Die Highlights der glass technology live

Eingebettet in die weltweite Leitmesse der Glasindustrie findet die Sonderschau glass technology live über alle vier Messetage statt. Als Kombination aus Fachschau und Symposium mit über 40 Einzelvorträgen gilt sie als Richtungsweiser in Sachen Fertigungstechnik und konstruktiver Glasbau. Wir haben alle Highlights.

30.08.2016
glasstec
Redaktion Glas
© Messe Düsseldorf GmbH
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Die Higlights der Sonderschau

Die Renaissance des Glasbausteins bei ABT. Das niederländische Ingenieurbüro ABT ist seit den 1950er-Jahren bekannt für machbare und repräsentative Strukturen in der Architektur. Die ABT-Ingenieure haben zusammen mit den Architekten von MVRDV eine komplette Fassade aus Gussglas – Fenster- und Türrahmen inklusive – konzipiert. Die massiven Gussglassteine, -streben und -pfeiler verfügen über eine deutlich höhere Druckfestigkeit als gewöhnliches Mauerwerk. Auf der Messe zeigt ABT ein Mockup seines mit der Technischen Universität Delft entwickelten Gussglases, das so auch in der Fassade des Crystal Houses in der P.C. Hoofdstraat in Amsterdam verbaut wurde. 

Licht ins Dunkel. Eine lichtleitende Ebene im Isolierglasverbund macht ein simples Fenster, eine Trennwand oder eine Fassade zur Lichtquelle. Die ALED-Technologie des österreichischen Unternehmens LightGlass Technology GmbH ermöglicht intelligentes Architekturglas, das allen technischen Anforderungen im Innen-und Außenbereich entspricht. Die Technologie erlaubt völlige Transparenz wie bei herkömmlichen Fenstern, als auch die vollkommen homogene und blendfreie Beleuchtung von Glas. Dabei reguliert sich das System automatisch gemäß der aktuellen Lichtsituation. Gesteuert und programmiert wird das Ganze über eine App oder über gängige Gebäudesteuerungen. LightGlass zeigt auf der Sonderschau Beispiele für den Einsatz im Wohn- und Firmengebäude.

1,2 Tonnen klare Sicht. So viel wog ein einziges VSG-Fenster für eine Megayacht, hergestellt vom Unternehmen Sedak in Bayern. Insgesamt wurden 40 elliptische Scheiben in verschiedenen Glasstärken und mit 15 unterschiedlichen Biegeradien produziert – individuell für die enormen optischen und technischen Ansprüche des Schiffbaus. Für den Schiffbau hat Sedak eine eigene Produktlinie entwickelt, die den strengen Auflagen für eine Zertifizierung durch Lloyds Register entspricht. 
Auf der Sonderschau stellt die sedak GmbH & Co. KG ihre Kernkompetenz exemplarisch in Form eines 20 Millimeter starken dreifach-Laminats in einer Größe von 1,28 Meter mal 3,68 Meter vor. Das sogenannte „Shell Window“ wurde mit einem Stich von 30 Millimetern laminationsgebogen. Die Biegelinie verläuft diagonal, so dass sich die Scheibe perfekt in die sphärisch verlaufende Rumpfoberfläche der Yacht schmiegt. 

Informative Vorträge 

Alle vier Ausstellungstage haben einen besonderen thematischen Schwerpunkt, die Reihe der Vortragenden ist international, Simultanübersetzung Deutsch/Englisch wird angeboten. 

Technische Neuerungen bei der Glasschmelze und Formgebung präsentiert von der DGG/HVG. Welchen Einfluss hat zum Beispiel die Gasqualität auf den Vorgang der Glasschmelze? Diesen interessanten Aspekt beleuchtet am Dienstag das unabhängige Gas-Wärme-Institut e.V. aus Essen. Das Institut steht Gaserzeugern wie Verbrauchern in der Industrie als Berater zur Seite und betreibt eigene Forschung. Homogene Wärme und ein sauberer Verbrennungsvorgang begünstigen ebenfalls ein qualitativ hochwertiges Ergebnis bei der Herstellung von Glas. Dr. Jochen Volkert von der promeos GmbH aus Nürnberg stellt auf der Messe einen flammenfreien Gasbrenner für alle thermischen Produktionsprozesse vor. Darüber hinaus stehen selbstfahrende Glasschmelzprozesse und Effizienzsteigerung durch den Einsatz von Robotern im Fokus der Einzelvorträge. Als Abschlussvortrag endet der Tag mit der Vision „Die Glasfabrik der Zukunft“.

