Recycling rettet Stahlindustrie

Forschung
04.11.2016

 

Eine gerade veröffentlichte Fraunhofer-Studie sieht Recycling als wesentlichen Akteur in der Wertschöpfungskette der Stahlindustrie. Die Forscher sprechen von einem „symbiotischen Verhältnis“ von Stahlproduzenten und Stahlrecyclingunternehmen.

Stahl- und Edelstahlschrott sind eine wichtige Säule der Rohstoffversorgung der Stahlproduktion.

In der ersten umfassenden wissenschaftlichen Studie über die Rolle des Stahlrecyclings, welche sich im Detail mit den technischen, ökonomischen, ökologischen und gesellschaftlichen Faktoren von Stahl- und Edelstahlschrott befasst, untersuchten die Forscher die Bedeutung der Stahlrecyclingunternehmen in Deutschland. Ergebnis: Die Stahlrecyclingbranche ist der zentrale Dienstleister in der Wertschöpfungskette der Stahlindustrie und nimmt in Zukunft eine noch wichtigere Rolle bei der Entwicklung der zirkulären Wirtschaft ein.

Als einen wesentlichen Grund nennen die Experten, dass der derzeitige und künftige Rohstoffbedarf der deutschen Stahlindustrie allein aus Primärmaterial nicht zu decken ist. Markus Hiebel, Leiter der Abteilung Nachhaltigkeits- und Ressourcenmanagement bei Fraunhofer Umsicht: „Die Unternehmen der Stahlrecyclingwirtschaft sind es, die die Sekundärrohstoffe erfassen und qualitativ so aufbereiten, dass das Material von den Stahlproduzenten überhaupt wiedereingesetzt werden kann.“ Zudem würden das Know-how und die Qualitätssicherung der Stahlrecyclingwirtschaft wegen zunehmend komplexerer Produktzusammensetzungen und Stoffströme immer wichtiger.

Urban Mining

Die Forscher sprechen daher in ihrer Studie von einem „symbiotischen Verhältnis“ von Stahlproduzenten und Stahlrecyclingunternehmen. Nicht nur im Edelstahlbereich habe die Stahlrecyclingbranche eine ausgefeilte Analytik und innovative Techniken entwickelt, um den steigenden Qualitätsstandards der Stahlwerke gerecht zu werden.

Die Studie zeige, dass Stahl- und Edelstahlschrott in der Öffentlichkeit zu Unrecht als Rohstoff zweiter Klasse bzw. als wertlos abqualifiziert werde. „Schrott ist heute ein unverzichtbarer Sekundärrohstoff für die Produktion von hoch innovativen Stahlprodukten, sowohl national als auch International“, erklärt Dr. Hiebel von Fraunhofer Umsicht.

Intelligent gesteuertes Sekundärmaterial

Der Studie zufolge kann intelligent gesteuertes Sekundärmaterial ohne Qualitätsverlust und immer wieder in der Stahl- und Edelstahlproduktion u. a. für die Bereiche Bau, Automobil, Energietechnik sowie in der Luft- und Raumfahrttechnik eingesetzt werden. Durch Fortschritte in der Werkstofftechnik können aus ausgedienten Stahlprodukten im Zeitverlauf sogar Werkstoffe mit besseren Eigenschaften hergestellt werden.

Zudem macht der Schrotteinsatz deutsche Stahlprodukte deutlich klimafreundlicher als im Ausland produzierte Stähle und spart Energie. Nicht zuletzt sorgt der Einsatz von Schrott als Sekundärrohstoff in der Stahlproduktion dafür, dass weniger Primärrohstoffe und Stahlprodukte, die zum Teil unter fragwürdigen Bedingungen gefördert und produziert, nach Deutschland importiert werden.

Auch in der Hochofenroute wurden in den letzten Jahren enorme Fortschritte bei der CO2-Minderung erzielt. Die Studie zeigt jedoch, dass die Produktion von 12,6 Mio. Tonnen Rohstahl auf Basis des Sekundärrohstoffs Stahlschrott über die Elektrostahlroute dazu beiträgt, in Deutschland rund 17 Mio. Tonnen CO2 pro Jahr einzusparen, im Vergleich zu einer Rohstahlproduktion, die rein auf Basis von Primärrohstoffen stattfinden würde.

Zusammengefasst belegt die wissenschaftliche Studie, dass Stahl- und Edelstahlschrott eine wichtige Säule der Rohstoffversorgung der heimischen Stahlproduktion sind und dessen qualitätsgesicherte Bereitstellung eine zirkuläre Wirtschaft erst ermöglicht. So kann durch die intensive Schrottnutzung in Deutschland ein dringend nötiger Wettbewerbsvorteil für die deutsche Stahlindustrie insbesondere gegenüber den asiatischen Playern erreicht werden. Denn in China sind Schrott und das diesbezügliche Know-how noch knapp.

[red/fraunhofer]

Hier geht's zur Studie

Zukunft Stahlschrott“ [PDF 1,86 MB]

Branchen
Metall