Sanierung der Villa Alma

Sommerfrische neu interpretiert

Interieur
27.02.2024

Eine Jahrhundertwendevilla am Wolfgangsee hat ihre Pforten als Hotel neu eröffnet. Und die Renovierung ist so gut gelungen, dass sie den German Design Award in der Kategorie “Excellent Architecture - Interior Architecture” 2024 erhalten hat.
Villa Alma Innenansicht

Die „Villa Alma“ lädt wieder zur Sommerfrische ein und verpflichtet sich dabei der Verbindung von Tradition und Moderne. Die beiden Salzburgerinnen Martina Toifl und Pia Clodi haben in Sankt Gilgen am Wolfgangsee ihre Neuinterpretation der Sommerfrische umgesetzt. Pia Clodi, Interiordesignerin und Gründerin von Studio Eliste, zeichnet für die optische Umsetzung verantwortlich, Martina Toifl, Gründerin der Heym Collections, für das Gesamtkonzept.

Villa Alma
Die beiden Salzburgerinnen Martina Toifl und Pia Clodi haben in Sankt Gilgen am Wolfgangsee ihre Neuinterpretation der Sommerfrische umgesetzt.

Kulturelle Fusion

Kooperiert haben Pia Clodi, Interiordesignerin und Gründerin von Studio Eliste und Martina Toifl, Gründerin der Heym Collections bereits in der Vergangenheit bei Revitalisierungen und Neueröffnung von Hotels im Salzburger Raum. Der Stil zeigt sich historisch inspiriert und orientiert sich an einer kulturellen Fusion, die klassische Elemente in einen zeitgemäßen, modernen Kontext setzt.

Villa Alma Innenansicht
Der Stil zeigt sich historisch inspiriert und orientiert sich an einer kulturellen Fusion, die klassische Elemente in einen zeitgemäßen, modernen Kontext setzt.

Wiederentdeckung der Sommerfrische

Die Idee der Sommerfrische wirkt heute, in Zeiten der Klimakrise und der überhitzten Sommer mit Dürreperioden, äußerst zeitgemäß. Bereits während der Kaiserzeit war das Salzkammergut in den Sommermonaten ein beliebtes Ziel für Erholungssuchende. „Sommerfrische“ bezieht sich bekanntlich auf die Tradition eines sommerlichen Rückzugs in kühlere Gebiete, um der Hitze der Stadt zu entkommen und sich zu erholen. Vor allem Berg- und Seeregionen waren auch früher als Ziele beliebt. Während der Sommerfrische verbrachten Menschen oft mehrere Wochen oder Monate in Ferienhäusern, Hotels oder Pensionen, um die Natur zu genießen, zu wandern, zu baden oder einfach zu entspannen. Diese Tradition war besonders im 19. und frühen 20. Jahrhundert in Mitteleuropa verbreitet und wurde von wohlhabenden Stadtbewohner*innen praktiziert, die sich eine Flucht aus dem städtischen Alltag leisten konnten.

Es ist zu beobachten, dass der Begriff "Sommerfrische" eine Aktualisierung erhält. Diese Art des Urlaubs verbreitet sich wieder, und moderne Aspekte kommen hinzu, wie etwa „Entschleunigung“ oder „Auszeit“. Gemeint ist damals wie heute ein erholsamer Aufenthalt an einem ruhigen Ort abseits der Hektik des Alltags.

Villa Alma Innenansicht
Zum Hotel gehören acht Doppelzimmer und Suiten, alle inklusive Balkon und Ausblick aufs Wasser, eine Bibliothek, außerdem ein Bootshaus und ein Privatstrand.

Nostalgisches Ambiente

Ganz in diesem Sinne werden in der Villa Alma entspannende Freizeitbeschäftigungen jenseits der Bildschirmaktivitäten vorgeschlagen, zeitlos oder sogar altmodisch anmutend. Etwa Mensch-ärgere-dich-nicht oder ein Spaziergang mit Picknick. Fast nostalgisch erinnert das Ambiente mitunter an Farben und Formen der 1960er und 70er Jahre, wenn sich Pastelltöne mit lebhaften Akzenten und Mustern mischen und durch ausgewählte Kunst- und Designstücke für spezielle Nischen ergänzt werden. Zum Hotel gehören acht Doppelzimmer und Suiten, alle inklusive Balkon und Ausblick aufs Wasser, eine Bibliothek, außerdem ein Bootshaus und ein Privatstrand.

Villa Alma Innenansicht
Wichtig ist in der Interior-Gestaltung die Kombination aus Funktionalität und zeitlosem Design, mit dem man den Charakter des Hauses unterstreichen will.

