Tipps und Tricks für kleine Bäder

Sanitär
12.03.2021

Aktualisiert am 12.03.2021

Durch clevere neue Lösungen und technische Weiterentwicklungen zieht auch in kleinen Bädern großer Komfort ein.

Als Kleinbad bezeichnet man gemeinhin ein Badezimmer mit einer Größe zwischen zweieinhalb und acht Quadratmetern, das durchschnittliche Maß pendelt sich bei sechs Quadratmetern ein. Vor allem im (Wiener) Gemeindebau sind allerdings drei bis vier Quadratmeter der Standard – oftmals für Bad und WC zugleich. Und obwohl man meinen sollte, die Prioritäten hätten sich geändert: Im öffentlichen Wohnbau wird bei Neubauten das Bad bei der Platzplanung zum Teil immer noch stiefmütterlich behandelt.

Definitiv etwas geändert hat sich allerdings an den Lösungsangeboten der Hersteller, die auch bei wenig Platz im Mini- und Gästebad dabei helfen, Wünsche zu erfüllen. Denn bei der Gestaltung von Kompaktbädern sind oft wenige Zentimeter entscheidend. Und da braucht es neben der exakten Planung durch erfahrene Sanitärprofis auch technisch innovative Produkte. Dazu zählen individuelle Abmessungen für Duschflächen und Wannen ebenso wie flexible Duschtüren, tiefenreduzierte Waschtische, Möbel in Sonderformaten und praktische Accessoires.

Kreativität ist gefragt

Eine Spezialisierung auf die Ausstattung beziehungsweise auf die Sanierung kleiner Bäder ist aufgrund des großen Marktpotenzials eine interessante Nische. „Der Bedarf an Badsanierungen und barrierefreien Badmodernisierungen wächst, das Platzangebot im Bestand jedoch nicht“, sagt Sven Rensinghoff. Somit sind „Spezialisten, die auch auf kleinem Raum ein barrierefreies Bad in hoher ästhetischer Qualität realisieren können, sehr gefragt“.

Genau auf dieses Spezialgebiet – die optimale Nutzung von kleinen Bädern – ist Installateur Oliver Riedel fokussiert: Er konzentriert sich mit dem von seinem Vater 1977 gegründeten Betrieb im zweiten Wiener Bezirk auf die Sanierung des typisch urbanen Kleinbads, dieser Geschäftszweig ist für rund 75 Prozent der Aufträge verantwortlich. Überraschen kann Riedel dabei aufgrund seiner 35-jährigen Erfahrung kaum noch etwas: Viele Gegebenheiten ließen sich aufgrund des Baujahres und des Baustils des Gebäudes schon vorab mit hoher Wahrscheinlichkeit bestimmen.

Mit zwölf Mitarbeitern und in Zusammenarbeit mit anderen Gewerken wie Baumeister, Elektriker, Tischler, Fliesenleger und Maler bietet man den Kunden Komplettlösungen an– eine heute sehr stark nachgefragte Dienstleistung: „Durch unsere langjährige Erfahrung und unseren fixen Stamm an Subfirmen stimmen wir uns gut untereinander ab. Das beschleunigt und vereinfacht wiederum die Abwicklung für die Kunden“, sagt der 1a-Installateur, der in die Ausstattung kleiner Bäder „viel handwerkliches Knowhow und Kreativität“ einbringt. So brachte das Team vor kurzem auf einer Abmessung von 83 Zentimetern mal 1,62 Metern eine Dusche, ein Waschbecken und sogar eine Waschmaschine unter. „Um auch aus sehr kleinen Räumen das Beste herauszuholen, ist Mut zu unkonventionellen Lösungen gefragt.“

Erdogan Demirci, HSK Dusch­­kabinenbau: "Beim Kleinbad ist es besonders wichtig, die Raumsituation mit den richtigen Produkten optimal auszunutzen".

Vieles ist möglich

Die meisten Bäder, die Oliver Riedel saniert, sind zwischen drei und vier Quadratmetern „groß“. In Sachen Ausstattung ist auch bei solchen Dimensionen fast alles möglich, je nach vorhandenem Budget.