Glasindustrie 4.0 – Produktionstechnologien und Prozesse intelligent vernetzen. Durch den beständigen Austausch von Daten können Maschinensysteme aus Fehlern lernen und diese zukünftig vermeiden. Industrie 4.0 erfordert aber auch ein hohes Maß an Datensicherheit. Glasmaschinenhersteller und Hochschulen arbeiten bei diesem Thema eng zusammen, wie das Beispiel Grenzebach Maschinenbau GmbH in Kooperation mit der HS Augsburg zeigt. Prozesse steuern und regulieren im laufenden Herstellungsbetrieb, dazu kommen schon heute Qualitäts-Scanner zum Einsatz, die jederzeit in bestehende Produktionsanlagen eingebaut werden können und nach den individuellen Anforderungen des Produzenten prüfen. Rainer Feuster von der viprotron GmbH berichtet aus der Praxiserfahrung. 
Das weite Feld der Lasertechnologie im Zusammenhang mit Glasweiterverarbeitung – vor allem optischer Gläser – wird ebenfalls in mehreren Beiträgen an diesem Tag unter die Lupe genommen. Der VDMA bietet mit dem Vortragsprogramm einen Überblick über aktuelle Bearbeitungs- und Veredlungstechnologien. 

Transparente Gebäudehüllen und digitale Planungsprozesse in der Architektur. Die Stadt London ist berühmt für repräsentative Zweckbauten. Und Glas als Werkstoff hat dabei einen großen Anteil. Ingenieur Josef Ludwig vom Planungsbüro p4e weiß um die besonderen Anforderungen, die ein gläserner Zweckbau mit sich bringt. Anhand eines aktuellen Beispiels berichtet er über Tragwerksplanung für Projekte im innerstädtischen Bereich.
Spektakulärstes Anschauungsobjekt ist – wieder London – der in 2018 fertigzustellende zweiteilige Wohnkomplex Embassy Gardens im Stadtteil Battersea. Hier entstehen Appartements in direkter Nachbarschaft zur US-amerikanischen Botschaft, eingebettet in eine grüne Oase. Das Verbindungsstück zwischen den beiden 10-geschossigen Gebäuden bildet ein 25 Meter langer und drei Meter tiefer gläserner Pool in 35 Metern Höhe. Verantwortlich für Konstruktion und Durchführbarkeit ist das Ingenieurbüro EO’C-Eckersley O’Callaghan in London. James O’Callaghan persönlich wird auf dem Podium dieses atemberaubende Projekt vorstellen und veranschaulichen, dass mit der heutigen Technik kaum noch planerische Grenzen bestehen. 

Anforderungen an Fenster und Fassade – heute und morgen. Flachglas als Mehrscheiben-Isolierglas ist seit 40 Jahren Standard im Wohngebäudebau. Und es erfüllt dank intelligenter Technologien immer mehr Aufgaben. Die Industrie forscht gemeinsam mit Hochschulen an vom Bund geförderten Projekten, die das Ziel Nullenergiegebäude im Auge haben. Eines davon ist MEM4WIN: „… in eine 4-fach Einheit aus Dünngläsern soll neben einem Verschattungs- und Lichtlenksystem aus Mikrospiegeln auch Segmente mit organischer Photovoltaik, Solarthermie und Organischen Leuchtdioden (OLED) integriert werden.“ (Forschungsportal der Universität Kassel). Die Reise dorthin ist längst gestartet. Schaltbare Verglasungen mit integriertem Sonnenschutz, Tageslichtplanung in Bürogebäuden, Energiegewinnung mittels integrierter Siliziumzellen – alles heute schon einsetzbar. Dazu zahlreiche Fachvorträge am Freitag. 

Glas

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