Box direkt auf die CNC-Maschine auszuspielen“, erklärt Paul Schneider und führt weiter aus: „Das Konstrukt ist sehr komplex. Müssten wir bei jedem einzelnen Teil die CNC Fräsungen aufs Neue zeichnen – z.B. beim Einbau einer neuen Auszugsschiene – könnten wir das Möbelstück nicht in dieser Präzision und Schnelligkeit produzieren. Dank der Software müssen wir weniger händisch programmieren – Änderungen in der Planung werden sofort sichtbar und in die Fertigung übernommen. Das spart Zeit und reduziert Fehler deutlich.“
Persönlicher Service inklusive
Die CampBoks wird europaweit vertrieben – über die Webseite sowie über Händler in Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden. Der Versand ist kostenlos. „Viele Kunden holen ihre Box aber direkt bei uns ab – wir bauen sie hier kostenlos ein. Manche reisen dafür über 1.000 Kilometer an. Das ist für uns ein großes Kompliment“, sagt Schneider. CampBoks versteht sich nicht nur als Produktanbieter, sondern als Begleiter für den Campingurlaub: Beratung und Kundensupport werden großgeschrieben.




