Sanitär

In zehn Schritten zur Wellnessoase

Sanitär
20.01.2021

Von: Redaktion Gebäudeinstallation
Aktualisiert am 20.01.2021

Der private Luxus steht im Vordergrund beim Wellness-Erlebnis – in einem ausgefallenen Hotelbadezimmer genauso wie beim Wellness-Wochenende im Nobel-Spa. Und genau dieses Lebensgefühl wünschen sich immer mehr Kunden auch in ihrem Privatbad.

Private SPA

Mit der Erfahrung der letzten Monate erscheint die Außenwelt unsicherer denn je – umso mehr gewinnt das Private Spa-Konzept an Wert für das individuelle Wohlbefinden. Planung und Realisierung eines Private Spa gehören damit zu den stabilsten Geschäftsfeldern im Haustechnik- und Ausstattungsgeschäft. 

„Die Nachfrage nach ganzheitlicher Badplanung und nach Sanierungen von älteren Bädern ist während der Pandemie seit März 2020 signifikant gestiegen. Das Private Spa als Rückzugsort mit hoher Aufenthaltsqualität und Komfort-Produkten wie etwa einem Dusch-WC oder einer freistehenden Badewanne steht bei vielen Wohnungs- und Hausbesitzern ganz oben auf der Wunschliste“, so Jens J. Wischmann, Geschäftsführer der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft e.V. (VDS).

Das Private Spa-Konzept entwickelt sich weiter

Für den Wellness-Effekt sorgen sowohl Ausstattungselemente wie Regendusche, Sauna oder eine hochwertige Möblierung als auch weiche Faktoren wie das Raum-Ambiente, Wärme und eine sinnliche Inszenierung – denn wo ehemals „Wellness“ im Vordergrund stand, legen Badnutzer heute Wert auf eine Ästhetik, die förderlich für die so genannte „Achtsamkeit“ ist. Ganz rund wird die Sache aber erst, wenn das Interior Design-Konzept eine Geschichte erzählt: ein natürliches Ambiente, ein eleganter Salon, ein cooles Loft-Feeling, eine exotische Welt, ein ländliches Idyll – hier ist Fantasie gefragt.

Erstmals 2009 anlässlich der ISH von Pop up my Bathroom eingeführt, steht der Begriff Private Spa seit über zehn Jahren für individuelle Badkonzepte, die eine ganzheitliche Gestaltung des Bades zu einem Erlebnisraum verfolgen. Folgende Faktoren machen die ganzheitlichen Badplanung eines Private Spa zum Erfolg:

01. Farb- und Materialkonzept

Auch wenn sich Geschmacksfragen nicht endgültig entscheiden lassen, halten sich Top-Badplaner und Architekten doch an einen grundsätzlichen Gestaltungscode: Für eine hohe Gestaltungsqualität sollte ein Private Spa ein konsistentes Farb- und Materialkonzept durchhalten, das auf Wand, Boden und die verwendeten Sanitärprodukte abgestimmt ist. Das klingt einfacher, als es ist, denn Weiß ist nicht gleich Weiß, und es gilt wirklich alle verwendeten Farben und Materialien zu harmonisieren – und das bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen. Das Farbkonzept eines Private Spa soll überraschen, die Nutzer am frühen Morgen in seiner Morgenroutine unterstützen und am Abend zum Wohlfühlort werden. Farb- und Materialcollagen helfen dabei, das Konzept zu visualisieren und dem Bauherrn ein Bild von seinem neuen Bad zu vermitteln.

02. Weg von der Wand: in den Raum denken

Die Physik des Wassertransports lässt sich nicht außer Kraft setzen und spricht daher für die Wand als vertikale Versorgungsstruktur. Doch bietet die Sanitärindustrie auch immer mehr Lösungen an, um das Wasser mitten in den Raum zu transportieren. Mit der freistehenden Badewanne kommt Bewegung in das Stelldichein an der Wand. Wasserführende Produkte können zunehmend von der Wand entkoppelt und in ein offenes Raumkonzept integriert werden. Vor allem im Neubau kann der Architekt damit – ähnlich der beliebten Kochinsel in der Küche – das Private Spa neu denken: mit Rundum-Nutzung, kommunikativeren Produkten, offenen Grundrissen, alternativen Sichtachsen und hellen, weil mit großen Fenstern planbaren Räumen. Großzügige Grundrisse helfen eine professionelle Zonierung vorzunehmen: Verkehrsflächen, Nutzungszonen und Funktionszonen können sich daran orientieren, wie die Bewohner (zusammen-)leben und welche Erwartungen sie an ein Private Spa haben.

