Eingangstüren

Starkes Entrée

Eingangstüren gehören zu den „Klassikern“ des Metallbaus und sind in vielen Designvarianten und mit jeder Menge Funktionen ausgestattet zu haben.

12.03.2021
Metallbau
Gernot Wagner

Moderne Eingangstüren für den privaten oder gewerblichen Bereich müssen einiges „draufhaben“: Neben dem ansprechenden Design zählen vor allem die harten Fakten: Sicherheit, Wärme- und Schalldämmung sowie Brand- und Feuerschutz.

Neubau und Sanierung

Mit dem Bauelement „Eingangstüre“ können Metallbaubetriebe auch in den aktuell schwierigen Zeiten gute Geschäfte machen. Sowohl im Neubau als auch bei einer Sanierung. Denn gerade jetzt haben viele ­private und gewerbliche „Anwender*innen“ (teilweise gezwungenermaßen) mehr Zeit, um ihre veralteten Eingangstüren auszutauschen. Und da finden sich hierzulande noch viele Tausende Türen, die den aktuellen Standards und Normen schon lange nicht mehr entsprechen. Metallbauer können hier ein vielfältiges Angebot der Hersteller von Profilen und Türsystemen nutzen. Und mit Online-Konfiguratoren funktioniert die Auswahl und Planung von anspruchsvollen Türsystemen heutzutage auch recht schnell.

Hersteller mit Ideen

Da es bei Eingangstüren für private und gewerbliche Bauten sehr viele Möglichkeiten gibt, die hier nicht alle aufgezählt werden können, empfiehlt es sich über die bereits selbst oder von anderen Firmen realisierten Projekte nachzudenken sowie die informativen Internetseiten der Hersteller von Profilen und Systemen wie Dana, Heroal, Hörmann, Hueck, Teckentrup, Schüco (Alu­KönigStahl) oder Wicona zu studieren. Bei diesen Anbietern findet man für jedes Gebäude und jeden Einsatzzweck die passende Türe. Von „klassischen“ Haus- und Wohnungseingangstüren bis zu speziellen Funktionstüren, die erhöhten Schutz gegen Einbruch, Feuer, Rauch oder Lärm bieten. Die dabei eingesetzten Materialen sind im Metallbau vorwiegend die robusten und langlebigen Werkstoffe Aluminium, Stahl oder Edelstahl. Durch Beschichtungen mit praktisch allen RAL-Farben sind vielfältige Designs möglich. Und der Nachhaltigkeitsgedanke hat auch schon Einzug gehalten, denn viele Hersteller verwenden beispielsweise zu einem hohen Anteil recyceltes Aluminium, was Energie- und Materialeinsparungen beim Primärmaterial bedeutet.

Welche Normen beachten

Die jeweiligen Normen sind in der Folge angeführt. Die aktuell gültigen Vorschriften findet man in den europäischen Normen EN und nationalen ÖNormen. Da einige Bestimmungen in Europa oder Österreich öfter adaptiert werden, empfiehlt es sich, die aktuelle Gesetzes- und Normenlage hinsichtlich der unterschiedlichen Funktionstüren zu recherchieren.

Grundsätzlich gilt bei allen Eingangstüren mit speziellen Funktionen: Es zählt nicht nur die Türe allein, sondern das gesamte System inklusive Bändern, Schloss, Beschlag, Dichtung sowie auch die Verglasung. Und selbstverständlich ist die fachgerechte Montage wichtig. Funktionstüren sind nicht „alleine verantwortlich“, sondern immer ein Teil eines Gesamtkonzepts für das jeweilige Gebäude. Sind etwa Nebeneingangstüren in den Keller schlecht gesichert, verfehlt ein hoher Einbruchsschutz bei der Haustüre seinen Zweck. Genauso wenig bringen Türen mit Brand-, Schall- und Wärmeschutz, wenn Wände, Decken und Fenster zu schwach sind.

Einbruchschutz

Für einem wirksamen Schutz vor finsteren Zeitgenossen ist eines vorab entscheidend: Die Bezeichnung „Sicherheitstür“ ist kein geschützter Begriff. Türen mit dieser Bezeichnung sind daher nicht verpflichtend geprüft. Im Gegensatz dazu müssen „einbruchhemmende“ Türen den dafür vorgesehenen Normen entsprechen.

Die Widerstandsfähigkeit von einbruchhemmenden Türsystemen definiert die europäischen Norm EN 1627, in Österreich ergänzt durch die ÖNorm B 5338 (die u. a. eine Registrierung am Österreichischen Normungsinstitut vorschreibt).

