Erben, vorher schenken – oder kaufen?

Grunderwerbssteuer
13.10.2014

 

Autor: Dr. Michael Kowarik

Wieder einmal im letzten Moment sind die neuen Bestimmungen des Grunderwerbsteuergesetzes beschlossen worden. Grundsätzlich ist die Steuer – wie bisher – vom Wert der Gegenleistung zu berechnen. Abweichend hiervon sind Erwerbsvorgänge im Familienverband begünstigt, egal ob diese entgeltlich (neu!) oder unentgeltlich erfolgt sind. In diesem Fall ist Bemessungsgrundlage der dreifache Einheitswert, maximal jedoch 30 Prozent des gemeinen Wertes. Der begünstigte Empfängerkreis ist nunmehr sehr eng. 

Hierzu zählen nur

  • Ehegatten oder eingetragene Partner
  • Lebensgefährten bei Vorhandensein eines gemeinsamen Hauptwohnsitzes
  • Kinder, Enkel-, Stief-, Wahl- und Schwiegerkinder des Übergebers

Nicht mehr zum begünstigten Kreis zählen daher u. a. Geschwister, Pflegekinder, Nichten oder Neffen usw.
Die neuen Bestimmungen sind seit 1. Juni 2014 anzuwenden, bei land- und forstwirtschaftlichen Grundstücken ab 1. Jänner 2015 (nur vom einfachen Einheitswert).
Die Steuersätze belaufen sich auf zwei Prozent (im begünstigten Familienkreis) bzw. 3,5 Prozent in allen übrigen Fällen.

Weitere begünstigte Fälle:

  • Erwerbsvorgänge durch Erbe, Vermächtnis oder in Erfüllung eines Pflichtteilanspruchs innerhalb des Familienverbandes vor Abschluss des Verlassenschaftsverfahrens
  • Erwerbsvorgänge im Zuge von Umgründungen im Sinne des Umgründungssteuergesetzes, soweit sie begünstigtes Vermögen darstellen (Bemessung vom zweifachen Einheitswert)
  • Vereinigung aller Anteile einer Gesellschaft in einer Hand
  • Übertragung von Grundstücken in Zusammenhang mit einer unentgeltlichen ­Betriebsübertragung im Familienverband (Freibetrag 365.000 Euro)
  • Gleichteilige Anschaffung oder Errichtung bzw. unentgeltliche Übertragung der Ehewohnung (befreit)

Achtung bei Schenkungen. Schenkungen sind de facto schon lange nicht mehr ­steuerpflichtig – aber anzeigepflichtig!
Diese Formalvorschriften sollen verhindern, dass Schenkungen „bei Bedarf“ im Nachhinein „konstruiert“ werden. Anzeigepflichtig sind sowohl Geschenkgeber als auch Geschenk­nehmer – und zwar binnen drei Monaten. Die Strafandrohung beträgt bis zu zehn Prozent des übertragenen Vermögens. Umgekehrt ist man natürlich mit einer solchen Meldung vor eventuellen unangenehmen Fragen gut geschützt. Bezogen auf das übertragene Vermögen ist nahezu alles meldepflichtig, ausgenommen sind nur Liegenschaften, sofern sie nicht aus einem Betriebsvermögen heraus geschenkt werden, sowie Gelegenheitsgeschenke (bis 1.000 Euro), Hausrat, Kleidung und einige Spezialfälle. Werden Sparbücher geschenkt, sollte man diese – zumindest in Kopie – aufbewahren, ebenso wenn sie Gegenstand einer Einlage in den Betrieb sind (woher stammt das Geld?).

Eine weitere Ausnahme bezieht sich auf die Höhe der Schenkung (eine Schätzung ­derselben ist in aller Regel ausreichend):

  • Zwischen nahen Angehörigen gibt es eine Freigrenze von 50.000 Euro pro Jahr (d. h. mehrere Schenkungen sind zusammenzuzählen).
  • Für alle anderen Personen gilt eine Grenze von 15.000 Euro innerhalb von fünf Jahren.

Für weitere Auskünfte stehen Ihnen Ihre Rat & Tat-Steuerberater, Kanzlei Jupiter ­unter T 01/278 12 95, office@jupiter.co.at, und Dr. Michael Kowarik unter T 01/892 00 55, info@kowarik.at, gerne zur Verfügung. www.ratundtat.at

Branchen
Dach + Wand