03. Mehr Raum zur Interaktion und Bewegung

Heute wird die in Wohnzimmer, Garten und Küche gelebte Wohnkultur auf das Badezimmer übertragen. Die Steigerung der Aufenthaltsqualität geht einher mit einer gestiegenen Nutzungsdauer. Das Private Spa ist nicht mehr nur der Raum zum Abschließen für die Toilettennutzung, sondern auch der Raum für Partnerschaft und Familie. Freiräume schaffen Platz für mehr Interaktion und gemeinsame Aktivitäten. Die Erweiterung zum Fitness-Raum stellt das Badezimmer auf eine neue Nutzungsebene, und eine Sitzfläche oder ein Sitzmöbel lädt zum Lesen ein. Voraussetzung hierzu ist eine Erweiterung der Grundfläche.

04. Cleanness ist Wellness für die Augen

Ein vielgenutztes Badezimmer ähnelt kaum den Idealbildern aus den Hochglanzmagazinen. Zweifellos trägt ein aufgeräumtes Badezimmer aber zum wohltuenden Gesamteindruck eines Private Spa bei. Ein Stauraumkonzept, Einbauregale und Badmöbel mit großen, gut organisierten Schubladen und Hochschränken helfen, den Krimskrams vor den Augen zu verbergen. Im Gegenzug können Konsolen, Vitrinen oder Nischen bewusst als Deko-Plattform für ausgesuchte persönliche Badutensilien oder Dekorationen inszeniert werden. So entsteht ein authentisches und cleanes Interior Design, das nicht kühl wirkt.

05. Wasser wird zum Thema gemacht

Der einhüllende Wasserdampf eines heißen Bades, das fließende Geräusch einer Waschtisch-Armatur oder das Plätschern einer Kopfbrause: das Element Wasser transportiert Emotionen und ist eine entscheidende Komponente bei der Profilierung eines Private Spa. Sanitärhersteller helfen mit zahlreichen Armaturen, Duschpanels, Kopfbrausen, Massagedüsen, Kneipp-Anwendungen, freistehenden Badewannen oder bodenebenen, an natürliche Wasseraufkommen erinnernde Duschflächen, das Element Wasser emotional zu inszenieren.

06. Storytelling

Ein Badplaner und Architekt ist auch ein moderner Geschichtenerzähler. Ein neu zu planendes Badezimmer mit Private Spa-Anspruch unterliegt nicht nur einem formal-ästhetischen Gestaltungskonzept, sondern auch einer inhaltlichen Idee. Das kann unter Rückgriff auf ein Thema mit persönlichem Bezug zum Bauherrn sein, die Einbeziehung der Architektur des Hauses oder eine besondere Lage des Badezimmers (z.B. direkt zum Garten). Ein Familien-Badezimmer sieht anders aus als ein Single-Bad. Ist der Bauherr naturverliebt und lebt bewusst nachhaltig? Spielt Farbe bei der Badplanung eine wichtige Rolle, oder ist der Badnutzer sehr technikaffin? In einem persönlichen Gespräch ermittelt der Badplaner die persönlichen Interessen und Badezimmer-Rituale, um eine ganz private Spa-Geschichte zu erzählen.