Unabhängige, akkreditierte Prüfinstitute testen und vergeben danach die Klassifikation der entsprechenden Widerstandklasse (Resistance Class – RC) von RC 1 bis RC 6. Dabei berücksichtigt die Prüfung die eingesetzten Werkzeuge sowie die Zeit, die ein Einbrecher brauchen würde, um das Hindernis Türe zu überwinden. Die unterste Widerstandsklasse RC 1 bietet praktisch kaum nennenswerten Schutz. Ausreichende Sicherheit gibt es erst ab RC 3 (bei Türen mit Verglasung muss diese auch durchbruchhemmend sein). Dabei müssen die Bauelemente mindestens fünf Minuten Widerstand leisten gegenüber zwei Schraubenziehern und einer Brechstange. Verwenden die Täter Säge, Axt, Stemmeisen, Hammer und Akku-Bohrmaschine, dann ist RC 4 gefragt, wobei das Bauteil hier frühestens nach zehn Minuten „aufgeben“ darf. Eingangstüren mit RC 5 müssen Elektrowerkzeugen wie Bohrmaschine, Stichsäge und Winkelschleifer mindestens 15 Minuten und RC 6 mindestens 20 Minuten standhalten. Die Klassen RC 4 bis RC 6 verwendet man im Regelfall in gewerblich genutzten Gebäuden, mitunter auch im exklusiven privaten Wohnbau.

Einbruchhemmende Eingangstüren bieten einen wirksamen Schutz gegen finstere Zeitgenossen.
© Hörmann

Brand- und Rauchschutz

Brandschutztüren müssen bei Brandabschnitten sowohl im öffentlichen als auch im privaten Bereich verpflichtend eingesetzt werden. Auch eine langjährig eingeführte Praxis hat sich geändert: Zarge und Türe müssen komplett von einem einzigen Lieferanten geliefert, montiert und überprüft werden. Die Kriterien an Brand- und Feuerschutztüren (in der Fachsprache als „Feuerschutzabschlüsse“ bezeichnet) regelt in Österreich die ÖNorm B 3850, europaweit die EN 16034. Es dürfen ausschließlich zertifizierte Brandschutztüren eingebaut werden, die alle gesetzlichen Auflagen erfüllen. Der Einbau einer nicht geprüften Brandschutztüre ist verboten, und die Versicherung steigt hier sowieso ganz sicher aus.

Durch die verschärfte Kennzeichnungspflicht können alle Details zum Türelement auch nachträglich ausgelesen werden. Im Brandschadensfall kann die Behörde so nachvollziehen, mit welchen Materialien gearbeitet wurde und ob die gesetzlichen Bestimmungen eingehalten wurden. Im Ernstfall sind alle Beteiligten relativ einfach ausgeforscht und haften für Schäden.

Da sich Rauchgase sehr schnell ausbreiten, sind sie ebenso lebensgefährlich wie Feuer. Oft sind die giftigen Rauchgase die weitaus größere Gefahr. Die aktuellen Rauchschutztüren sind nach EN ­1634-3 (rauchdicht) geprüft. Die ÖNorm B 3851 Klassifikation „S“ Rauchschutzabschlüsse definiert, welche Schutztüren den Durchgang von Rauchgasen (bis zu 200 Grad Celsius) unter bestimmten Voraussetzungen verhindern oder einschränken.

Rauchschutztüren sind allerdings keine Feuerschutztüren und umgekehrt. Feuerschutztüren können aber mit Rauchschutz nachgerüstet werden. Reine Rauchschutztüren verhindern im Brandfall lediglich die Ausbreitung des gefährlichen Brandrauches und zwar so, dass Personen ohne Atemschutzmaske einen bis zu etwa 30 Meter langen Gang für etwa zehn Minuten unbeschadet passieren können, um sich in Sicherheit zu bringen. Rauchschutztüren finden sich fast nur im gewerblichen Objektbau, sehr selten im privaten Wohnungsbau. Feuerschutz- und Rauchschutztüren müssen im Brandfall innerhalb weniger Sekunden automatisch von selbst schließen (über automatische Türschließer). Bei Wohnungseingangstüren ist dies nicht erforderlich.

 

Brandschutztüren sind bei Brandabschnitten im öffentlichen und privaten Bereich verpflichtend.
© Teckentrup

Heißer Härtetest

Alle Feuerschutztüren werden nach der EN 1634-1 einer Brandprüfung unterzogen. Dabei müssen die Türen je nach Klasse eine Temperatur von rund 1.000 Grad Celsius mindestens 30 bis zu 90 Minuten Branddauer überstehen. In diesem Zeitraum darf eine bestimmte Grenztemperatur auf der brandabgewandten Seite nicht überschritten werden und keinerlei Flammen durch Türblatt oder Zarge der Brandschutztüren „durchschlagen“. Je nach erreichter Zeit werden die Türen nach diesem heißen Härtetest dann als feuerhemmend (EI30), hoch-feuerhemmend (EI260) oder feuerbeständig (EI290) klassifiziert. In einer gängigen Bezeichnung wie EI30-CS200 steht „E“ für Raumabschluss, „I“ für "Isolierung", die Zahl „30“ für die Zeit des Feuerwiderstandes, „C“ für Closing (selbstschließend) sowie „S“ für „Smoke“(rauchdicht).

Schallschutz

Die Anforderungen an den Schallschutz von Türen definiert die ÖNorm B 8115-2 (Schallschutz und Raumakustik im Hochbau). Darin ist für Außen- und Wohnungseingangstüren ein Schalldämmmaß von 33 dB (Dezibel) festgelegt. Konkret heißt das: Eine Tür mit diesem angegebenen Schalldämmmaß verringert den außenseitigen Lärm um 33 dB (oder je nach Hersteller um einen deutlich besseren Wert).