Letztlich gibt es aber für jeden Grundriss eine Lösung, Abstriche müssen natürlich bei sehr großflächigen Objekten wie XXL-Duschen oder freistehenden Badewannen gemacht werden. „Niemand muss aber komplett auf die Badewanne oder ausreichend Duschkomfort verzichten“, sagt Sven Rensinghoff, Leiter Marketing und Produktmanagement bei Bette, der als Beispiel auf die „Raumsparbadewanne“ Bette Space verweist. Auch Anfertigungen auf Maß für die Nische oder individuelle Eckabschnitte, um Schwenkraum für Türen zu schaffen, können Platzprobleme im kompakten Bad auflösen.

„Grundsätzlich ist die Gestaltung von kleinen Bädern immer eine Herausforderung. Man kann bei beengten Platzverhältnissen nicht jeden Wunsch umsetzen. Aber es gibt mittlerweile viele gute Lösungen, die so einiges möglich machen“, ergänzt Jürgen Berner, Verkaufsleiter Österreich bei Artweger. In den seltensten Fällen passen bei wenigen Quadratmetern eine Dusche und eine Wanne ins Bad. Berner verweist hier auf Zwei-in-eins-Lösungen: „Unsere Dusch-Badewanne Twinline ist ideal, wenn jemand nicht auf eine Wanne verzichten möchte“, so der Verkaufsleiter, der in diesem Zusammenhang auf die von Artweger herausgegebene Broschüre „Das Märchen vom zu kleinen Bad“ verweist: In diesem Folder finden sich viele praktische Tipps, Lösungen und Produktvorschläge zur Wunscherfüllung auf wenig Raum. Dazu gehören neben den bereits erwähnten Dusch-Wanne-Kombis vor allem Faltlösungen für Duschabtrennungen mit 360-Grad-Scharnieren. Damit verschwindet die klappbare Duschtüre bei Bedarf platzsparend an der Wand, und es gibt zum Beispiel mehr Raum rund um den Waschtisch. „Ein vollgestopftes und undurchdachtes kleines Bad ist alles andere als schön und nicht wirklich komfortabel. Wenn beispielsweise Duschtüren den Raum stark beschränken, mit anderen Einrichtungsgegenständen kollidieren oder aber auch zu wenig Stauraum und Ablageflächen vorhanden sind, ist der Nutzer weit von der Wohlfühloase entfernt“, warnt Erdogan Demirci, Vertriebsleiter Österreich bei HSK Duschkabinenbau. Daher sei eine exakte Planung im Vorfeld bei kleinen Bädern umso wichtiger, um ein zufriedenstellendes Ergebnis zu erzielen. Am Anfang sollte die Frage stehen, ob häufiger geduscht oder mehr Wert auf ein entspanntes Bad gelegt wird. Auch HSK hat für diejenigen, die sich nicht entscheiden können, mit der Duschwanne Dobla eine Zwei-in-eins-Lösung im Programm. In Sachen Dusche verweist Demirci auf die HSK-Duschkabinen­serien Atelier Plan und Exklusiv mit bewährten Drehfalttüren für „völlige Flexibilität, mehr Bewegungsfreiheit und Platz“.

Jürgen Berner, Artweger: "Das Bewusstsein für Barrierefreiheit ist in den letzten ­Jahren stark gestiegen. Leichte Zugänglichkeit wird auch für ­kleine Bäder gewünscht".

Beständige Trends

Was die Vorlieben der Kunden in Sachen Badausstattung angeht, sind die Trends seit einigen Jahren sehr beständig. Dazu gehört die Tendenz „Wanne raus“: Die alte Badewanne wird durch großzügige, ebenerdige Duschlösungen ersetzt. Für Oliver Riedel sind solche Lösungen, für die sich die Kunden durch Hotelaufenthalte oder Kataloge inspirieren lassen, oft zwar möglich, allerdings gibt es Gegenargumente. „Ich halte offene Walk-in-Duschlösungen für zuhause nicht immer für brauchbar“, sagt der Installateur. Einerseits sei vielen Nutzern durch eine fehlende Tür oft kalt, Zugangswege würden verbaut und – die Armatur wird im Regelfall an der Schmalseite montiert, „damit es nicht zu Überschwemmungen kommt“. Dadurch werde trotz einer Länge von zum Beispiel 1,70 Meter das Duscherlebnis nicht besser, wenn der Nutzer auf der 80 Zentimeter schmalen Seite stehen muss.

