BAUSTOFF

Klimaretter Beton

Beton
27.10.2021

Beton ist für rund acht Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich. In Zukunft könnte Klimabeton einen wesentlichen Beitrag zum Umweltschutz leisten.

Klimabeton
Klimabeton könnte die Ökobilanz von Betonwerkstoffen bedeutend anheben.

Lösen wir die Herausforderungen unserer Zeit ausschließlich mit neuen Innovationen und Technologien? Oder geht es vielmehr darum, altbewährte Umweltstrategien um neue Konzepte zu erweitern? Um Antworten auf diese Frage zu finden, befasst sich die Baubranche aktuell mit einem altbekannten Werkstoff, der aus unserer heutigen Zeit nicht mehr wegzudenken ist: Beton.

Beton? Ja, aber grün!

Ob Beton in Zukunft als Klimaretter oder Klimakiller in die Geschichte eingehen wird, entscheiden Entwicklungen, die wir heute oder in den nächsten Jahren machen werden. Dabei könnte der sogenannte Klimabeton – beziehungsweise Recyclingbeton – einen wesentlichen Beitrag zum Erreichen der Klimaziele leisten. Demnach werden für die Betonherstellung schon jetzt Bestandteile von abgerbochenem Altbeton in eine Betonherstellung rückgeführt sowie Alternativen zu Sand und Kies eingesetzt. Der Ersatz von Zement durch den Einsatz von Hüttensanden und ähnlichen Möglichkeiten wird aktuell mit viel Aufwand verfolgt und optimiert. Auch das wird helfen, den Fußabdruck von aktuell rund 521 kg CO2/t Zement weiter zu reduzieren. Dabei sind selbst die Möglichkeiten zum Einfangen des emittierten CO2 am Kamin der Zementwerke mittels CCS Technologie angesichts steigender CO2 Preise hoch im Kurs und werden in den nächsten Jahrzehnten zunehmend Anwendung finden. Dennoch steht außer Frage, dass es größere Veränderungen braucht, um mit Beton nachhaltig klimapositive Effekte zu generieren.

Recycling von Beton
Recycling von Beton: In Zukunft wird es immer wichtiger sein, Abbruchmaterial in die Betonherstellung rückzuführen.

CarStorCon-Technologie

Gemeinsam mit dem Ingenieurbüro von Axel Preuß aus Norddeutschland entwickelte SynCraft, das österreichische High-Tech-Unternehmen mit Sitz im Tiroler Schwaz, die sogenannte CarStorCon-Technologie (Carbon-Storage-Concrete-Technologie), mit welcher es möglich wird, einen technischen Kohlenstoff herzustellen, der die Umweltbilanz des Betons deutlich verbessert. Die ersten Testreihen haben bereits gezeigt, dass jener sogenannte Klimabeton sowohl in Sachen Druckfestigkeit als auch in Sachen Oberflächenbeschaffenheit herkömmlichen Betonwerkstoffen in nichts nachsteht: "Ganz im Gegenteil, es sieht eher danach aus, als lassen sich deutliche Verbesserungen damit erzielen“, meint Axel Preuß. Um die Möglichkeiten jener Innovation weiter auszuschöpfen, hat In2ovation die Technologie übernommen und entwickelt aktuell ein entsprechendes Vermarktungskonzept. In einem großangelegten Forschungsvorhaben mit der Bundesanstalt für Materialforschung und –prüfung in Berlin soll auf diese Weise der nächste Entwicklungsschritt begleitet werden.

Links: Klimabeton, rechts: konventioneller Beton
Die Zukunft kann beginnen. Linkes Bild: Klimabeton, rechtes Bild: konventioneller Beton.

Gemeinsam für das Klima

Bei allen Hürden die Klimabeton noch vor sich hat, bis er in allen möglichen Bereichen selbstverständlich zur Anwendung kommt, kann man jetzt schon eines festhalten: Der Weg zu einem nicht nur klimafreundlichen Beton, nein sogar zu einem klimaneutralen Beton, ist keine bloße Utopie. Aktuell haftet ihm noch immer ein negatives Image an – die vorigen Darstellungen haben jedoch eindrücklich aufgezeigt, dass die Möglichkeiten in Bezug auf nachhaltige Produktionsmethoden längst nicht ausgeschöpft sind. Es ist zu erwarten, dass der Bedarf weltweit wachsen wird, denn die bauphysikalischen Eigenschaften jenes Werkstoffes machen ihn zu einem unverzichtbaren Baumaterial für die Infrastruktur. Aus Klimaschutzgründen wird es also immer wichtiger werden, neue Verfahren in der Betonherstellung zu entwickeln.

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