Je nach Gebäude werden an Türen oft sehr hohe Schallschutzanforderungen gestellt. Gerade in Wohnlagen an vielbefahrenen Straßen, in der Nähe von Flughäfen oder Bahntrassen trägt Schallschutz maßgeblich zur „Beruhigung“ bei. Immerhin erzeugt ein vorbeifahrender Lastwagen einen Lärmpegel von bis zu 90 dB, ein Flugzeug bis zu 130 dB. Als Vergleich: Eine normale Unterhaltung bringt es auf 60 dB. Eingangstüren sollten daher eine ausreichende Lärmdämmung garantieren. Die Wahl der richtigen Schallschutzklasse ist dabei abhängig vom täglichen Lärmpegel. Den können die Türenhersteller mit speziellen Geräten sehr genau ermitteln. 

Die schalldämmende Funktion erreichen Türen durch mehrere spezielle Schichten (Sandwichbauweise) und präzise rundumlaufende Dichtungen. Die Schallschutztür sorgt zwar nicht dafür, dass man auf der anderen Seite gar nichts mehr hört (was ebenso unangenehm sein kann), aber sie „schluckt“ dennoch sehr viel störenden Lärm. Je nach Ausstattung erreichen manche Schallschutztüren herausragende Werte bis zu hochschalldämmenden 57 dB.
 

Wärmedämmung

Die Wärmedämmung bei Eingangstüren, die nach außen führen, ist ein wichtiger Faktor, wenn es um Energieeffizienz geht. Die Anforderungen an den Wärmeschutz von Außentüren sind in der ÖNorm B 5339 festgelegt. Die wichtigste Kennzahl dabei: Der sogenannte U-Wert. Dieser gibt an, wie viel Wärme durch ein Bauteil entweichen kann. Vorgeschrieben ist ein Wärmedurchgangskoeffizient (U-Wert) von maximal 1,7 W/m²K. Je kleiner der Wert, desto besser ist die Dämmwirkung. Besonders energieeffiziente Haustüren weisen Dämmwerte von 0,7 auf und erreichen somit sogar Passivhausniveau. Als Detail nicht zu vergessen ist der gut bekannte untere Türspalt. Dieser sollte ebenso gut gedämmt sein, weil hier Zugluft hereinströmen und viel Wärme entweichen kann. Dafür gibt es Haustüren, die beim Schließen eine zusätzliche Dichtung absenken und somit den Wärmeverlust reduzieren. 

Noch mehr spezielle Türen

Wer als Metallbauer noch weiterdenken möchte, kann sich mit Mehrzwecktüren, Edelstahltüren, Atex-Türen, ­Barrierefreiheit sowie mit automatischen Zutrittssystemen beschäftigen. 
So sind Mehrzwecktüren normalerweise herkömmliche feuerverzinkte Stahltüren, die vielseitig sowohl im privaten Bereich als auch in fast allen gewerblichen Bereichen eingesetzt werden können. Wobei hier keine speziellen Anforderungen an Brand- oder Rauchschutz sowie Lärmschutz bestehen.

Für die besonders hygienefreundlichen Edelstahltüren hat vielleicht gerade jetzt die Gastronomie ein offenes Ohr. Und so genannte Atex-Türen für explosionsgefährdete Bereiche zu installieren, kann auch lukrativ sein.
 

Niederschwellig

Eine gute Möglichkeit für den Metallbauer, Gebäudeeingänge barrierefrei zu machen, ist dort, wo viele Kinder, ältere Menschen und Personen mit eingeschränkter Beweglichkeit aus- und eingehen. Die ÖNorm B 1600 regelt die Barrierefreiheit und gibt vor, wie diese am besten im Sinne aller Betroffenen zu erreichen ist. Ganz besonderes Augenmerk gehört im Hinblick auf Barrierefreiheit den Türen: Die optimale Türbreite beträgt laut Norm 900 mm für den Eingang. Alle Türen sollten schwellenlos ausgeführt werden. Ist eine Türschwelle nicht zu verhindern, darf sie höchstens 20 mm hoch sein, damit man noch relativ leicht darüberrollen kann. Gerade in „viralen“ Zeiten wie jetzt kann es ein gutes Argument sein, die Eingangstüren zusätzlich mit automatischen Zutrittssystemen entweder berührungslos (Handsender, Smartphone-Apps) oder zumindest berührungsarm (Fingerscan) aus- oder nachzurüsten (METALL hat bereits öfter darüber berichtet). Und wer von den Handwerksbetrieben in seinem Gewerbe besonders geschäftstüchtig ist, verweist noch auf die einzelnen länderspezifischen Förderungsmöglichkeiten. Alles in allem eröffnen sich auch – oder gerade – jetzt, wo bei privaten und gewerblichen Kunden oft zwangsverordnet mehr Zeit zur Verfügung steht, viele interessante Chancen für den Metallbauer. (tk)

Nebeneingangstüren sollten auch ausreichenden Schutz und Sicherheit bieten.
© Dana
Metall

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