Renaissance der Wanne

Auch Jürgen Berner von Artweger bestätigt den anhaltenden Trend hin zur Dusche: „Hier geht es vor allem um ein Zeitthema. Man badet einfach nicht mehr so häufig wie früher.“ Allerdings gab es in letzter Zeit wieder eine erhöhte Rückbesinnung auf den Entspannungswert eines Bades zuhause. Auch das ist wohl Corona geschuldet.

„Wir erleben einen ungebrochenen Trend zur bodenebenen Duschfläche. Insbesondere auch in kleinen Bädern, die von der großzügigeren, offenen Raumwirkung profitieren, da die Dusche einfach ein Teil des Bodens ist und kein Sanitärobjekt mehr, das aufgestellt wird“, bestätigt Sven Rensinghoff von Bette. Und da es keine Schwellen gibt, ist die Dusche zudem für barrierefreie und seniorengerechte Bäder geeignet. Aber auch die Badewanne erlebt in Zeiten des Rückzugs ins Private eine Renaissance. Viele Menschen sehnen sich nach Wärme und Geborgenheit und möchten sich zuhause verwöhnen. Dieser Wunsch nach einem Wellnesserlebnis in den eigenen vier Wänden fördert auch den Absatz. Artweger trägt diesem Trend zum Beispiel mit einem weiteren Kombi-Produkt, der Dampf-Dusche Body + Soul Rechnung: Diese ist eine „normale“ Dusche mit einer zuschaltbaren Dampffunktion sowie Accessoires wie Sitzbank, Audio und Farblicht. Das Modell ist schon ab einer Abmessung von 90 mal 90 Zentimeter zu haben.

Sven Rensinghoff, Bette: "Der Trend zur boden­ebenen ­Dusche ist ungebrochen. Allerdings erlebt auch die Badewanne in Zeiten des Rückzugs ins Private eine Renaissance".

Farbe im Bad

Nach einer sehr langen „weißen Periode“ ist Farbe im Bad wieder ein Thema. Das zeigt sich bei Armaturen, Profilen, Sanitärkeramik und Möbeln, wobei man mit nicht fix verbauten Komponenten natürlich flexibler bleibt. Jürgen Berner von Artweger dazu: „Mit Farben kann man im Bad schöne Akzente setzen. Profile und Beschläge unserer Duschen können bei und in vielen RAL-Farben beschichtet werden.“ Bei der Sanitärkeramik und bei Fliesen ist in kleinen Räumen allerdings Vorsicht geboten. Denn zu dunkle Farben können kleine Räume zusätzlich „drücken“.

„Ich habe auch bemalte Keramiken im Programm, die vielen gut gefallen. In der endgültigen Umsetzung sind die Kunden dann aber meist noch nicht so mutig“, berichtet Oliver Riedel aus der Praxis. Im Vormarsch sieht er kräftige Hölzer wie z. B. Eiche, auch Naturtöne sind immer gefragt, ebenso wie Grau, und das durchaus in kräftigeren Tönen. Farbige Armaturen begeistern ebenso – allerdings ist der Preissprung von Chrom glänzend zu z. B. Gold matt doch ein großer, was viele Kunden wieder einen Rückzieher machen lässt.

Einfache Renovierung

Im Trend liegen auch Wandverkleidungssysteme. „Diese ermöglichen genau das, was sich viele Endverbraucher wünschen: einen schnellen Badumbau mit wenig lästigen Geräuschen und Schmutz“, sagt Erdogan Demirci von HSK Duschkabinenbau. Weitere Vorteile sind wenige Fugen für eine leichte Pflege, in der Umsetzung ist eine derartige Renovierung oft auch kostengünstig. Bei HSK wurde die Wandverkleidung Reno-Deco in den letzten Jahren sukzessive weiterentwickelt, mittlerweile hat man drei unterschiedliche Oberflächen im Programm. Auf Wunsch ist auch eine individuelle Bedruckung möglich.