07. Wohnlichkeit und Wärme

Ein Private Spa ist wohnlich bis gemütlich eingerichtet. Kaum ein Gestaltungstrend hat das Badezimmer in den letzten zehn Jahren so geprägt wie der Trend zur Wohnlichkeit: Warme Materialien wie Holz oder Textilien, Möbel, Teppiche oder auch eine dekorative Wand- und Bodengestaltung sind die Gestaltungskomponenten für ein wohnliches Private Spa. Da im Badezimmer die Luftfeuchtigkeitsverhältnisse extrem wechseln können, greift der Gestalter auch auf Imitate und wasserresistente Materialien zurück. Designorientierte Heizkörper unterstützen den Gesamteindruck. Doch auch der beste Plan kann dem Bauherrn nicht vermitteln, welche Wirkung eine dampfende Badewanne und eine angenehme Wärme auf das Raumempfinden haben – das kann erst das fertige Bad.

 08. Professionelle Lichtplanung 

Das Thema Licht ist bei der Inszenierung eines Private Spa die wohl wichtigste Komponente. Eine professionelle Lichtplanung schafft erst die Voraussetzung für viele schöne persönliche Momente im Private Spa. Dabei spielt die Wechselwirkung zwischen natürlichem Licht im Tagesablauf und künstlichem Licht eine wichtige Rolle. Je nach Nutzung des Badezimmers kommt funktionales oder emotionales Licht zum Einsatz. Bis hin zum Nachtlicht werden in der Planung verschiedene Szenarien festgelegt und umgesetzt. Erst die harmonische Abstimmung mit der Badarchitektur, den Sanitär-Produkten und inszenierten Objekten, wie zum Beispiel eine beleuchtete Dusch-Rückwand oder eine indirekt beleuchtete Badewanne, macht das Private Spa zum Rückzugsort mit hoher Aufenthaltsqualität.

09. Komfortgewinn durch innovative Sanitärprodukte

Das Badezimmer hat in den letzten zehn Jahren einen enormen technischen Fortschritt erfahren: Planung und Montage werden durch digitale Tools und innovative Montagesysteme erleichtert, womit sich ganz neue Gestaltungsmöglichkeiten eröffnen. Neue technische Lösungen, die in Kombination mit Vorwandinstallationen genutzt werden können, eröffnen auch neue architektonische Lösungen, wie etwa innovative Duschrinnen, Ablageflächen, Nischen oder Halterungen für Walk-in-Duschen. Vor der Wand setzen innovative Produkte neue Standards im Bereich Hygiene, Sicherheit, Komfort oder smarte Technologie. Die Elektrifizierung schreitet immer weiter voran, weshalb auch bei jeder Planung entsprechende Stromanschlüsse zum Nachrüsten vorgesehen werden sollten.

10. Das Bad personalisieren

Viele Badplaner übergeben bei Fertigstellung das neue Private Spa „besenrein“. Verschiedene Fernsehformate machen vor, wie man es besser macht – nämlich mit einem „Tusch“. Es braucht nur wenige Handgriffe, um das neue Badezimmer zu erhöhen. Mit farblich passenden Deko-Objekten, wohnlichen Accessoires oder Ausstattungselementen mit Bezug zum Bauherrn wird das Private Spa erst richtig rund und die Übergabe zum feierlichen Event.

Jens J. Wischmann sieht zur ISH digital 2021 einen weiteren Wachstumsschub für die ganzheitliche Philosophie des Private Spa: „Natürlich liefert eine Krisenzeit wie diese einen besonderen Grund, sein Badezimmer als Rückzugsort zu begreifen und zu einem Private Spa zu machen. Doch das ist nicht das vordringlichste Motiv für ein Private Spa. Vielmehr handelt es sich um eine nachhaltige Entwicklung, dass die Bedeutung des Badezimmers im Kanon der Wohnung immer mehr zunimmt. Deshalb lautet mein Appell an die Architekten des Wohnraums von morgen: Macht die Badezimmer in Zukunft bitte größer!“

Die von der Sanitärwirtschaft für diese moderne Badkultur entwickelten Raumkonzepte weisen viele unterschiedliche Elemente auf – wie etwa Wohnlichkeit, Funktionsdifferenzierung, Wasserinszenierung oder Regenduschen –, die einzeln gesehen nichts Revolutionäres an sich haben, deren sinnvolle Kombination jedoch einen innovativen, ambitionierten Badezimmertyp schafft: das Private Spa.

(CK)

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