Pension Seebär

Das ursprüngliche Gebäude war als „Pension Seebär“ bekannt und wurde im Stil der Jahrhundertwende erbaut.  Passend zu dieser Zeit und dem Umstand, dass das Salzkammergut bei Künstler*innen, Literat*innen und Komponist*innen ein besonders beliebter Zufluchtsort während der heißen Sommertage war, beschlossen die Initiatorinnen, das Haus als „Villa Alma“ mit neuem Leben zu füllen. „Alma“ fungiert hier als fiktive Gastgeberin und erinnert nicht zufällig an die bekannte Wiener Komponistin Alma Mahler-Werfel. Es lässt sich zwar nicht eruieren, ob diese selbst dort zu Gast war, aber sein könnte es schon. Im Salzkammergut war sie jedenfalls häufig anzutreffen. Inspiriert von dieser Figur orientierten sich die Gestalterinnen an Unbeschwertheit, Geselligkeit und der Pflege von Freundschaften.

Villa Alma Innenansicht
Fliesen finden sich im Frühstücksbereich, im Eingang, und auf den Böden der Badezimmer.

Häuser mit Geschichte

Um den Einzug von zeitgenössischen Ansprüchen in die historische Villa zu ermöglichen und gleichzeitig das besondere Flair zu erhalten, orientierten sich die beiden an historischen Aspekten und modernem State of the Art. Die Villa Alma ist nicht das erste Haus, das diesem Konzept folgt. Seit der Gründung der „Heym Collection“ im Jahr 2014 wurden bisher 8 Projekte realisiert und zu neuem Leben erweckt.

Auf die Frage, was sie motiviert, alte Gemäuer zu revitalisieren, erklärt Martina Toifl in einem Interview: „Häuser mit Geschichte bieten einfach mehr. Mehr Reminiszenz an alte Zeiten, mehr Raum für Neues, Spannendes. Dass bereits gelebt, geliebt und gelacht wurde in den Häusern, gibt ihnen eine ganz besondere, altehrwürdige Ausstrahlung und behagliche Ruhe.“

Villa Alma Innenansicht
Das ursprüngliche Gebäude war als „Pension Seebär“ bekannt und wurde im Stil der Jahrhundertwende erbaut.

Raum für Emotionen

Auch Pia Clodi begeistert sich für alte Architektur, „wo Stiegen knirschen“. Geschichte und Geschichten inspirieren sie bei der Arbeit. Ihr Interior Desgin ist geleitet von Recherche, viel Ausprobieren, aber auch einem Großteil Intuition. Die Umgebung muss sich angenehm anfühlen, Raum geben für Gedanken und Emotionen. Deswegen interessiert sie sich auch für die japanische Einstellung des Wabi Sabi. In diesem ästhetischen Konzept spielt Unvollkommenheit eine wichtige Rolle. Man darf sehen, dass die Objekte verwendet wurden, etwa an der Patina. „Ich mag Orte, die dich fragen ‚was ist Schönheit überhaupt und warum fühle ich jetzt so, wie ich fühle?‘ Eine zeitlose Frage. So zeitlos wie gute Architektur und Design“, erläutert sie in einem Interview.

Wichtig ist in der Interior-Gestaltung die Kombination aus Funktionalität und zeitlosem Design, mit dem man den Charakter des Hauses unterstreichen will. Da entscheidet man sich dann gerne mal eher für moderne Linien, statt für Plüsch und Pomp.

Villa Alma Innenansicht
Die Fliesen für Wand und Dusche kommen von L’Argilla.

Möbel, Farben und Materialien

Den Zugang zur Auswahl von Möbeln, Farben und Materialien in der Villa beschreibt die Interiordesignerin als „ein bisschen klassisch – nicht überkandidelt, nicht kühl“. Weil Details wie Böden und Decken maßgeblich das Raumgefühl beeinflussen, wurde sowohl Materialität als auch Farbgebung viel Wert gelegt. Für den Holzboden wurde Echtholz-Stabparkett in Fischgrat-Verlegung verwendet. (Stabparkett INKU Classic Loft 140 Vario Eiche creme Natur 4V Öl (lt. Muster) Dim. 630x90x9,5 mm) 

Fliesen finden sich im Frühstücksbereich, im Eingang, und auf den Böden der Badezimmer. Hier wurden Fliesen aus England von Bert&May gewählt. Für den Frühstücksbereich wurde eine Custom Farb-Zusammenstellung gewählt, die Sterne beim Eingang und in den Bädern stammen aus dem allgemeinen Sortiment. Die Fliesen für Wand und Dusche kommen von L’Argilla. Die Tapete für den Frühstücksraum ist aus dem Hause Dedar Milano. In der Lakeside Lounge gibt es eine Hemp Vinyl Tapete von Christopher Farr Cloth in der Farbe Aruba. Im Außenbereich wurden Wegführungen mit Kanfanar und Kies umgesetzt. 

Als zentraler Aspekt in der Renovierung galt die klare Entscheidung für grüne Energie, zudem die Kooperation mit heimischen Handwerksbetrieben. Möbelstücke wurde extra für die Villa alma entworfen, um ein authentisches Flair zu vermitteln. Auch Wertschätzung für ökologische und soziale Umgebung gelten als wichtige Werte in der Umsetzung.

Villa Alma Innenansicht
Die Fliesen für Wand und Dusche kommen von L’Argilla.