Oliver Riedel, 1a-Installateur: "Das, was machbar ist, wird eher vom Budget als von der Größe des Badezimmers bestimmt".

Herausforderungen in Planung und Ausführung

Für Oliver Riedel liegt die größte Herausforderung darin, „die Kundenwünsche auf dem vorhandenen Platz unterzubringen“. Hilfreich dabei sind vorkonfektionierte Lösungen: „Bei den flachen Ablaufsystemen gibt es mittlerweile sehr gute Produkte“, so Riedel. Dennoch müsse man die Kunden in Bezug auf bodenebene Duschen oft enttäuschen, da in vielen Altbauten dazu einfach die Aufbauhöhe fehlt. Manches ist zwar durch den Einbau einer Pumpe möglich, allerdings steht dieser Aufwand zumeist nicht für das Ergebnis. Der Fachmann rät hier eher zu einer kleinen Abstufung, die zum Beispiel durch eine entsprechende Verfliesung sehr ansprechend wirken kann.

Sven Rensinghoff bringt einen weiteren Punkt in die Diskussion ein: „In der aktuellen Situation ist das Handwerk nach wie vor der Flaschenhals. Vielerorts sind die Auftragsbücher gut gefüllt, jedoch fehlt es an Manpower.“ Zur Linderung der „Zeitnot“ sind Installationslösungen nötig, die die Arbeit schneller, einfacher und sicher machen. Als ein Beispiel nennt der Marketingleiter die weitgehend vorkonfektionierte Installationsbox Easy Connect. Diese wird in den Estrich eingelassen, stellt den Anschluss für Dusche oder Badewanne bereit und sorgt für normgerechte Dichtigkeit. Eine mit dem Minimum-Wannenträger vorgerüstete Duschfläche kann dann einfach auf den Estrich aufgeklebt werden.

Starke Nachfrage in der Krise

Durch die Corona-Krise hat sich die Nachfrage nach Badsanierungen sogar noch erhöht. Die Gründe dafür sind vielfältig. Zum einen haben die Menschen mehr Zeit, sich über nötige „Upgrades“ in ihrem Zuhause Gedanken zu machen, und es bleibt eigentlich für einen Urlaub zur Seite gelegtes Geld übrig. Zum anderen sind die Kreditzinsen niedrig, und es herrscht auch eine gewisse Angst vor einer bevorstehenden Geldentwertung. Daher wird lieber investiert und saniert anstatt gespart.

Oliver Riedel ortet aber auch Nachteile: „Die Nachfrage ist größer, und der Wille zum Investieren ist da. Die Menschen haben aber auch mehr Zeit, bezüglich Preisen für Sanitärausstattungen im Internet zu recherchieren.“ Das Verständnis, dass ein Rund-um-Service und die Ausführung samt Gewährleistung durch einen namhaften Fachbetrieb ihren Preis haben, sei durchaus vorhanden. Allerdings führen die teilweise sehr niedrigen Preise für Markenartikel auf diversen Internetplattformen zu massiven Irritationen. „Die Kunden glauben, wir wollen sie übervorteilen. Dabei liegen diese Preise oft unter meinem Einkaufspreis im Großhandel“. Eine 15-prozentige Differenz ließe sich noch gut argumentieren, wenn der Preisunterschied aber bei mehr als der Hälfte liegt, verliere man als Installateur auf jeden Fall. Riedel behilft sich in solchen Fällen mit „Zwischenlösungen“, indem er neben Markenprodukten, die er über den Großhandel bezieht, auch auf Produkte setzt, die im zweistufigen Vertriebsweg zu haben sind. Bei der Möblierung greift er vermehrt auf Tischlermöbel zurück – diese machen zudem individuelle Lösungen in Kleinbädern einfacher möglich.

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