Testpfähle für Offshore-Windpark

Tiefbau
01.10.2019

Von: Redaktion Bauzeitung

In Frankreich bilden 14 Onshore-Testpfählen die Grundlage für die Offshore-Windenergienutzung.

An der französischen Bretagne-Küste bei Saint-Brieuc soll in den kommenden Jahren ein Offshore-Windpark gebaut werden. Hierfür bohrte Bauer mehrere Testpfähle.

In Frankreich steht die Offshore-Windenergienutzung noch am Anfang. In den nächsten Jahren soll sich das allerdings ändern: Die französische Regierung will laut einer Meldung des Internationalen Wirtschaftsforums Regenerative Energien (IWR) bis zum Jahr 2030 Offshore-Kapazitäten mit einer Gesamtleistung von über 5.000 MW aufbauen. Eines dieser Projekte ist ein Offshore-Windpark in der Bucht von Saint-Brieuc im Nordwesten Frankreichs, der 2021/22 errichtet werden soll. Den Zuschlag für den Bau, die Installation und den Betrieb erhielt Ailes Marines SAS, an dem die Unternehmen Iberdrola (70 %) und Avel Vor (30 %) beteiligt sind. Iberdrola mit Hauptsitz in Bilbao, Spanien, ist einer der fünf größten europäischen Energieversorger und Weltmarktführer im Bereich Windenergie.

Für den geplanten Windpark wurde die BauerSpezialtiefbau GmbH mit der Planung und Ausführung von insgesamt 14 Onshore-Testpfählen inklusive Belastungstests beauftragt. „Ziel der Onshore-Tests war es, wichtige Mantelreibungswerte für die Gründung des geplanten Offshore-Windparks zu erhalten“, erläutert Paul Scheller, Leiter des Bereichs Unterwassergründungen bei Bauer Spezialtiefbau. „Es handelt sich dabei um die erste kommerzielle Anwendung dieser Art von Pfählen weltweit. Für solche Vorhaben hat Bauer ein spezielles Bohrsystem entwickelt, um temporär verrohrte Bohr- und Injektionspfähle vor der Küste in unterschiedlichsten Bodenschichten herstellen zu können.“

Erfolgreiche Abwicklung

Die Testpfähle wurden in einem aktiven Steinbruch bei Cap Frehel in der Bretagne ausgeführt. Niklas Haag, Projektleiter bei Bauer Spezialtiefbau, berichtet: „Die größte Herausforderung war das extrem harte Gestein. In allen drei Erkundungsbohrungen trafen wir auf Gestein mit mehr als 180 MPa Festigkeit – 60 MPa mehr als ursprünglich vertraglich vorgesehen. Wer sich auskennt, weiß, dass es extrem anspruchsvoll ist, in solch hartem Gestein zu bohren. Insbesondere die Pfähle mit 1.350 mm Durchmesser dauerten deshalb in der Herstellung länger als erwartet, was sich auch im übermäßigen Verschleiß der Bohrwerkzeuge – benutzt wurden Rollenmeißel-Kernbohrrohre – bemerkbar machte. Dank des unermüdlichen Einsatzes der Bauer-Mannschaft vor Ort sowie der Unterstützung der Kollegen in Schrobenhausen schafften wir es jedoch, die Testbohrungen erfolgreich durchzuführen.“

Jedes Bohrloch wurde mittels Laserscanner der Bautechnik-Abteilung der Bauer Spezialtiefbau ausgemessen. Die extreme Prüflast von 10 MN wurde mit einem speziell entwickelten Lastverteilungssystem in die Mikropfähle eingebracht. Die größeren Pfähle wurden mit internen Pfahlprüfpressen Typ Osterberg bis zu 40 MN belastet. Zur Messung der Bodenhebung um die Testpfähle herum verwendete Andreas Simson, Leiter der Testabteilung der Bautechnik, ein Geo-Lasersystem, das die Bewegung alle zehn Sekunden aufzeichnete.

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