Eröffnung: Graz Museum Schlossberg

Graz
29.10.2020

Von: Redaktion Architektur & Bau Forum

Mit dem Graz Museum Schlossberg wird dem Publikum eine weitere Attraktion des UNESCO-Weltkulturerbes geboten.

Das neue Graz Museum Schlossberg geht auf die von Otto Hochreiter im Herbst 2013 vorgelegte Grundkonzeption „Berg und Stadt“ zurück. Dazu heißt es, das neue Schloßberg-Museum sei „eine erste Studie über die Möglichkeit einer kulturorientierten Bespielung von Hof, Kanonenhalle, Kanonenhaus und Kasematte der Stallbastei.“ Die interdisziplinären Angebote aus Ausstellungs- und interaktiven Inhalten bieten die Möglichkeit, sich intensiv und unmittelbar mit der Geschichte des Schlossberges auseinander zu setzen.

Sinnesgarten der Geschichte
Im sogenannten Wundergarten können die Besucher in Ruhe verweilen. Kinder gehen auf Entdeckungsreise und erkunden die Geschichten rund um die zahlreichen am Schlossberg beheimateten Fabelwesen. Die Kanonenhalle mit dem Graz-Blick bietet nicht nur die schönste Aussicht auf die Stadt und ihre Umgebung, sondern wird im neuen Museum auch die Gelegenheit bieten, die Stadt quasi als Stadtmodell historisch interpretieren zu können, indem auf einem zentralen Bildschirm das „Rad der Zeit“ buchstäblich zurückgedreht werden kann. Ein Geschichts-Parcours im ehemaligen Kanonierhaus lädt ein zum Flanieren durch eine „historische Physiognomie des Schlossbergs“, in der die wichtigsten Monumente vor allem in ihrer politischen Bedeutung und ihren historischen Zusammenhängen erläutert werden. Der Weg führt vom Herrschersitz und Bollwerk der Vergangenheit zum Landschaftsgarten und Natur- und Freizeiterlebnis von heute. Die Kasematte unter dem Areal – ein gigantischer Raum, geschützt durch meterdicke Mauern – ist durch den Einbau eines Liftes erstmals barrierefrei zugänglich. Dort, im Inneren des Bollwerks, veranschaulicht die multimediale Schloßberg-Story rund um ein spektakuläres neues „gläsernes“ Schlossbergmodell nicht nur die Geschichte des Schlossberges, sondern gibt auch Einblick in das Innere des Berges mit seinem über sechs Kilometer langen Stollensystem.

Im Kreislauf der Natur
Das neue Graz Museum Schlossberg bündelt also den zuvor aus unzusammenhängenden und unkommentierten Einzelerfahrungen historischer und naturwissenschaftlicher Denkmäler bestehenden Schlossbergbesuch zu einem Gesamterlebnis, indem es unterschiedlichste Wahrnehmungs- und Raumerfahrungen in sich vereint. Der zeitgenössische Layer des Siegerprojekts von studio WG3 verstärkt nicht den Charakter des „Kasernenhofs“ des 19. Jahrhunderts, sondern setzt mittels gezähmter Natur ein kreisförmiges dazu gegenläufiges Zeichen. Aber bezieht sich letztlich auf die alte fortifikatorische Situation und die Verteidigungsgemeinschaft der (historisch zentralen) Frühen Neuzeit und schafft einen neuen Rahmen für die heutige Gemeinschaft der Erholungssuchenden.

Symbiose von Berg und Stadt
Das Graz Museum Schlossberg stößt das Tor auf zur Geschichte des Grazer Stadtberges. Ganzjährig geöffnet und zum Teil Freilichtmuseum, soll es zur ersten Anlaufstelle aller Schlossberg-Gäste werden. Im Graz Museum Schlossberg erhalten Besucher Information und Orientierung in historischer und topografischer Hinsicht. Dieses neue, familienfreundliche Museum stellt auf zeitgenössische Art die Geschichte des Schlossbergs und seine Bedeutung für Graz dar. Gemeinsam mit dem Graz Museum in der Sackstraße bildet das Graz Museum Schlossberg eine Klammer zwischen Berg und Stadt. Die von Otto Hochreiter konzipierte und von Martina Zerovnik und Ingrid Holzschuh kuratierte Graz-Museum-Expositur am Schlossberg geht auf die Bedürfnisse eines flanierenden Publikums ein und bietet Entschleunigung in der gezähmten Natur. Das Graz Museum Schlossberg ist vollständig barrierefrei und bietet auch blinden und sehbehinderten Personen attraktive zusätzliche Angebote.

Architektur und Design
Der Entwurf des Architekturbüros studio WG3 besticht durch seine einladende Grundhaltung und entwickelt im neuen Graz Museum Schlossberg eine stimmungsvolle Aufenthaltsqualität. Der Foyerbereich – teils unter Dach, teils unter Bäumen – öffnet den historischen Hof der Stall- oder Kanonenbastei in Richtung des vorbeiflanierenden Publikums: Die ringförmige Pflasterung und die Bepflanzung überwinden mit ihrem modernen Architektur-Layer die historische Barriere zum ehemaligen Militärareal. Die Architekturkonzeption von „studio WG3“ bezieht sich zwar auf die alte Festungssituation und die Verteidigungsgemeinschaft des 16. bis 19. Jahrhunderts, schafft jedoch einen neuen, offenen Rahmen für die heutige Gemeinschaft der Erholungsuchenden, die auf den Schlossberg kommen. Ergänzend dazu unterstreicht das zeitgenössische Ausstellungs- und Grafikdesign von „BUERO41A“, dass die vergangenen Jahrhunderte der Schlossberggeschichte ausschließlich aus heutiger europäischer Perspektive dargestellt werden.

Mehr Informationen: www.grazmuseum.at

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